Sonntag, 27. Dezember 2015

Atempausen ...

Und schon sind sie wieder fast vorbei, die Weihnachtsfeiertage! Die meisten von uns haben es sich gutgehen lassen – davon sprechen z.B. auch die zahlreichen witzigen Beiträge heute auf Facebook bezüglich der Kilos, die man wieder über Weihnachten zugenommen hat ... wink emoticon 
Natürlich gab es auch bei uns ein schönes, gemütliches Essen - aber beim genauen Nachdenken sollte uns genau deswegen klar sein, WIE gut es uns geht! Nicht allen von uns natürlich, aber doch vielen. Die Tage vor dem Fest mit all dem Trubel, dem Gehetze, dem Konsumrausch, wie mir all das jedes Jahr immer mehr zuwider wird! Muss denn wirklich jedes Jahr erst Weihnachten kommen, damit ich mich „besinne“? Weihnachten – das „Fest der Liebe“ inmitten eines Ozeans von innerer Verhärtung und Egoismus. Und ab morgen? Business as usual ... die Welt wird nicht einen Deut besser geworden sein - wir haben uns nur eine kleine Atempause gegönnt ...



Freitag, 18. Dezember 2015

Menscheln ...

Gestern las ich in einem Beitrag auf Facebook den Wunsch, im kommenden Jahr mehr zu "menscheln".... Ein wahrhaft schönes Wort! 
Sieht man im Duden nach, bedeutet es "menschliche Schwächen deutlich werden zu lassen". 
Im gelesenen Beitrag war der Wunsch wohl eher, wir sollten uns auf unsere Menschlichkeit besinnen. Nun, auch wenn der Duden dies nicht vorgibt als Bedeutung, wohnt diesem "menschliche Schwächen deutlich werden lassen" doch auch der Gedanke inne, daß wir uns gerade aufgrund unserer eigenen Schwächen nicht über Andere erheben sollten. Sprache kann sehr ausdrucksvoll sein, und in diesen aufrührenden Zeiten wünsche auch ich mir nichts mehr als die Besinnung auf uns als Menschen. Wenn man all die schlimmen Kommentare in den sozialen Netzwerken liest in Bezug auf die Flüchtlinge, wird mir die Verrohung genau dieser unserer Menschlichkeit jeden Tag schmerzlich bewußt. Sie hat bei so Vielen einem unglaublichen Zynismus und abgrundtiefer Menschenverachtung Platz gemacht. Ein Freund kommentierte, daß diese Verrohung wohl erst durch die sozialen Netzwerke mehr ans Licht kommt. Auch das mag sein  ...
"Menscheln" - das sollte man eigentlich als Wort des Jahres vorschlagen, und für uns selbst könnte dieses Wort nicht der schlechteste Vorsatz fürs Neue Jahr sein!


Donnerstag, 10. Dezember 2015

Libertas ....

Europa zäunt sich ein. Die Grenzen werden dicht gemacht. Lauter und lauter werden die Stimmen nach Zäunen – am besten gleich noch mit Stacheldraht verzierte! Mit Befremden liest man diese Berichte, aber mit schierem Entsetzen die Kommentare mancher Leser in den sozialen Medien. Der Psychologe Stephan Grünewald sagte in einem Interview, daß sich viele Menschen offenbar von einer liberalen Gesellschaft überfordert fühlen und deshalb nach einer starken „führenden Hand“ lechzen. Ein deutscher Hersteller von Pfefferspray spricht von „diffusen Ängsten“ der Menschen und kann sich vor Bestellungen kaum mehr retten. Haben wir also ein Freiheitsproblem? Und wollen wir die Freiheit nur für uns selbst und nicht für den Anderen?
Was haben wir die letzten Jahrzehnte dafür gekämpft nach dem Ende des Kalten Krieges oder vor dem Mauerfall in Deutschland! Jetzt, nur wenige Jahrzehnte danach, erscheint diese errungene Freiheit vielen Menschen als Verunsicherung oder gar als Bedrohung. Man müßte jetzt beim existenzialistischen Freiheitsbegriff beginnen, aber das würde zu weit führen ... 
Tatsache ist, daß Freiheit auch gedankliche Freiheit voraussetzt. Wo sich aber Gedanken zwischen Zäunen, wilkommener totaler Überwachung und Schlagbäumen bewegen, kann Freiheit nicht als eines der positivsten Güter des Menschseins wahrgenommen werden. 
Beim Anblick der Zäune, die gerade z. B. in Österreich hochgezogen werden, kam mir unwillkürlich ein Gedanke: Haben die Befürworter eigentlich darüber nachgedacht, daß hochgezogene Zäune vor dem Eindringling von Außen wohl schützen mögen, aber dem, der sich innerhalb dieser Eingrenzungen befindet, unter Umständen den Weg nach draußen abschneiden könnten ? 

MAN MUSS FREIHEIT AUSHALTEN KÖNNEN – etwas, was die Menschheit noch nie für längere Zeit geschafft hat!


Mittwoch, 2. Dezember 2015

Bücher müssen schwer sein, weil sie eine ganze Welt in sich tragen. - Cornelia Funke


Wie jedes Jahr war natürlich der erste Stand, den ich während des Weihnachtsbasar besucht habe, der Bücherstand! Jetzt ist mein Stapel ungelesener Bücher wieder um 25+ Bücher angewachsen ... Wie die wieder alle an ihren richtigen Platz in den Regalen kommen sollen, weiß ich zwar noch nicht, aber ich konnte einfach nicht umhin - die Versuchung war zu groß!
Viel Interessantes und schon länger Gewünschtes ist darunter: Philip Roth, Alberto Manguel oder Ingrid Jens zum Beispiel. Auch so manch "altes", irgendwann vor vielen Jahren schon einmal gelesenes Buch fand sich: Sartre, Allende, Maupassant, Seghers ...
Und für die etwas unbeschwertere Lektüre landete auch so mancher Krimi noch in der Tüte...

Was das Lesen anbelangt, können der Winter und die Weihnachtsfeiertage nun gern kommen!!!


Montag, 30. November 2015

Man muß das Unmögliche versuchen, um das Mögliche zu erreichen. - H. Hesse


Und schon ist er wieder vorbei, der diesjährige Weihnachtsbasar der beiden deutschen Athener Kirchengemeinden ... 
Viel Zeit blieb mir dieses Jahr nicht, um meine kleinen Basteleien herzustellen. Viel zu spät bekam ich die Zusage für die Teilnahme. Aber trotz der unzähligen abendlichen "Bastelstunden" und der entsprechenden Erschöpfung hat das Basarwochenende wieder so viel Spaß gemacht. Und so konnte ich am Ende doch noch meinen klitzekleinen Teil beitragen zur Sozialarbeit des Basars. 
Wie immer war es beeindruckend, wie all die ehrenamtlichen Helfer teilweise schon über Wochen und Monate im Voraus die zahlreichen Stände organisiert hatten und so zum Gelingen dieses karitativen Mammutunternehmens beigetragen haben! Dies erinnerte mich dann auch unwillkürlich an all die ehrenamtlichen Helfer in der momenanten Flüchtlingskrise ...
So sieht man mal wieder, daß tatkräftiges Helfen nicht ohne das Engagement des Einzelnen machbar ist! 

                     Nach "lieben" ist "helfen" das schönste Zeitwort der Welt.
                                                                                 Bertha von Suttner




Dienstag, 24. November 2015

Eine Geschichte von vielen ...

Die Athener Griechenland-Zeitung hatte vor ein paar Wochen einen Schreibwettbewerb ausgerufen. Unter dem Thema "Was verbindet mich mit Griechenland" konnten Leser ihre eigenen Geschichten einsenden, die dann in der Online-Präsenz der Zeitung veröffentlicht wurden.
Mehr als hundert Geschichten wurden eingesandt, viel Schönes und Anrührendes ist da zu lesen.
Meine kleine Geschichte möchte ich mit Euch hier in meinem Blog teilen ...

Nur eine Geschichte von vielen

Das Land der Griechen mit der Seele suchend ... Welch ein Klischee und welch eine Anmaßung für den Beginn einer kurzen Geschichte, werdet ihr jetzt sagen - und dennoch: Zuerst fand meine Seele nicht das Land, sondern seine Menschen und darunter einen ganz besonderen ...

So bin auch ich, wie so viele andere, „der Liebe wegen“ nach Griechenland gekommen. Mit viel vorurteilsloser Neugier und auch manchen Ängsten. Im Gepäck ein ausgefülltes Leben, das ich sehr schweren Herzens zurückließ.
Immerhin, bei meiner Ankunft auf dem Athener Flughafen an einem Dezemberabend vor mehr als 20 Jahren, konnte ich meinen Augen kaum trauen: Dicke Schneeflocken fielen vom Himmel! Kurz hielt ich inne, schloß die Augen und ließ die Flocken mit meinem Gesicht verschmelzen. Sekunden nur, die ich aber ganz bewußt als gutes Omen nahm, denn so fern erschien mir da die eben verlassene winterliche Heimat gar nicht mehr ...

Von Anfang an war die griechische Großfamilie das Sicherheitsnetz, das anfängliches und unvermeidliches Stolpern auffing. Das befürchtete sich Fremdfühlen stellte sich nicht ein. Nach der ersten Zeit, die in der manchmal auch fast erdrückenden Fürsorge meiner neuen Großfamilie aufging, mußte ich mir vorsichtig meine kleinen „Privaträume“ zurückerobern, ohne dabei diese lieben Menschen zu verletzen. Und so kann ich sagen: Mit all ihrer Liebe und ohne große Worte hat es meine „zweite“ Familie verstanden, mich vorurteilslos als eine der Ihren zu akzeptieren.

Auch in beruflicher Hinsicht gab mir dieses Land die Möglichkeit, meinen kleinen Traum einer Buchbinderwerkstatt zu verwirklichen - wobei das Fehlen manch eherner Vorschrift auch ein Segen sein kann! Es war nicht immer leicht, die Bürokratie oft skurril, die Arbeitsstunden ungezählt. Insbesondere in diesen widrigen Zeiten ist das Leben als Kleinunternehmerin in Griechenland gelinde gesagt abenteuerlich. Aber: noch gibt es meine kleine Werkstatt! Und so kann ich sagen, daß Griechenland es trotz aller Imponderabilien ganz gut mit mir gemeint hat. Es erlaubte mir, eine berufliche Wende zu vollziehen, wie ich dies in Deutschland wohl nie gewagt hätte.

Was verbindet mich also mit Griechenland? Nicht die Sonne, nicht das Meer, nicht die kulturellen Güter - all dies findet man in unzähligen Variationen auch andernorts auf dieser Welt.   Griechenland – das ist für mich in erster Linie seine freundlichen, humorvollen Menschen. Ihr „anarchischer Individualismus“ (wie es Johannes Gaitanides einmal bemerkt hat bezüglich des Verhältnisses des Griechen zu seinem Staat) birgt dann auch im Persönlichen eine Befähigung zur offenen Begegnung mit jedem Fremden.  Nie hatte ich das Gefühl, mich irgendwie „verbiegen“ zu müssen, um akzeptiert zu werden. Selbst in den letzten Zeiten der aufgepeitschten Ressentiments ist mir noch kein einziger Tag Fremdfühlens zugestoßen.
 Ach, und noch eine Kleinigkeit: Griechenland ist Licht; dieses berühmte Licht, von dem schon so viele geschrieben oder versucht haben, es mit ihren Kameras oder Pinseln einzufangen. Kommt man aus dem raueren Klima Deutschlands, verliert man sich in dieser Helligkeit, in dieser Klarheit, in den so scharf umrissenen Konturen und Schattierungen, die dieses Licht erzeugt. Manchmal glaube ich, es ist auch dieses Licht, das uns Fremde hier so hell aufnimmt ...

Mit Griechenland verbindet mich die Gewissheit, daß ich die letzten Jahre nicht mehr missen will; daß dieses Land trotz seiner Schwierigkeiten, manchmal auch ärgerlichen Unkorrektheiten, seiner wirtschaftlich-politischen Wirren und seiner fraglichen Zukunft mir eine zweite, zutiefst menschliche Heimat geschenkt hat.
Und so muß ich doch noch einmal einen  „Klassiker“ bemühen: Konstantinos Kavafis beendet sein berühmtes Gedicht Ithaka mit den Zeilen

Auch wenn es sich dir ärmlich zeigt, Ithaka betrog dich nicht.
So weise, wie du wurdest, in solchem Maße erfahren,
wirst du ohnedies verstanden haben, was die Ithakas bedeuten.

Nun, weise bin ich sicher nicht geworden auf meiner Lebensreise, die mich hierher geführt hat. Etwas erfahrener sehr wohl. Aber das Wichtigste: „Mein“ Ithaka hier hat auch mich nicht betrogen!
           


Sonntag, 22. November 2015

Der einzig reine Ort ist unsere Liebe, die unentweiht, in der Menschlichkeit .... Friedrich Schiller

Ruhig ist es geworden in den letzten Wochen hier in meinem Blog. Dies liegt zum einen daran, dass ich zwar nach wie vor viel lese, aber kein wirklich herausragendes Buch dabei war, das ich euch vorstellen wollte. Zum anderen geschehen so viele Dinge gerade um uns herum, daß mir das Schwelgen in "weltfremden" Lektüreempfehlungen fast schon fehl am Platze erscheint. Die Flüchtlingskrise, die zunehmende Fremdenfeindlichkeit, die terroristischen Attentate in Beirut, Paris, Mali etc.. All dies beschäftigt mich so sehr, daß ich all meine kognitive Kraft momentan auf eine Facebook-Seite konzentriere, bei der ich seit einiger Zeit zu den Administratoren gehöre.
Ich war noch nie ein sehr politischer Mensch in dem Sinne, irgendeiner Partei besonders zugeneigt zu sein - ganz im Gegenteil. Mittlerweile, wohl aufgrund meines fortgeschrittenen Alters, bestehe ich erst recht auf meiner geistigen Unabhängigkeit, kann mich aber den gesellschaftspolitischen Debatten um uns herum nicht guten Gewissens entziehen. Und ich gebrauche bewußt den Begriff "gesellschaftspolitisch" und nicht "politisch"!
Was wir momentan beobachten in Deutschland und anderen europäischen Ländern, ist ein gesellschaftlicher Rückschritt, den ich so zu meinen Lebzeiten nicht mehr erwartet hatte. Die Zunahme der Fremdenfeindlichkeit übersteigt mittlerweile mein Vorstellungsvermögen und erschüttert mich zutiefst. Diese Erschütterung hat nur bedingt mit meinem eigenen Leben zu tun als Frau eines Griechen und als Ausländerin in Griechenland. Vielmehr denke ich in letzter Zeit an all die Geschichten, die mir noch mein Vater erzählt hat aus den Jahren des 2. Weltkrieges und an meine eigene Beschäftigung mit der Geschichte des Holocausts.
Nur soviel zur Erklärung meines temporären "Verstummens" hier in meinem Blog.
Immerhin schaffe ich es ab und an, meinen Freunden auf Facebook kurze "Gedanken zur Nacht" mit auf den Weg zu geben. Dies hier stammt vom 15. November:

GEDANKEN ZUR NACHT: Ich weiß nicht, wie es Euch geht. Das Töten, es geht weiter, immer weiter. Das Töten, das im Nahen Osten schon fast zum Alltag der Menschen geworden ist. Das Töten, das wegen dieser „Alltäglichkeit“ fast nur noch nebenbei wahrgenommen wird. Der Terror, der jetzt wieder einmal den Westen erreicht hat. Die Säbel der Vergeltung, die gerade in dieser Minute wohl schon gewetzt werden. Da liest man dann all die Artikel, hört die Politiker, hört die Kommentatoren und all die „Analysen“. Erste bittere Erkenntnis: Ich weiß, daß ich eigentlich absolut nichts weiß. Zweite bittere Erkenntnis: Wir Menschen können und konnten noch nie in Frieden miteinander leben. Was bleibt? Nur das Gefühl der Ohnmacht und Wut ob dieser Gewalt um uns herum. Fast genau auf den Tag vor 256 Jahren wurde Friedrich Schiller geboren. Seine Worte – aktuell wie eh und je:


Ein besonderes Büchlein befindet sich allerdings momentan auf meinem Nachtkästchen, das ich euch hier in den nächsten Tagen vorstellen möchte. Es ist ein Gedankenschatz, der seinesgleichen sucht. In Kürze ...
Bleibt mir ein wenig treu, trotz meiner temporären Abwesenheit!



Freitag, 9. Oktober 2015

Preise, Preise, Preise ...

Nur eine kleine Randnotiz: Heute wurde wieder mal der Literatur-Nobelpreis vergeben. Mir wurde schlagartig bewußt, wie schnell ein Jahr vergangen ist ... erscheint es mir doch erst wie vorgestern, als der Franzose Patrick Modiano diesen Preis erhielt!
Im Internet laufen ja im Vorspann immer Abstimmungen, wer wohl den diesjährigen Preis bekommen sollte. Wie schon die Jahre vorher, denke ich dabei immer an zwei Autoren, die meiner Meinung nach diesen Preis endlich einmal verdient hätten: Peter Handke und Philip Roth.
Wie zu erwarten war, hat es auch dieses Jahr mit diesen beiden wieder mal nicht geklappt, die Russin Swetlana Alexijewitsch hat ihn - aus nachvollziehbaren Gründen - bekommen. (Ich habe von ihren Büchern gehört, aber ich habe keines von ihnen bisher gelesen. Ich denke, ich werde dies beizeiten nachholen).
Jedenfalls brachte mich das heute auf den Gedanken, mir mal wieder meinen geliebten Philip Roth aus dem Regal zu greifen. Ich habe alle Bücher von ihm gelesen, die ich persönlich besitze. Dennoch ist manche Lektüre schon eine ganze Weile her. Und so beginne ich heute Nacht wieder mal eine ausgiebige Roth-Lektüre ... und widersetze mich damit zutiefst "beleidigt" der Entscheidung des Komitees in Stockholm!!!



Donnerstag, 1. Oktober 2015

Wo Politik ist oder Ökonomie, da ist keine Moral. - Friedrich von Schlegel

Einige Zeit ist vergangen seit meinem letzten Beitrag. Die Griechen haben die Wahlen hinter sich gebracht - mal wieder. Ein treuer Leser meines Blogs bemängelte neulich, daß er hier schon länger keine Neuigkeiten zu lesen bekäme ... (Du hast ja Recht, lieber J., eine kleine "Bestandsaufnahme" ist wohl angebracht):

Das Wahlergebnis könnte man wohl am ehesten mit den Worten beschreiben: "Es hätte schlimmer kommen können" oder auch "Es gab keine andere Wahl".
Tatsächlich konnte Alexis Tsipras nochmals einen Teil des Volkes davon überzeugen, daß nur er in der Lage wäre, die Probleme des Landes zu lösen. Die Wahlbeteiligung war erschreckend gering - so viele meiner Freunde und Bekannten wußten am Morgen des Wahltages noch nicht, was und ob sie wählen sollten. Tatsächlich ist es momentan "personell" schlecht bestellt um fähige Politikerpersönlichkeiten. Mit dem großen Versprechen, die Verhandlungen über die Austeritätspolitik neu aufzunehmen und Erleichterungen des Sparprogrammes auszuhandeln, bekam Tsipras zwar nicht die absolute Mehrheit, konnte aber immerhin die alte korrupte Politikerriege der Nea Demokratia in Schach halten. Nebenbei konnte Tsipras sich auf diesem Wege auch der Meuterer von der links außen Position in der eigenen Partei elegant entledigen, die zwar den Zwergenaufstand probten, aber mit ihrer neu gegründeten Partei nicht ins Parlament einziehen konnten ...

Man muß kein Hellseher sein, um zu verstehen, daß das mit dem "Neuverhandeln" wohl zunächst einmal als eines dieser nichtssagenden Wahlversprechen angesehen werden muß, mit denen Politiker aller Parteien gewohnheitsmäßig auf Wählerfang gehen. Mit echten Erleichterungen für den Bürger ist nicht zu rechnen. Nebenbei bemerkt, ich wundere mich dabei immer wieder über das Wort Versprechen in diesem Zusammenhang, müßte es nicht eigentlich Irreführung heißen? Aber wie das nun mal so ist - im Leben wie in der Politik -, der Mensch will belogen werden, weil er die Wahrheit nur schwer ertragen könnte. 

Inzwischen sind schon die nächsten, von den Geldgebern geforderten Maßnahmen im griechischen Parlament durchgesetzt worden. Es läuft also alles fröhlich nach Plan. Wir Menschen hier leben unser Leben unterdessen weiter. Diejenigen, die schon vorher keine Probleme hatten, haben auch jetzt keine. Und die Vielen, die in der Krise untergegangen sind oder denen das Wasser nach wie vor bis zum Halse steht, schlagen jeden Tag ihre eigenen kleinen Schlachten!

Die Weltöffentlichkeit - und besonders die Deutschen - interessieren sich momentan eher weniger für die Griechen. Die Flüchtlingskrise, der Syrien-Konflikt und seit ein paar Tagen nun auch der VW-Skandal überschatten alles. Daß letzterer bei den Griechen eine gewisse Schadenfreude hervorruft, ist verständlich, galten sie doch bis dato als die alleinigen Schlawiner der Europäischen Familie und mußten sich gerade von den Deutschen mit der moralischen Keule knüppeln lassen. So sehr dieses kleine Land in den ersten Monaten des Jahres beäugt und medial ausgewrungen wurde, so sehr herrscht nun relatives Stillschweigen. Ab und zu läßt sich eine Stimme aus Brüssel vernehmen. Mal heißt es mit versteckt drohendem Unterton, man habe vollstes Vertrauen, daß Griechenland seine Auflagen erfüllen werde, mal stammelt ein anderer schüchtern ins Mikrophon, er habe doch etwas Bedenken, ob die neue Regierung zu ihren Verpflichtungen stehen werde ... Political business as usual! Und Alexis tourt inzwischen durch die Welt auf der verzweifelten Suche nach Investoren - die sich wohl schwer werden finden lassen, ist es doch gerade für Unternehmer äußerst unattraktiv auf Jahre hinaus hier in Griechenland. 

Die Wienerzeitung veröffentlichte gestern ein Interview (hier) mit Pierre Laurent, dem Vorsitzenden der Europäischen Linken. Dieser sprach den denkwürdigen Satz: 

Der Mut der griechischen Regierung hat gewonnen: Sie haben sich gegen die Sparpolitik 
der Troika gestellt, um die Griechen vor ihren Folgen zu beschützen - trotz des mit der 
Syriza-Regierung beschlossenen Hilfsabkommens vom Juli, von dem die griechische 
Bevölkerung eigentlich nicht wollte, daß es unterzeichnet wird.

Nun, ich wollte euch diese hehren Worte nicht vorenthalten, weil sie in ihrer Absurdität ihresgleichen suchen. Stünden sie in einem Schulaufsatz, hätte der Lehrer mit 10 Fragezeichen daneben geschrieben: "Erst denken, dann schreiben!"  
So sehr ich auch lachen mußte, wurde mir jedoch danach bewußt, daß so ein Satz wohl in etwa widerspiegelt, was Politik ausmacht. Beim Lesen und Hören all der Äußerungen (fast) all der Politiker all der Länder möchte man sich eigentlich nur noch jeden Tag fröhlich bei einem Glas Wein zuprosten: Herzlich willkommen in Absurdistan!

Zu meinen heutigen Überlegungen passen denn auch diese wunderbaren Verse von Franz Grillparzer:

Der Minister des Äußern
kann sich nicht äußern;
der Minister des Innern
ist schwach im Erinnern,
der Kriegsminister
trägt Szepter und Kron im Tornister,
der Minister der Finanzen
muß nach jedes Pfeife tanzen,
der Minister des Handels
ist unsichtbaren Wandels,
der Minister der Justiz
hat nicht Stimme, nur Sitz,
der Minister des Kultus
ändert Kultus in Stultus,
der Chef der Polizei
schüttelt den Kopf dabei.







Samstag, 12. September 2015

Von tiefem Traum besiegt, Vom Tode eingewiegt, schläft hier die Zeit.. - Hermann Hesse

Indirekt hat die anhaltende Wirtschaftskrise mit meinen heutigen Gedanken zu tun, denn aufgrund der schlechten Auftragslage blieb mir in den letzten Wochen ein wenig Zeit, einige meiner alten Photos endlich einmal digital aufzuarbeiten - zum Beispiel meine Venedig-Photos.
Venedig lag für uns Müncher quasi "um die Ecke", und so war ich recht oft dort, manchmal auch nur mal schnell über ein verlängertes Wochenende. Ich habe alle Jahreszeiten in dieser Stadt erlebt, am liebsten aber war mir immer der Winter. Zweimal besuchte ich Venedig für mehrere Tage im Dezember; das erste Mal mit klirrender Kälte, das zweite Mal mit milderen Temperaturen (aber dafür mit "aqua alta").  Das Schöne an dieser Jahreszeit ist, daß Venedig kaum besucht ist. Und sobald abends der Nebel in den engen Kanälen und menschenleeren Gassen aufzieht, bekommt man unweigerlich dieses morbide "Venedig-Feeling", das zu dieser Stadt einfach dazugehört!
Generell habe ich nicht allzu viele Photos von meinen früheren Reisen. Sicherlich hat man in den Zeiten der analogen Photographie auch nicht so viele Photos gemacht wie heute. Aber nach wie vor ist das Photographieren eine Tätigkeit für sich - und ich habe immer das Gefühl, daß ich nicht beides gleichzeitig machen kann: schauen, das Neue in mich aufnehmen und photographieren. Und, mein Gott, in Venedig gibt es einfach viel zu viel zu schauen, eine Lebenszeit würde nicht ausreichen ...
Aus einigen der noch verwertbaren Photos jedoch habe ich zur Abwechslung mal ein kleines Video gebastelt, die Zeichnungen und Aquarelle stammen aus der Hand meines verstorbenen Vaters.





Aber dies wäre nicht mein Blog, wenn ich euch nicht noch schnell einige Venedig-Lesetipps geben würde, wobei ich natürlich nicht mehr auf dem Laufenden bin hinsichtlich der Neuerscheinungen der allerletzten Jahre. So kann ich euch nur einige meiner persönlichen Venedig-Klassiker empfehlen:

Ein Muß für Krimileser ist natürlich Patricia Highsmith's Venedig kann sehr kalt sein. Sehr gut auch der Venedig-Krimi von Michael Dibdin Tote Lagune. Nicht weiter erwähnen muß ich hier Donna Leon.
Eine unglaublich tiefsinnige, wunderschöne Art von Liebesgeschichte ist das Buch Der Liebhaber ohne festen Wohnsitz vom legendären Autoren-Duo Fruttero&Lucentini !
Einige Streifzüge abseits der touristischen Klischees findet ihr in Mary McCarthy's Venedig. Lesenswert ist auch Herbert Rosendorfers Venedig, ein Einblick in die Entstehungsgeschichte und so manche Besonderheit dieser Stadt.
Den historisch besonders Interessierten unter euch empfehle ich den "Klassiker" von Alvise Zorzi, Die Geschichte der Löwenrepublik und unbedingt die Geschichte der jüdischen Bewohner von Venedig, wie sie eindrucksvoll von Riccardo Calimani in Die Kaufleute von Venedig beschrieben wurde.
Ein besonderes Lesevergnügen ist auch Venezianische Promenaden von Werner Ross, kein Kultur- oder Kunstführer im eigentlichen Sinne, eher folgt der Leser den Spuren berühmter Venedig-Besucher wie Goethe, Wagner, Nietzsche, Casanova oder Hemingway.  Recht humorvoll ist die kleine Venedig-Geschichte Als Markus nach Venedig kam von Reinhard Rebe.
Nicht weiter vorzustellen brauche ich euch die zahlreichen Reise-, Kunst- und Kulturführer, die man über Venedig findet.
Nur noch ein Büchlein will ich noch erwähnen, weil es so besonders ist:

Der Moderne Cicerone "Venedig" von Max Semrau, gedruckt im Jahre 1905. Das Buch war ein Geschenk einer Arbeitskollegin in München, kurz bevor ich im Dezember 1989 mal wieder nach Venedig aufbrach. Ich muß euch nicht sagen, welch ein Schatz dieses Büchlein ist! Es war ein Erbstück meiner Kollegin, und sie schenkte es mir so großherzig! Viel später entdeckte ich ein verstecktes Preisschild: 4 Mark 50 hat es einmal gekostet. Und zwischen den Seiten steckte noch ein Passierschein für die Uffizien in Florenz aus dem Jahre 1937. Da hatte es wohl ein besonders beflissener Kunstliebhaber noch nach Florenz geschafft - nicht lange vor dem Ausbruch des 2. Weltkrieges... vielleicht ein Verwandter meiner Kollegin?


Hör auf, allen Vorbeigehenden der Erde obszöne Einladungen zuzuflüstern, 
Venedig, du alte Kupplerin, die du unter deinem schweren Gewand aus Mosaiken 
zermürbende romantische Nächte, klagende Ständchen
und erschreckende Hinterhalte bereitstellst!  

Filippo Tommaso Marinetti


Mittwoch, 9. September 2015

Ironie ist die letzte Phase der Enttäuschung - Anatole France

Der September hat Einzug gehalten. Der griechische Sommer ist noch nicht vorbei, noch immer erreicht das Thermometer an manchen Tagen fast 40 Grad und läßt uns gehörig schwitzen.
Wir stehen 10 Tage vor den Neuwahlen, trotzdem herrscht Ruhe. Wahrscheinlich sind die Menschen nach den vielen Monaten der Unsicherheit, der trügerischen Hoffnungen und des abrupten Erwachens aus dem kurzen Traum einer wirklichen Veränderung nun einfach müde. Vielleicht auch dies ein Grund, daß auch unter Freunden oder mit meinen Kunden kaum über die anstehenden Wahlen gesprochen wird.
Das Nachdenken über diese gespenstische Stille brachte mir die vielen Karrikaturen in Erinnerung, die man zum Thema in den Zeitungen und im Internet findet. Karrikaturen arbeiten meistens mit Ironie und Sarkasmus (beides natürlich griechische Wörter), die uns aber dann doch zum Lachen oder zumindest zu einem gequälten Lächeln bringen.
Auch im wirklichen Leben sind Ironie und Sarkasmus häufig ein Ausweg, wenn man eine bittere Wahrheit, eine Absurdität oder eine Unsäglichkeit nicht mehr anders zu kommentieren weiß. Wenn manche Menschen diese beiden rhetorischen Figuren aber fast nur noch als einziges Kommunikationsmittel anwenden, kann dies schnell ermüdend werden. Ein wirklicher, ehrlicher Diskurs wird damit oft unterbunden. Deshalb sollten wir beides auch nur gezielt einsetzen. Friedrich Nietzsche schrieb:

Die Gewöhnung an die Ironie ebenso wie die an Sarkasmus verdirbt übrigens 
den Charakter. Sie verleiht allmählich die Eigenschaft einer schadenfrohen 
Überlegenheit: Man ist zuletzt einem bissigen Hunde gleich, der noch das 
Lachen gelernt hat außer dem Bellen.

Einer meiner liebsten griechischen Karrikaturisten ist Arkas - ein Mann, den tatsächlich keiner kennt. Niemand weiß, wie er aussieht. Ein Phantom eigentlich, aber mit intelligentem Humor und der Gabe, die Dinge auf den Punkt zu bringen.
In Deutschland tut sich natürlich Klaus Stuttmann mit seinen beißenden Kommentaren hervor.

Hier ein paar Beispiele - damit wir auch mal was zum Lachen haben - auch wenn uns das Lachen eigentlich im Halse stecken bleiben müßte...


Schon wieder ein Memorandum schon wieder Verhandlungen,
schon wieder Wahlen! ... In diesem Land lebt man in einem
ständigen Zustand des deja vu!

Wir müssen mit klarem Kopf wählen! Deshalb werden
wir einen Monat lang einer Gehirnwäsche unterzogen.
Zwei Dinge hasse ich bei jedem Politiker: sein Gesicht!






Sonntag, 23. August 2015

Weitermachen.....

Etwas länger schon habe ich hier nichts mehr geschrieben. Zu viel "Leben" (wie ich all das, was mit mir und um mich herum passiert, immer nenne) war die letzten Augustwochen zu bewältigen, obwohl fast alle Freunde sich schon längst in den Urlaub verabschiedet hatten. Aber als Kleinunternehmer in diesen wirren Zeiten ist Urlaub natürlich das Letzte, an das man denken kann. Trotzdem waren uns ein paar relativ entspannende Tage "gegönnt" - aufgrund der stagnierenden Auftragslage die vergangenen 10 Tage.
Auch auf politischer Ebene sind die Neuigkeiten nicht so gut - auch wenn sie natürlich absehbar waren: Das dritte, sogenannte Hilfspaket der EU wurde bewilligt, die von der EU auferlegten "Reformen" wurden durchs Parlament gepeitscht, kurz danach ist Alexis Tsipras zurückgetreten und hat Neuwahlen angekündigt, nachdem er den Rückhalt im linken Flügel seiner Partei verloren hat. Die links- und vor allem rechtsradikalen Kräfte verzeichnen laut den letzten Umfragen einen kräftigen Aufschwung...
Das 3. Memorandum, härter als alle zuvor, wird wohl auf lange Sicht auch meine kleine Werkstatt hier in die Knie zwingen - so sehr ich auch um jeden Kunden und Auftrag kämpfe. Ich habe das ja schon öfter hier geschrieben, aber, darüber mache ich mir keine Illusionen, ich gehöre der Gruppe der Kleinunternehmer an, die statt steuerlicher Verschärfungen eigentlich steuerliche Erleichterungen benötigt hätten, um auch nur den leisesten Hauch einer Zukunft hier zu haben. Aber dies ist im Sparprogramm der europäischen "Freunde" und Gläubiger natürlich nicht vorgesehen. Und so sind wir, wie so viele andere, überflüssig, auswechselbar, periodisch geworden -  allemal vergänglich eben. Wir sind die unternehmerischen "Dinosaurier" und nicht die in allen Medien so gepriesenen "startups", die dem Leser weismachen wollen, es ginge trotzalledem "aufwärts" in Griechenland aufgrund der diversen neuen, beruflichen Initiativen (welche aber im Grunde oft der Tatsache geschuldet sind, daß die jungen Griechen hier keine Zukunft sehen und sich auf gefährliche Firmenneugründungen verlegen, deren Zukunft in der Mehrheit mehr als ungewiss ist).

Wie dem auch sei, wir können uns nur in Fatalismus und Zweckoptimismus üben. Weitermachen - es bleibt uns keine andere Wahl. Nichtsdestotrotz bin ich persönlich mir mehr als bewußt, daß neben all diesen politischen und beruflichen Widrigkeiten ein Leben besteht, das uns - je älter wir werden - auch noch mit anderen Problemen konfrontiert. Sie sind es, die mich oft viel mehr beschäftigen als meine berufliche Zukunft. Ein unendlich geliebter, viel zu jung verstorbener Freund sagte vor ein paar Jahren einmal zu mir: "Μην φοβάσαι, μικρή μου, κανείς δεν χάνεται" - Hab keine Angst, meine Kleine, niemand geht verloren!
Daran muß ich oft denken, was unsere berufliche Zukunft anbelangt. Was unser menschliches Dasein anbelangt, gilt dieser Satz nicht - er ist verloren gegangen. Und auch dies ist meinem Alter geschuldet: Zuviel wird gestorben und "gekrankt" um mich herum...
Insofern relativieren sich viele Dinge des täglichen, vor allem beruflichen Lebens: Fatalismus ist also die einzige Wahl der Stunde.

Vorgestern verstarb hochbetagt Egon Bahr, ein Politiker der alten Garde, der den wahren und zeitlosen Satz prägte:










Dienstag, 4. August 2015

Die Buchbinderei......

DIE ZEIT veröffentlichte heute einen Artikel über den Beruf des Buchbinders. Richtig stellte der Artikel fest, daß dieses Handwerk rückläufig ist und daß man mittlerweile vor allem mit exclusiven Kundenwünschen sein Geld verdient, nachdem die klassische Buchbinderei schon längst von Maschinen erledigt wird.

Der Artikel brachte mich auf die Idee, Euch mal ein paar Impressionen meiner kleinen Werkstatt zu geben....


Ich glaube nach wie vor, daß dieser Beruf für handwerklich geschickte Menschen ein sehr schöner sein kann. Es macht einfach Spaß, sich mit all den verschiedenen Materialien zu beschäftigen, sei es Papier, Karton, Canvas, Leder, Vinyl oder Stoffe. Die Buchbinderei ist eine sehr optische, haptische (und manchmal auch olfaktorische) Erfahrung, man bekommt das Gefühl für Strukturen, Oberflächen, Farben, Formen und Gerüche - und sieht dadurch die Welt generell mit anderen Augen. Das ist wirklich so!
Man wird "anfälliger" für all die Formen und Farben, sei es in der Natur, sei es in der Mode, sei es in der Architektur und nicht zuletzt in der Kunst...
Der Artikel erwähnt allerdings nicht die "negativen" Seiten, die vor allem uns weibliche Buchbinder betreffen: man muß den ganzen Tag im Stehen arbeiten, man braucht ab und an ganz schön viel Kraft, man kann sich getrost jeden Nagellack sparen, man kann keine Ringe tragen und man muß den ganzen Tag scheußliche Schürzen tragen, weil der Buchbinderleim jegliches "Outfit" ruiniert... Generell sollte frau also relativ belastbar und uneitel sein in diesem Beruf!
Aber das sind auch schon die einzigen "negativen" Seiten dieses Berufs, die ich anführen kann - mal abgesehen von der momentanen schlechten Bezahlung hier in Griechenland!
Zweifelsohne ist es eine sehr abwechslungsreiche Tätigkeit, kein Tag gleicht dem anderen. Und wenn man - wie ich - aus einem sehr "kopfgesteuerten", ursprünglich erlernten Beruf kommt, ist es ein schönes Gefühl, am Ende eines Arbeitstages ein selbstgefertigtes Produkt in den Händen zu halten - nach wie vor und trotz aller Widrigkeiten!


Montag, 3. August 2015

Gebilde aus Vergeblichkeit....



Heute nochmal Gedanken zu Peter Bieri alias Pascal Mercier.
Sein Buch Nachtzug nach Lissabon ist voll solch schöner Gedanken. Der obige Satz erinnerte mich schon beim ersten Lesen an einen anderen Schriftsteller, William Blake, der vor nahezu 3 Jahrhunderten schrieb:

Die Welt sehen in einem Körnchen Sand,
den Himmel in einem Blütenrund,
die Unendlichkeit halten in der Hand,
die Ewigkeit in einer Stund.

Beide Zitate haben insofern miteinander zu tun, als sie uns einerseits ermahnen, die Vergänglichkeit des Lebens immer im Auge zu behalten und uns andererseits dazu aufrufen, die Schönheit der Welt und des Lebens im Augenblick, im Kleinsten zu begreifen.

Warum kam mir das gerade heute in den Sinn?
Eine alte Bekannte rief mich am Vormittag nach langer Zeit ganz überraschend an. Sie ist schwer erkrankt. Genauso alt wie ich, beginnt sie nun ihren Überlebenskampf. An einer Stelle sagte sie so ganz furchtbar nebenbei: "Nun, es ist wohl Zeit, gewisse Entscheidungen zu treffen und mein Leben zu überdenken."

Als sie das sagte, wurde mir wieder bewußt, wie wenig wir uns im eigenen Leben an so schönen und wahren Worten wie den der obigen Denker orientieren. Wir sezieren vor allem das, was uns aktuell zustößt - im Geiste wie im Tätigen, wir denken nicht an diese "Vergeblichkeit", weil wir nicht wahrhaben wollen, daß wir nur einen minimalen Teil unseres Lebens aktiv beeinflussen können. Und seien wir doch ehrlich; Uns beschäftigen nachhaltiger die weniger schönen. momentären Lebensereignisse als die positiven!

Die Meisten werden nun sagen, daß das zutiefst menschlich ist, und ich bin da keine Ausnahme. Trotzdem, in solch raren Momenten wie diesem Gespräch, wird mir dann doch wieder bewußt, daß ich über viele Dinge viel mehr nachdenke, als sie es wert sind. Sollten wir nicht in der Lage sein, negative, schmerzliche und oft auch geradezu "surreale" Erfahrungen einfach abzuhaken und sie im Zusammenhang des "großen Ganzen" zu sehen? Warum erfreuen wir uns nicht schlicht und ergreifend an den "einfachen", tagtäglich fassbaren Dingen im Leben?

Daß wir das alle nicht wirklich können, ist vielleicht die größte Crux unseres Daseins....

Oder - so denke ich gerade - ist dies etwa genau das, was unser ganz simples "Menschsein" ausmacht?

All die so hehren Worte der großen Dichter und Denker, die wir sogenannte, allemal vermeintliche "Intellektuelle" uns durch unsere ausgedehnten Lektüren einverleiben, hin oder her?


Freitag, 31. Juli 2015

Unser Aller Schatten...


Das Buch, aus dem diese Zeilen stammen, muß ich ja hier nicht mehr vorstellen. Wir alle hier haben das Buch vor ein paar Jahren gelesen - und die Meisten von uns waren begeistert. Auch ich.
Ich nehme dieses Buch seitdem immer mal wieder zur Hand, einfach weil es so voller interessanter Gedankenansätze ist, was unser Leben, unsere Begegnungen und die Kraft der Worte betrifft.
Heute abend werde ich mir mal ganz in Ruhe die Verfilmung mit Jeremy Irons ansehen - unvoreingenommen, soweit es geht...

Donnerstag, 30. Juli 2015

Menschen und Bücher...

Die nach wie vor viel zu kurzen Nächte halten an... Es ist so heiß, daß selbst die Klimaanlage nicht mehr genügend Erleichterung für einen erholsamen Schlaf bringen kann. So bleibt nur das Lesen, das Nachdenken in diesen stillen Nachtstunden, trotz aller Erschöpfung und Müdigkeit.

Gestern Nacht mußte ich über menschliche Beziehungen nachdenken, und als erklärter Bücherwurm kamen mir plötzlich Vergleiche in den Sinn, die unser Menschsein und Bücher miteinander verbinden:

Man kann in ihm lesen, wie in einem offenen Buch.
Sie ist wie ein Buch mit sieben Siegeln.


Nun, zwei absolut konträre Aussagen. Beide Aussagen sind falsch in ihrem primären Anspruch. Leider sind wir Menschen nicht so einfach zu "kategorisieren", kein einfaches Schwarz oder Weiß ist da zu finden. Wäre es so, wäre es ein Leichtes, unsere Mitmenschen oder auch uns selbst einzuordnen...

Ich mußte dabei an Menschen denken, die sich von Zeit zu Zeit einfach aus unserem Leben "ausklinken", manchmal nur kurz, manchmal für Jahre. Dieses "Verschwinden" von Menschen, hinterläßt immer eine Art von Unsicherheit. Bei mir jedenfalls. Und so kam mir ein weiterer Gedanke, der mit Menschen und Büchern zu tun hat:

Sind manche Menschen nicht tatsächlich wie ein Buch, dem an manchen Stellen einige Seiten abhanden gekommen sind? Sie fehlen einfach. Man liest trotzdem weiter, stellt aber am Ende fest, daß man dieses Buch nicht wirklich rezensieren kann. Man hat den Fortlauf und vielleicht auch das Ende der Geschichte verstanden, aber das dumpfe und beunruhigende Gefühl bleibt, daß auf den fehlenden Seiten vielleicht doch der eine oder andere wegweisende Hinweis stand, der unabdingbar war, um den Sinn des Ganzen wirklich erfassen zu können.

Fast möchte ich diese Menschen als "zerfledderte" Bücher bezeichnen. Vielleicht zu oft gelesen, zu oft "seziert", oft zu achtlos weggelegt, so daß sich diese Menschen einen Schutzschild aneigneten, einige "Seiten" ihres Daseins ganz bewußt durch Weglassen zu schützen versuchen.
Ich selbst hege keine Abneigung gegenüber zerfledderten Büchern, wie ihr wißt. Oftmals bezeugen sie nur, wie intensiv sie gelesen wurden. Insofern ist der Begriff kein negativer für mich.

Aber oftmals schwingt bei so einem "lückenhaften" Buch auch ein tiefes Bedauern mit, denn es könnte genau so gut sein, daß die Leser zu unvorsichtig mit diesem Büchlein umgegangen sind - auch ich !



Dienstag, 28. Juli 2015

Awakenings...

Heute las ich in einem Artikel, Griechenland würde so langsam aus der Schockstarre erwachen....

Es stimmt, daß seit dem beschlossenen neuen "Hilfsprogramm", das - darüber stimmen nunmehr weltweit alle Ökonomen überein - dem Land nicht auf die Beine helfen wird, sich die Schockstarre der letzten Wochen etwas verflüchtigt hat. Die Banken haben zum Schein wieder geöffnet, auch wenn die Kapitalverkehrskontrollen natürlich weiter bestehen.

Sagen wir mal so: Die Illusion einer bereits vorher illusionären Normalität hat sich wieder eingestellt.

Im Gegenzug zu dieser anfänglichen Schockstarre ist man jetzt jedoch in ein nebulöses Delirium hinübergeglitten, das im Gleichklang mit der lähmenden Sommerhitze die dumpfe Erkenntnis verstärkt, etwas ausgesetzt zu werden, das außerhalb unserer Vorstellungskraft liegt.
Diese Erkenntnis würde ich eher als das eigentliche "Erwachen" bezeichnen,

Ich komme täglich mit vielen Menschen in Kontakt durch meinen Beruf, und überall höre ich genau dieses aus ihren Worten heraus. Natürlich habe ich vor allem mit meinesgleichen zu tun, kleinen und mittleren Unternehmern, die nun mit einem weiter erhöhten Steuersatz und einer 100%igen Steuervorauszahlung abgestraft wurden. Jedem von uns ist dabei klar, daß dies inmitten dieser immensen Rezession nicht zu erwirtschaften sein wird, daß der Teufelskreis der Steuerschulden nur ausgeweitet werden wird. Und trotzdem bleibt uns allen keine andere Wahl als weiterzumachen, denn am Ende des Tunnels stünde nur die Arbeitslosigkeit.

So gehe auch ich nach wie vor jeden einzelnen Tag in meine Werkstatt, freue mich über jeden noch so kleinen Auftrag, strenge mich an, versuche mit hohem Zeitaufwand alles so perfekt wie möglich herzustellen und arbeite zu einem Stundenlohn, den ich am besten nicht nachrechne. Ich habe meine Preise sehr senken müssen, um überhaupt im Wettbewerb des Handgemachten mithalten zu können. Am Ende eines Tages stelle ich dann jedoch fest, daß ich fast umsonst gearbeitet habe, ich habe nur die unverändert hohen Materialkosten und einen davon ausgehend kalkulierten Mindestgewinn erwirtschaftet. Aber für meine ganz persönliche Arbeit bin ich eigentlich nicht bezahlt worden. Und genau dieses Schicksal teile ich mit so vielen anderen griechischen Herstellern, Kunsthandwerkern und Kleinunternehmern aller Art mittlerweile.

An manchen Tagen fällt es schwer, die richtige und positive Einstellung zur Arbeit zu finden - und ich gebe es zu, manchmal bin auch ich am Verzweifeln. Dies passiert vor allem immer dann, wenn Kunden versuchen, die Preise noch weiter zu drücken - gefeilscht wie auf einem orientalischen Basar wird da manchmal! Nun, schon vor langer Zeit fand ich besonders dreisten Kunden gegenüber meine Standardantwort: "Noch bin ich kein Chinese!" (unter uns gesagt, ob das weiterhin so bleiben wird, sei dahingestellt....).

Und natürlich schlägt man solche Anfragen ausnahmslos aus, nicht nur, weil es sich beim allerbesten Willen nicht rechnet, sondern weil man sich in all diesen Wirren nur noch eines versucht zu bewahren: einen Rest von Würde!













Sonntag, 26. Juli 2015

Wünsche.......

Die mediterrane Sommerhitze hat uns voll umfangen.... schlaflose, stickige Nächte inklusive.
Wie immer im Juli und August werden deshalb meine Nächte eher zu "Lesenächten".
Ein Gedanke, der mir gestern Nacht zwischen zwei unruhigen Träumen kam:


Donnerstag, 23. Juli 2015

Diese ganze Unendlichkeit wird ein einziges Tosen....- Alessandro Baricco

Denn so ist es immer, es genügt der Schatten eines Menschen, 
um den Frieden dessen zu zerschlitzen, was im nächsten Augenblick 
hätte Wahrheit werden können....

Wir kennen das wohl Alle: Manchmal passieren Dinge im Leben, die einen zutiefst bestürzen, befremden, verunsichern und so viel mehr beschäftigen als man das erwartet hätte...

Versucht man sich nach dem ersten Durchatmen dann in Besonnenheit, tut Ablenkung Not, und so fiel mir gestern ein schon fast vergessenes kleines Juwel in die Hand: Alessandro Bariccos Oceano Mare - Das Märchen vom Wesen des Meeres.
Als ich das Buch aufschlug, sah ich als erstes meinen Eintrag, wann und wo ich es gelesen habe (etwas ungewöhnlich für mich). Aber im Nachhinein wohl erklärbar, las ich das Buch doch an einem Ort und zu einer Zeit, die zu den existenziellsten Erfahrungen meines Lebens gehört hat. Beim Weiterblättern fand ich unzählige Anmerkungen, Unterstreichungen, Fragezeichen etc. Das Buch ist voll davon - ich könnte es also niemals mehr verleihen!
Allein all diese meine Bemerkungen zu sehen, war schon ein seltsames Gefühl. Trotzdem begann ich wieder darin zu lesen, und was als anfängliches "Querlesen" begann, endete in dem bedingungslosen Eintreten in die Welt dieses kleinen Romans.

Nun, dieses Buch hier adäquat zu beschreiben, ist mir unmöglich. Irgendwann und irgendwo in einer kleinen Pension am Meer, finden sich ein paar Menschen zusammen: Da ist der Maler, der seine Bilder mit Meerwasser malt, da ist die junge Frau, die an einer seltenen, nicht fassbaren Krankheit leidet, da ist der Naturforscher, der verzweifelt versucht, das "Ende des Meeres" zu erfassen, da ist die Ehefrau, die ihren Mann betrogen hat, und und....
Sie alle erhoffen sich, daß das Meer ihnen Heilung und Rettung sein möge.

Und so entspinnt sich ein Reigen von Lebensgeschichten, von kleinen Begebenheiten, von tiefsten Einblicken in die menschliche Seele und das menschliche Dasein - umrahmt und bestimmt vom "Wesen des Meeres"....


Tatsächlich gibt es Augenblicke, in denen das allgegenwärtige und logische Netz 
kausaler Zusammenhänge vom Leben überrumpelt kapituliert und ins Parkett hinabsteigt, 
um sich unter das Publikum zu mischen und zuzulassen, daß auf der Bühne eine unsichtbare 
Hand im Licht einer schwindelerregenden, plötzlichen Freiheit im unendlichen Schoß des 
Möglichen fischt und von Millionen Dingen ein einziges geschehen läßt...

Baricco schreibt in dieser begnadeten, bezaubernden Sprache, der man sich einfach nicht entziehen kann - weit mehr als das, Seite um Seite wird man nicht nur von der Geschichte selbst, sondern eben auch von dieser Sprache in den Bann gezogen.

Nun, das Büchlein löst die großen Lebensfragen nicht - wie auch sonst kein Buch -, aber es läßt den Leser atemlos und irgendwie auch "erschlagen" zurück angesichts all der Gedanken und Fragen, die Baricco da aufwirft. Ich will dieses Buch hier nicht einfach "empfehlen", ich will es Euch ganz einfach ans Herz legen!




Sonntag, 19. Juli 2015

Auf der Suche nach der verlorenen Leichtigkeit des Seins...

Dieses Wochenende habe mir mal ganz bewußt wieder Zeit zum Lesen genommen (und auf die im Laptop umherschwirrenden negativen Nachrichten weitgehend "verzichtet")....

Dabei stolperte ich über eine winzige Textstelle:

Susan Sontag, die brilliante amerikanische Essayistin und Intellektuelle, deren Biographie ich gerade lese, schrieb einmal, daß das Lesen für sie einen Triumph dargestellt hätte, einen "Triumph des Nicht-Ich-Selbst-Sein-Müssens".... Neben diese Stelle machte ich sowohl ein Ausrufe- als auch ein Fragezeichen.

Ein interessanter Gedanke, weil es ja tatsächlich so ist, daß wir beim Lesen andere Leben uns er-lesen, ertasten, erfühlen, uns auf Gedankenwelten einlassen, die, im besten Falle, unserer eigenen vollkommen konträr oder einfach nur neu sind. Nur durch konträre oder neue Erfahrungen könnten wir beim Lesen nicht mehr "wir selbst" sein.

Die Frage stellt sich dann nur, ob wir dies auch wirklich wollen sollten. Oder geht es beim Lesen nicht vielmehr darum, uns andere, interessante Gedankengebäude so einzuverleiben, daß sie unser bereits bestehendes Ich erweitern. Trotz all der Bücher, die mich durch mein Leben begleitet haben und noch begleiten: Ich hatte nie das Gefühl, ich wollte dabei nicht mehr ich selbst sein.
Aber ich hatte schon das Gefühl, daß mir selbst dieses Ich nicht reicht, oder, daß dieses Ich mir - nach wie vor - äußerst ungenügend erscheint. Es ist dies das bekannte Gefühl, daß man weiß, daß man einfach zu wenig weiß vom Leben allgemein....
Insofern begreife ich Lesen nicht als "Rettung vor mir selbst" wie Sontag. Lesen kann ganz profan ein Austreten aus dieser Suche nach der verlorenen Leichtigkeit des Seins bedeuten, wie sie uns hier in Griechenland gerade heimsucht. Aber Lesen kann auch unser Ich erweitern und damit auch verändern, aber eben immer nur im Sinne einer Erweiterung und keiner Verneinung oder Neuerfindung.
Beim Lesen von Sontags interessanter Biographie stelle ich fest, daß diese Frau das Lesen von Anfang an zutieftst als Mittel empfand, sich über das beengende Korsett ihrer Jugend im Amerika der 40 und 50er Jahre hinauszuerheben. Und ich kann nachvollziehen, daß ihr endgültiger Lebensweg am Ende eben genau als dieser "Triumph" erscheinen mußte.
Interessant also zu sehen, was Lesen und Literatur dem Menschen bedeuten kann - für Manchen kann es so fast ein neues Leben erfinden! Das Buch über Susan Sontag ist übrigens lesenswert!


Ein "demütiger" Sonntagsgruß...

Nach vielen Wochen, die der unschönen Realtität auch hier in meinem Blog gewidmet waren, zur Abwechslung mal wieder ein kurzer "künstlerischer" Sonntagsgruß!
Heute las ich zufällig die Beschreibung einer kürzlich erst beendeten Ausstellung in der Bundeskunsthalle Bonn, die dem "Göttlichen" Michelangelo Buonarotti gewidmet war. Ohne natürlich auch nur ein Original des Künstlers zeigen zu können, gelang es den Kuratoren wohl ganz famos, dem Besucher dies "Göttliche" in Michelangelos Kunst näherzubringen.

"Das Potenzial zur Gottähnlichkeit hat prinzipiell zwar jeder Künstler, 
sofern er fähig ist, eine creatio ex nihilo, eine Schöpfung aus dem 
Nichts, die eigentlich nur (ein) Gott vermag, zu leisten....!"

Allein, nur wenige Künstler haben diese Schöpfung aus dem Nichts in dieser Vollkommenheit erreicht wie Michelangelo.

Beim Lesen des Artikels mußte ich dann auch tatsächlich daran denken, welchen unauslöschlichen Eindruck drei seiner Kunstwerke auf mich gemacht haben - und wurde dabei unweigerlich etwas nostalgisch...





Der Davide, die Pieta und natürlich die Sixtinische Kapelle....Dies alles durfte ich in meinem Leben mehrmals sehen. Doch bei jedem wiederholten Sehen und wie versteinert davor Verharren blieb ein Gefühl immer dasselbe: absolute Sprachlosigkeit (ja, selbst ich kann mal sprachlos sein!), aber vor allem Demut:
Demut vor soviel Schönheit, Demut vor soviel Perfektion, Demut vor soviel menschlicher Schaffenskraft, Demut vor etwas, das man nicht in Worte fassen kann und deshalb tatsächlich wohl nicht anders als "göttlich" bezeichnen kann....
Schön, wenn Kunstwerke solche Gefühle in uns auslösen können!

Den interessanten Ausstellungsbericht findet Ihr hier


Freitag, 17. Juli 2015

Tage.......

Es gibt so Tage....
Normalerweise ist die Arbeit in meiner kleinen Werkstatt ja äußerst abwechslungsreich, dennoch gibt es auch durchaus stupide Tätigkeiten, die aber gemacht werden müssen. Und so habe ich den Vormittag heute damit verbracht, gefühlte 1000 Seiten Papier zu falzen....
Da ich sonst sehr viel Konzentration benötige, muß doch immer alles millimetergenau ausgemessen, errechnet, zugeschnitten und vorsichtig kaschiert werden, können solche rein mechanischen Tätigkeiten auch etwas Angenehmes in sich bergen: Ich kann mir dabei meinen geliebten "Don Giovanni" mal wieder in Ruhe anhören und die Gedanken einfach schweifen lassen. Liegt dann auch noch Katerchen zufrieden schnurrend zu meinen Füßen unter der Werkbank, dann könnte ich fast der Illusion erliegen, die Welt wäre schön, gut und gerecht....
Daß dem ganz und gar nicht so ist, bezeugt ein Blick auf die Nachrichten eben: Die ersten sommerlichen Waldbrände haben eingesetzt rund um Athen, ein Löschflugzeug ist gerade abgestürzt! Griechenland brennt mal wieder... nicht nur im übertragenen Sinne!

Begegnungen...darüber mußte ich heute nachdenken. Wie ich ja schon oft schrieb, hat die Krise uns etwas auf uns selbst zurückgeworfen. Das hat zum Einen damit zu tun, daß viele von uns einfach nicht mehr die finanziellen Möglichkeiten haben, so wie früher ab und an mal ins Kino, Theater, ins Konzert oder auch mal in eine Taverne zu gehen. Zum Anderen fehlt auch oft einfach die Lust, sich mit Freunden und Bekannten zu treffen. Jeder trägt sein eigenes Päckchen und kämpft mit seinen Dämonen, was so überaus kräftezehrend ist, daß nur noch selten Atem für persönliche Begegnungen bleibt...zumindest ergeht es mir so.

So reduziert sich manche "Begegnung" in dieser unserer Zeit zum Beispiel auf die "social media"...
Da gibt es unschöne, unerhebliche, aber eben auch schöne Begegnungen, die dann unsere Tage ab und an etwas erhellen. Da kann man dann doch von Zeit zu Zeit etwas schmunzeln oder laut rauslachen. Manche dieser Begegnungen bleiben flüchtig wie vorbeifliegende Vögel, andere mögen nachhaltiger sein...
Beides kann gleichermaßen in diesen Krisenzeiten wichtig sein, so sehr wir auch unsere Computer, Smartphones etc. meiden sollten. Wir dürfen ja nicht vergessen, sie sind zutiefst unwirkliche Begegnungen....
Auch dies eines der Paradoxa oder die Folge (?) eines Lebens inmitten einer wirtschaftlichen Krise (und natürlich nicht nur inmitten dieser)!
Aber vielleicht nehme ich das Ganze gerade mal wieder zu genau, und abschweifende Gedanken können uns ja auch oft in die Irre führen...

Virtuell oder real, wie sagte Guy de Maupassant so schön:
                          
                        Es sind die Begegnungen mit Menschen, die das Leben so lebenswert machen.




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Mittwoch, 15. Juli 2015

Leben in den Zeiten der Kapitalverkehrskontrolle.....

Kommt heute ein Kunde und will seine Bestellung abholen.
Am Ende fehlten ihm noch 50 Euro zum gesamten Rechnungsbetrag.

Da schaut er mich an, zuckt mit den Schultern und sagt:
"Meine Süße, was sind schon 50 Euro? Gerade mal eine einzige Kapitalverkehrskontrolle.....!"

Tja, so gesehen.... so schnell ändert sich unser Verhältnis zum Geld!!!


Also, um Gabriel Garcia Marquez zu bemühen:
Nicht die "Liebe in den Zeiten der Cholera", sondern das "Leben in den Zeiten der Kapitalverkehrskontrolle".....

Montag, 13. Juli 2015

Post scriptum....

Dies hier soll nun mein vorläufig letzter Beitrag zur politischen Situation sein. Ich sagte ja bereits gestern, daß ich unendlich müde bin.
Der "historische" EU-Gipfel über das Schicksal Griechenlands ist vorbei. 17 Stunden, in denen man sich darauf einigte, das Land weiter mit Milliarden zu "unterstützen" und dafür aber den höchstdenkbaren Preis zu verlangen.
Einhellig ist in der internationalen Presse von Erpressung und dem Verkauf eines Landes und seiner Souveränität die Rede.
Wie es weitergehen wird, wer kann das schon sagen. Fast einhellig aber auch hier die Meinung der internationalen Beobachter: es kann so kein gutes Ende nehmen für Griechenland - früher oder später.

Mögliche Zukunftsszenarien gibt es nun viele. Die kommende Zeit wird die politische, ökonomische und humanitäre Bedeutung des Beschlusses zeigen.

Inwieweit ich mit meiner kleinen Werkstatt den unausweichlichen politischen Verwerfungen und wirtschaftlichen Daumenschrauben gewachsen sein werde, auch das wird die Zeit zeigen. Ich werde wohl einfach weiter dahinschlingern...auf meiner kleinen Eisscholle - solange diese mich noch zu tragen vermag!
Wie schrieb Ovid: "Jegliches wechselt, doch nichts geht unter". Möge es am Ende so sein!


Jetzt bin ich einfach zu erschöpft, um weiter darüber nachdenken zu wollen.
Ich werde endlich wieder mein Buch in die Hand nehmen, das Papier und die Worte erspüren und mich ganz darauf einlassen.... Der Menschen Hörigkeit, passt ja irgendwie zum Thema, nicht wahr!?


Zwischen Panik, Gleichmütigkeit und Fatalismus.... ein Land

Was ist nur aus uns geworden!?
An diesem heutigen Sonntag - es ist nun schon Abend - soll(te) nun endlich die große "Entscheidung" fallen. Und ich weiß, daß ich wie oft in den letzten Tagen keinen Schlaf finden werde....
Welche Entscheidung? Ob wir hier weiter durch noch härtere Sparmaßnahmen abgewürgt werden oder ob wir aus dem Euro austreten. Beides könnte  - on the long run - für viele Menschen hier ein Fiasko werden....
Nach Wochen des Lesens, des Diskutierens mit Gleich - oder Ungleichgesinnten bin ich mittlerweile so unsäglich müde. Im Grunde will ich nur mein "altes" Leben zurück. Nicht, daß dieses Leben aufgrund der Krise nicht auch unendliche Probleme hatte, aber irgendwie war man nicht in einer so permanenten nachtdunklen Stimmung wie gerade die letzen Wochen...
Ich muß wirklich hart an mir arbeiten, mein "normales" Leben weiterzuführen, mich tagtäglich auf meine Arbeit zu konzentrieren, damit ich finanziell überleben kann, und auf all das, was mir darüberhinaus wichtig ist. Ich stelle tagtäglich fest, wie so unendlich schwer mir das fällt. Jeden Morgen z.B. sehe ich den Laptop vor mir, und anstatt wie sonst, mir bei meinem ersten Kaffee meine absolut "heilige" halbe Stunde Lesezeit in einem Buch zu gönnen, öffne ich nun diesen idiotischen Kasten, um die neuesten Nachrichten und Artikel zu lesen. Wozu? Nur, um mich danach noch schlechter zu fühlen...
Noch nie war ich soviel im Internet wie in den letzten Monaten, noch nie hatte ich so sehr das Gefühl, irgendetwas Entscheidendes zu verpassen; und ich hasse mich dafür, weil es nicht zu meinem Ich paßt - mein Gott, ich besitze ja nicht mal einen E-Reader, weil ich ein zutiefst haptischer Mensch bin und Alles um mich herum wie eine Blinde ertasten muß!!!  Am liebsten würde ich den Kasten aus dem Fenster schmeißen (wenn ich ihn nicht unbedingt auch für meinen Job bräuchte  - und Geld für einen neuen hätte)!

Die Krise hat uns Menschen irgendwie auch uns selbst entfremdet. Wir können uns der Unsicherheit nicht entziehen, wir schotten uns ab, wir fallen notgedrungenermaßen auf uns selbst zurück. Viele meiner Freunde in Deutschland stellen sich das alles hier oft sehr dramatisch vor. In den Medien sehen sie nur die Suppenküchen, die Obdachlosen, das Elend....
Aber so ist es natürlich nicht überall. Wir, die wir noch der sogenannten unteren "Mittelschicht" angehören und in den bourgeoisen (will sagen zutiefst kleinbürgerlich-engstirnigen) Vierteln von Athen leben, sind noch nicht am Verhungern oder hängen über irgendwelchen Mülltonnen auf der Suche nach Essensresten. Natürlich haben viele von uns erdrückende Schulden, aber wir bemühen uns, mit zusammengebissenen Zähnen durchzuhalten.
Dieses sogenannte "Durchhalten" jedoch ist für mich das Fragwürdigste überhaupt, impliziert es doch, daß ich wissentlich einer grundlegenden Illusion erliege: Ich weiß, daß ich ohne echten wirtschaftlichen Aufschwung meine Schulden im Leben nicht mehr werde abbezahlen können, verschließe mich aber dieser unumstößlichen Wahrheit ganz bewußt, weil ich sonst nicht weiterleben könnte...
In Gesprächen mit Freunden "beruhigen" wir uns gegenseitig, öffnen unsere Gedanken aber tatsächlich nicht wirklich, verbergen unsere allerallertiefsten Zukunftsängste. Nur Wenige sind es, bei denen ohne viel Worte echtes Verständnis aufkommt - nicht, weil sie uns wirklich näher als andere stünden, sondern, weil sie in genau der gleichen existenziellen Falle sitzen (genau wie die griechische Regierung, die einen Schuldenschnitt benötigte!)

Und so liegt die Dramatik der menschlichen Situation hier in Griechenland nicht nur im großen Plakativen, sondern auch im kleinen Camouflierten.
Manche meiner Freunde und Bekannten leben ihr Leben, wenn auch mit kleinen Einschränkungen, weiter wie bisher. Andere werden panisch, treffen vorschnelle Entscheidungen oder stürzen ab ins Nichts. Andere wiederum werden fatalistisch. Die Meisten jedoch machen es wohl so wie ich und "schlingern" wie auf einer Eisscholle dahin - mal optimistischer, mal pessimistischer, mal kämpferischer, mal defensiver, aber instinktiv immer auf der Hut vor dem, was "die da oben" entscheiden werden, was dies konkret für uns bedeuten könnte (deshalb wohl auch der Drang, keine Neuigkeiten zu verpassen, weil sie einem tatsächlich auf einmal so "lebenswichtig" erscheinen!).

Auch dies eine Folge der Krise: Man weiß nie, was der nächste Morgen bringen wird, wie man den nächsten Tag erfühlen und erleben wird. Ich habe es in den letzten Posts ja schon öfter geschrieben: wir leben "von Tag zu Tag".
Viele sagen diesen Satz so kokett vor sich hin, im epikureischen oder auch fatalistischen Sinne oder im Sinne eines positiven "carpe diem": aber Tatsache ist, daß ich nun schon zum zweiten Mal in meinem Leben dieses so wunderbare Motto nicht wirklich wählen durfte - es ist mir zum zweiten Mal in meinem Leben eine Folge, eine Notwendigkeit, eine mir auferzwungene Überlebensstrategie, aber nicht mein freier Entschluß!
Und entzieht allein diese auferzwungene Notwendigkeit oder Folge mir als Mensch nicht meine grundsätzliche Freiheit, die mir immer bedeutet hatte, das Motto "carpe diem" zutiefst positiv zu denken, zu erfahren und zu leben anstatt es nur als ein schales Motto akzeptieren zu müssen...










Samstag, 11. Juli 2015

Come on...

Das Wochenende steht vor der Tür - das letzte bevor definitv die neuen politischen "Maßnahmen" über uns hereinbrechen werden.... so oder so.
Ich will heute, an diesem ruhigen Abend, nicht an das Kommende denken. Wir leben eh nur noch von Tag zu Tag. Ich flüchte mich. wie immer, wenn ich das Gefühl habe zu platzen, in Musik und in literarische Texte, in diese so unendlich gnädigen und großzügigen Welten, damit das Brausen um mich herum endlich schweigen möge....

Leonardo da Vinci sagte einmal, die Augen seien die Seele des Menschen (in diesem Sinne jedenfalls, an das genaue Zitat kann ich mich nicht mehr erinnern, stammt ursprünglich sicher nicht von ihm). Oft denke ich über diesen Satz nach. Immer wieder entdecke im Internet Menschen, die ihre Augen tarnen, genau so, wie ich es selbst nicht anders mache.
Wir versuchen indes zu Recht, unser Allerinnerstes in den heutigen Zeiten des Internets zu schützen. Ist Euch schon mal aufgefallen, wie viele Photos es in den "social media" gibt mit Menschen, die ihre Augen verbergen? Die Ironie ist, daß ich selbst keinen wirklichen Zugang zu Menschen fnde, deren Augen ich nicht sehe, zu Menschen, die mir nicht in die Augen schauen. Wohl, weil wir ganz instinktiv unser Gegenüber so nicht "fassen" können, weil es uns irgendwie  "fremd" bleibt... Wir können seine " Seele" nicht sehen!
Und dabei mache ich es selbst genauso - der mediterranen Sonne sei Dank: Ich verstecke mich hinter meiner undurchdringlichen, schwarzen Brille, ich will nicht, daß fremde Menschen MICH sehen, nur so fühle ich mich irgendwie unangreifbar. Unser Sein, unsere Gedanken sind das Einzige, das nur uns selbst gehört. Und wir offenbaren all dies durch den ungeschützten Blick in unsere Augen....


Warum kommen mir in dieser wieder viel zu späten Nacht all diese Gedanken? Woher wieder all dieses Gesäusel?
Weil ich heute - wie schon seit Wochen - mir im Internet all die Zeitungsartikel reingezogen habe, die sich mit unserer Situation hier beschäftigen (Masochismus pur!)...
Und dabei fielen mir Photographien des so unendlich müden, desillusionierten Alexis Tsipras auf...
Ein "junger" Mann, der unbestreitbar mit hehren Idealen vor ein paar Monaten antrat, aber mittlerweile nur noch die Wahl zwischen "Pest und Cholera" hat, wie ein Journalist heute so richtig schrieb. Ich sah in seinen Augen eine so unendliche Erschöpfung, eine so unendliche Enttäuschung und, ja, ich muß es so sagen, auch Überforderung´unter all diesen langgedienten Wölfen da oben in Brüssel...
Nun, das mag Vielen, vor allem den Tsipras-Gegnern, als sentimentales Gequatsche erscheinen. Akzeptiert, dieses Abgleiten ins allzu Menschliche sei mir verziehen, aber ich kann nicht anders!
Trotzdem bleiben wir am Ende alle doch nur Menschen, egal, welche Funktion wir innehaben, trotzdem reduziert sich unser Leben doch nur auf das, was wir "er-leben" müssen...
COME ON!














Montag, 6. Juli 2015

Ich bedarf einer Krisis...... Friedrich von Schiller

Das "heiße" Wochenende ist vorbei. Griechenland hat sich mit großer Mehrheit gegen die tödlichen Sparmaßnahmen der Institutionen ausgesprochen.
Wenn ich auch zeitweise noch im Zweifel war, wie es letztendlich ausgehen wird, so bestätigt nun diese Wahl auch das, was ich in meinem Blog vor einer Woche vermutet habe: Die europäische Politikerriege hat einen Faktor stark unterschätzt- das Gefühl des Stolzes der Griechen!
Deutsche Kommentatoren wiederholen seit gestern mantraartig, die Griechen hätten wohl gar nicht richtig gewußt. wofür oder wogegen sie abstimmen. Aber, meiner Meinung nach, spielt das am Ende keine Rolle. In der Mehrheit stimmten die "Nein-Sager" für ihre Autonomie - nicht die politisch-wirtschaftliche, eher für die ontologische, sofern wir sie als Selbstverständis begreifen wollen.
Es hat sich nun bewahrheitet, daß man einem Volk dieses Selbstverständis nicht so ohne Weiteres absprechen kann, daß man es nicht bis zum Anschlag realiter knechten und moralisch erniedrigen kann (wobei ich, wie schon öfter betont, nicht verschweigen will, daß nicht Weniges faul im griechischen Staat ist!).

Seit heute Morgen überschlagen sich die Ereignisse weiter.
Der interessante, jedoch streitbare griechische Finanzminister, der als Wirtschaftswissenschaftler auf dem politischen Parkett keine glückliche Figur machen konnte, weil er vollkommen außerhalb seiner "Welt" war, trat am frühen Morgen zurück. Die Banken bleiben auch weiterhin geschlossen. Die europäischen "Partner", doch immerhin etwas "irritiert" über dieses klare NEIN, üben sich in verstärktem Säbelrasseln und Endzeitevokationen. Aber dies alles ist nur zu bekanntes Kalkül in den "höheren" Sphären der Politik.
Immerhin: Ein Kampf findet wohl statt, ein Kampf zwischen humanistischen Werten in einem solidarischen Europa und geldgierigem, hegemonialem Machtdenken ....

Wir Menschen hier wissen nicht, was uns morgen erwarten wird. Wir begnügen uns mit dem Abwarten, dem Hoffen, dem Bangen, dem von der Hand in den Mund leben. Wir wissen nicht, wie lange die Bankautomaten noch "Papier" ausspucken werden, wir wissen nicht, wie lange und ob wir Arbeit haben werden, wir wissen nicht, was aus uns werden soll, sollten wir überraschend krank werden....

Ich lebe nun seit 21 Jahren hier, fühle mich den griechischen Mitmenschen natürlich inzwischen näher als meinen deutschen Landsleuten. Ich bin zu lange aus Deutschland weg, um auch die täglichen Belange und Probleme der Deutschen wirklich richtig einschätzen zu können. Unser Leben ist nur da, wo wir real sind. Und gerade als Deutsche in Griechenland schmerzen mich all die haßerfüllten Aussagen, die gegenseitigen Schuldzuweisungen, die gegenseitige Häme.... All das hat mit mir, mit meiner Familie, mit meinen griechischen und deutschen Freunden so gar nichts zu tun!

Wähnte ich noch vor einiger Zeit ein vereintes Europa ohne Grenzen als das erstrebenswerte Ideal, in das mein Kind und die kommenden Generationen als "Europäer mit nationalen Wurzeln" hineinwachsen sollten, so zeigt mir die Erfahrung der letzten Monate, daß wir davon weiter entfernt sind als jemals zuvor.
Wir sind nicht in der Lage, die Mentalität des anderen "Europäers" zu akzeptieren, geschweige denn zu verstehen. Dabei höre ich nichts von dem, was Kommentatoren und Politiker in den letzten Tagen über das "andere" Volk so von sich gegeben haben, in meinem privaten Umfeld!!!

Entsprechend irreal erscheint mir das ganze Geschehen um mich herum manchmal...
Real für uns Alle hier bleibt nur die existenzielle Krise.


Ich bedarf einer Krisis. 
Die Natur bereitet eine Zerstörung, um neu zu gebären.
Friedrich von Schiller





Samstag, 4. Juli 2015

Wer kämpft.......

Die Gemüter kochen nun so kurz vor dem morgigen Referendum. Mir kam spontan das bekannte Zitat von Aristoteles in den Sinn, denke ich an diese Regierung, die am Ende vielleicht glücklos sein wird.

Die Medien, die in dieser Krise hüben wie drüben wieder einmal klar gemacht haben, wie weit wir von einem unabhängigen Journalismus entfernt sind, überschlagen sich mit richtigen, falschen, tendenziösen, zynischen, halbwahren, mutmaßenden, überheblichen etc. Meldungen.
Keine Chance mehr für den Leser/Zuschauer, sich da noch rauszufinden.
Und so werden viele Menschen morgen wohl eine Entscheidung "aus dem Bauch heraus" treffen, wenn sie vor dem Stimmzettel stehen.
Athen leert sich zusehends. Da in Griechenland viele Bürger in ihren Heimatorten wählen müssen, ist die Stadtflucht enorm. Immerhin erließ die Regierung die Autobahnmaut und halbierte die Überlandbustarife, um den finanziell Klammen die Fahrt zu ermöglichen.
Und so ist es ruhig um uns herum hier in Athen. Aber natürlich ist es nur die Ruhe vor dem Sturm, der uns Alle ab Montag erwartet....
Habt ein schönes Wochende, sofern Ihr nicht in Griechenland lebt! Ach ja: die Griechen haben den Deutschen die Sommerhitze geschickt - hier ist es dagegen ungewöhnlich windig und der Jahreszeit entsprechend unangemessen "kühl"!!! Selbst das Wetter reflektiert die Ausnahmesituation, könnte man schon fast sagen.....