Samstag, 18. Februar 2017

Athen ist eine süße Stadt. Das Klima ist gut zu den Menschen. Und auch die Menschen, die hier leben, sind zum Glück noch offen für andere und warmherzig. - Nikos Panagiotopoulos

Manchmal berichte ich in meinem Blog ja auch über Griechenland und die aktuelle Situation hier. Heute aber soll es mal kein negativer Beitrag werden, sondern eine kleine Reise "der anderen Art"...
Nach längerer Kälte, eiskalten Winden und grauem Himmel ward uns ein sonniger Samstag beschert mit milden, beinahe schon frühlingshaften Temperaturen. Der ideale Tag, um sich ins Athener Zentrum aufzumachen.
Von meinem Stadtteil im Norden Athens sind es gerade mal 30 Minuten mit dem Zug zum Monastiraki-Platz. Nach den ersten Stationen stieg ein kleiner Zigeunerjunge mit einer Bouzouki zu, an die er einen Plastikbecher geklebt hatte für eventuelle Geldspenden. Mit Todesverachtung legte er los: So falsch und schräg waren sein Spiel und sein Gesang, daß es schon wieder schön war! Und so bekam er doch ein paar Cents von den schmunzelnden Mitreisenden, allein wohl für seine Chuzpe ... Einige Minuten später am Viktoria-Platz lief ein Mann über den Bahnsteig und schmetterte den Reisenden entgegen: "Αφήστε με μόνο μου, είμαι παρέα με τον πόνο μου" - Lasst mich in Ruhe, ich bin in Gesellschaft meines Schmerzes!
Tja, langweilig wird es einem wahrlich nicht, wenn man in Athen mit der U-Bahn fährt....

Angekommen am Monastiraki-Platz, tauchte ich in die Menschenmenge ein, versammelt um eine Tanzgruppe, die traditionelle griechische Tänze aufführte - die installierten Lautsprecher trugen die Musik weit in die umgebenden Straßen hinein. Ungetrübte griechische Lebensfreude trotz all der Widrigkeiten ... und auch der Gedanke, daß dieses bewundernswerte Volk irgendwie doch nie den Mut verliert:


Dann war Einiges für die Werkstatt zu erledigen. Nach der notwendigen Pflicht aber wurde es zusammen mit meiner Freundin vor allem ein Eintauchen in das Athen, das ich seit meinen ersten Besuchen in den frühen 80ern kennen- und lieben gelernt habe. Abseits der großen Einkaufsstraßen und Fußgängerzone, in unmittelbarer Nähe der traditionellen Athener Großmarkthallen, taucht man ein in das "orientalische" Athen, wie ich es immer nenne: Gewürze, Lebensmittel und heimische Erzeugnisse aller Art,  - alles aufbereitet und so schön dargeboten, daß es eine Freude für Auge (und Gaumen) ist:
Aufgefädelte getrocknete Früchte und Gewürze...
Eine wunderbare Idee auch zur Dekoration in der Küche 

Beim berühmten "MIRAN" Wurstwaren aus vielen Ecken der Welt...

Olivenseife zur Fleckentferung und Bimsstein zur Fusspflege ...
Und hier gibt es vieles, was der Selbstversorger zur
Wein- und Ölherstellung so braucht ...
Nicht zu vergessen der traditionsreiche griechische
Bergtee, den fast jeder von uns hier immer im Hause hat ..,
Gelbwurz, Sternanis, Lavendel, Zimt ...
In einer kleinen Seitengasse kauften wir dann ein paar Gewürze und Lebensmittel bei einem arabischen Mini-Markt. Was es da nicht alles zu entdecken gab! Und der arabische Inhaber erklärte uns in gebrochenem Griechisch, aber mit viel Geduld die Besonderheiten der Gewürze und des angebotenen Gemüses ...

So klang dieser Tag im Athener Zentrum langsam aus. Manchmal, wenn ich dann doch mit dem Gedanken spiele, ob es mir in Deutschland angesichts der bestehenden Probleme nicht besser ginge, weiß ich doch insgeheim, daß ich diese Welt hier viel zu sehr vermissen würde. Und dann komme ich zu dem Schluß, daß ich hierbleiben will - egal, was da noch auf uns zukommen mag ...

Allein sie thront in unterschütterlichem Gleichmut über uns - die Akropolis