Samstag, 20. Mai 2017

Mit dem Beginn des verdienten Wochenendes war mal wieder etwas "Kultur" angesagt ...
Am späten Vormittag machte ich mich auf zu einer kostenlosen Führung durch die sogenannte "Athener Trilogie" - Nationalbibliothek, Universität und Akademie.
Lebt man in Athen, läuft man so oft an diesen zentralen Bauten in der Odos Panepistimiou vorbei, meistens kennt man sie aber nur von außen. Allein den Lesesaal der Nationalbibliothek habe ich schon einmal vor ein paar Jahren besucht, als ich auf der Suche nach einem bestimmten Buch war für einen Aufsatz. Deshalb war diese Führung für mich mehr als interessant, gerade weil ich tatsächlich zu wenig über das "Innenleben" dieser klassizistischen Bauten weiß. Sie alle entstanden zur Zeit König Ottos, unter der Federführung der Architekten Theofil von Hansen und Ernst Ziller - wobei die handwerkliche Ausführung (auch der Malereien und Skulpturen) allein griechischen Künstlern vorbehalten war.

Die Führung dauerte anstatt der angekündigten eineinhalb Stunden fast geschlagene drei Stunden, ein wirklich toller Kunstgeschichtsprofessor der Athener Universität und drei seiner Doktoranden boten mit ihren ausführlichen Vorträgen und Erklärungen höchstinterssante Einblicke in die Geschichte und die künstlerische Bedeutung dieser drei Bauwerke. So vieles wurde erzählt, so vieles erklärt, so viele Fragen - von auch sehr kundigen Besuchern - geduldig und kenntnisreich beantwortet. Und ein Glücksfall, wenn die hochbetagte Enkelin eines der herausragenden Bildhauer, der an diesen Bauwerken mitarbeitete, mit herrlichen Anekdoten aus dem Leben des Großvaters diese Führung bereichert. Viel zu viel, um dies auch nur in Ansätzen hier zusammenfassen zu können.


Da dieser Blog vor allem auch um Bücher geht, möchte ich hier deshalb nur kurz in paar Bildern die wunderschöne Athener Nationalbibliothek vorstellen:


Die imposante Aufgangstreppe - ein kleines witziges Detail befindet
sich am oberen Ende der Treppe: Eine in Stein gemeißelte kleine Echse,
die man leicht übersieht. Sie gehört zur Detailversessenheit von Ernst Ziller,
der solche kleinen "Dekorationen" liebte ...

Und gleich in der Einganghalle sind sie: die guten alten hölzernen
Karteikästen, so wie ich sie auch noch aus meinen Studienzeiten in
der Münchner Staatsbibliothek und den Universitätsbibliotheken kenne ...

Der Katalog der fremdsprachlichen Autoren ... welche Schätze
mögen sich darin verbergen!? 

Der Eingang zum Lesesaal
Das riesige Glasdach läßt Tageslicht einfallen,
die ionischen Säulen - ganz in klassizistischer Manier -
geben dem Raum seine Kontur. 

Hinter den Säulen die "unendlichen" 
Bücherschätze - und ein Besucher, der
die Szenerie auf sich einwirken läßt ...

Ein Kuriosum für mich: Gleich im ersten Regal rechter
Hand befindet sich die Brockhaus-Enzyklopädie! 

Auf den wunderbaren alten, "verbrauchten" Holztischen
mit ihren grünen Leselampen liegt so mancher alter Schatz ...

Wer mag darin zur Zeit wohl forschen?

Und hier noch ein kleines Detail: 

Ernst Ziller war - wie oben schon bemerkt bei der Eingangstreppe mit der kleinen Echse - ein detailverliebter Künstler und Architekt. So befinden sich an allen Bücherregalen seltsame hölzerne Bretter und eiserne Streben mit Handgriffen. Man beachtet dies fast nicht. Was hat es nun damit auf sich? Dies sind hölzerne Stufen und eiserne Handgriffe, die es dem Besucher erleichtern, Bücher aus den höheren Regalen bequem zu entnehmen. Tja, auf solche "Tricks" kamen die "alten" Architekten! Die Führerin zitierte mit verschmitztem Lächeln die Worte der stellvertretenden Bibliotheksleiterin: "So etwas finden Sie nicht einmal in der neuen, hypermodernen Bibliothek im Stavros-Niarchos-Kulturzentrum!" 😏

Nachtrag: Erst vor kurzem wurde hier in Athen das Stavros Niarchos-Kulturzentrum eingeweiht. Dorthin wird nun auch die Nationalbibliothek verlegt werden. Eine Mitarbeiterin der Nationalbibliothek informierte uns, daß deswegen die "alte" Nationalbibliothek keineswegs ausgedient hätte, denn selbst in der riesigen neuen Bibliothek fänden nicht alle Schätze der Nationalbibliothek Platz. 
Gott sei Dank, kann man da nur sagen! Weiterhin steht der Lesesaal der Nationalbibliothek allen Besuchern von 8-15 Uhr offen. Es wäre ja auch geradezu sträflich, wenn so ein schönes Gebäude und dieser wunderbare alte Lesesaal nicht mehr genutzt würden!