Dienstag, 2. Mai 2017

Die deutsche Leitkultur ...

Und schon wabert wieder so ein Wort durch die Presse und erschlägt die deutsche Öffentlichkeit, das mich zur Weißglut bringt: Die deutsche „LEITKULTUR“ – erst gestern wieder heraufbeschworen von einer der zahllosen, tragischen politischen Fehlbesetzungen, seines Amtes deutscher Innenminister. 
Zustimmung oder Häme in der Presse, zahllose national-bräunlich-gefärbte Kommentare in den sozialen Medien und so manch ironisch-satirisch gefärbter Beitrag, der noch am ehesten Sinn machte in diesem so sinnfreien Zusammenhang …
Sucht man das Wort im Duden oder in einem Etymologie-Lexikon, wird man gewahr, dass es sich um eine der bekannten politikersprachlichen Neuschöpfungen handelt, die jeglichen Tiefsinns oder gar Bedeutung entbehren. Zerlegt man dann das Wort, stößt es mir sauer auf:
Leit-Kultur! Wovon, bitteschön, soll ich mich kulturell „leiten“ lassen? Und wer bestimmt denn das, wovon ich mich „leiten“ lassen soll? Warum müssen wir Deutsche uns eigentlich immer von irgendetwas „leiten“ respektive "führen" lassen? Können wir nicht selbst denken? Brauchen wir politische Nebelkerzen, die uns so überaus generös vernebelnd erklären, wie unsere Kultur auszusehen hat und woran sich „der“ Ausländer gefälligst zu orientieren hat (und genau hier, verehrter Leser, liegt nämlich der Hund dieses Begriffes begraben!)?
Und wenn wir schon über „die“ deutsche Kultur sprechen wollen, wer wäre denn am ungeeignetsten dafür als unsere Politiker jeglicher Couleur?!
Und noch ein abschließender Gedanke: Haben wir das Ganze nicht schon einmal erlebt vor nicht allzu langer Zeit, als ein Mann und eine Partei sich aufmachten, das deutsche Volk zu „führen“? Nicht umsonst paraphrasiert der Duden das Wort als "führende Kultur"!
Insofern verwundert es nicht, dass dieses Wort von (rechts)konservativen Parteifunktionären erfunden wurde …