Mittwoch, 29. Oktober 2014

Griechenland und seine Schriftsteller

Nun schreibe ich diesen Blog ja schon geraume Zeit. Ab und an schreibe ich auch über Athen, über Griechenland, mein "neues", mittlerweile auch schon wieder in die Jahre gekommenes Leben hier - bald auf den Tag genau 20 Jahre sind ja auch kein Pappenstiel!
Deshalb will ich meinen interessierten Lesern in Deutschland kurz eine schöne Sendung empfehlen, die heute auf ARTE lief: In der Reihe Europa und seine Schriftsteller wurden drei griechische Schriftsteller vorgestellt, die den Zuschauern einen Einblick in die griechische Wirklichkeit geben....

Vielleicht habt Ihr ja Lust auf "mein" so widersprüchliches Athen....

In Deutschland aufzurufen über die ARTE-Mediathek http://www.arte.tv/guide/de/051138-000/europa-und-seine-schriftsteller-griechenland?autoplay=1
Ich hoffe, der Link funktioniert so in Deutschland, denn hier in Griechenland stellt ARTE viele Videos in der Mediathek leider nicht zur Verfügung, zur Verärgerung vieler von uns hier (ansonsten könnt Ihr es sicher selbst finden)...



Dienstag, 28. Oktober 2014

Kreativität - das Massenphänomen

Vor ein paar Tagen war ein wunderbarer Kommentar im Cicero zu lesen:
Unter dem Titel Kreativität - Eigenschaft der Blender und Einfallslosen beleuchtete der Autor der Kolumne überaus kritisch und auch amüsant unseren postmodernen Anspruch, daß jeder Mensch heutzutage "kreativ" zu sein hat:
http://www.cicero.de/stil/kreativitaet-die-eigenschaft-der-blender-und-der-einfallslosen/58397

Seit meinem Umzug nach Griechenland muß auch ich mich in die Phalanx dieser allgegenwärtigen "Kreativlinge" einreihen...
"War Kreativität in früheren Zeiten eine vielleicht ganz nette, aber keinesfalls qualifizierende oder gar Sinn gebende Eigenschaft, so ist sie in den letzten Jahrzehnten [...] zum Fetisch des postmodernen Menschen mutiert. Sie ist Glücksversprechen, Selbstverwirklichungsvehikel und Erfolgsgarant. Ursprünglich eine Eigenschaft der Begabten und Begnadeten, ist Kreativität zu einem Massenphänomen geworden, zu einem Ideal für Jedermann, das sich an überfüllten Kunstakademien und Schauspielschulen, in Designstudiengängen, in Töpfer- und Malkursen austobt."
Ganz zu Recht weist der Autor auf die Nivellierung des Begriffes "kreativ" hin. Viele von uns versuchen ja, irgendwie kreativ zu sein, und auch wenn nur Wenige beschließen, daraus einen Beruf zu machen, tummelt sich doch eine Unmenge von Menschen, die ihre Kreativität hobbymäßig ausleben. Dagegen ist auch rein gar nichts zu sagen (zu Unrecht geißelt der Autor daher die "Töpfer- und Malkurse")...

Dennoch beobachte auch ich schon längst so manch entscheidenden Unterschied:
1. Als entspannendes Hobby betrieben, sei es jedem gegönnt (und ist immerhin besser, als z.B. in irgendeiner Kneipe abzuhängen oder seine Familie zu nerven ....)
2. Als Beruf betrieben, entbehrt so ein kreatives "Hobby" allerdings des entscheidenden Attributs "entspannend": Keine noch so kreative Beschäftigung bleibt auf die Dauer entspannend, wenn im wahrsten Sinne des Wortes das tägliche Brot davon abhängt. In Zeiten schwerwiegender wirtschaftlicher Krisen, verbunden mit hoher Arbeitslosigkeit, versuchen viele, aus der Not eine Tugend zu machen, bzw. aus dem Hobby einen Beruf zu machen (wie es momentan hier in Griechenland in hohem Maße zu beobachten ist). Und all diesen Anstrengungen muß man uneingeschränkten Respekt zollen. Ob dabei die sogenannte Kreativität ein "Erfolgsgarant" sein kann, bleibt dahingestellt...
3. Kreativität hat viele Aspekte, und natürlich kann man die "hausgemachte" Art von Kreativität, der ich und so Viele frönen, nicht mit der innovativen Kreativität der wirklich großen Künstler vergleichen (deshalb auch der Unterschied zwischen Kunst und Kunsthandwerk!). Und trotzdem ist der Terminus längst zu einem Allgemeinplatz mutiert, der in allen möglichen Bereichen gefordert und angepriesen wird. Insofern bemängelt der Autor berechtigterweise, daß "der Begriff „Kreativität“ im modernen Zeitgeistdeutsch losgelöst von jeder halbwegs erkennbaren Fertigkeit verwendet" wird.

Was schließe ich nun aus so einem Artikel für mich persönlich?
Ich muß dem Autor in fast allen Punkten absolut Recht geben. Wir übertreiben es letztendlich mit unserer "Kreativität". Die meisten von uns laufen deshalb auch Gefahr, in der unendlichen Flut von kreativen Produkten/Ideen unterzugehen (siehe z.B.die Internetplattformen etsy oder daWanda)! Kreativität auf rein geistigem Gebiet unterliegt übrigens derselben Gefahr, wenn man z.B. an die hier oft angesprochene "Bücherwelt" denkt: Was tummelt sich da so alles an "Kreationen"...
Nicht zu vergessen, die ominöse Art von Kreativität, die heute irgendwie und sowieso von jedem Arbeitnehmer gefordert wird, um das Unternehmen innovativ zu unterstützen...
In welchem Bereich auch immer, je mehr der Begriff "verschwimmt", desto weniger wird am Ende wirkliche Kreativität sichtbar bleiben. 
Und nochmals auf mich bezogen, gebe ich dem Autor wiederum Recht, denn auch ich empfinde meine buchbinderische Tätigkeit oft einfach nur als "solide"...denn wenn Kalender, Notizbücher oder Photoalben einfach nur in solider, handwerklicher Manier hergestellt sind, dann ist das doch auch schon etwas wert, oder nicht!?
"Kommt doch einfach mal alle runter! Nicht jedes Kuchenrezept muss kreativ sein, lecker reicht vollkommen aus. Und auch der Wirtschaft täte etwas weniger heiße Luft ganz gut. Nicht jedes Projekt, nicht jede Unternehmensstrategie, nicht jedes neue Produkt muss kreativ oder innovativ sein. Das ist im Übrigen auch gar nicht möglich. Wie wäre es denn hingegen mal mit solide und seriös? Das klingt zwar nicht halb so cool, hätte aber trotzdem was." (Alexander Grau)

Freitag, 24. Oktober 2014

Rain is the sky descending to the earth. Without rain there would be no life. - John Updike

Erstmal hat es heute den ganzen Tag hier in Athen geregnet, was an und für sich schon bemerkenswert ist. Aber wie in allen südlichen Ländern braucht die Pflanzenwelt hier diese seltenen Regentage.... Es amüsiert mich immer köstlichst, wie viele Deutsche, die schon lange hier leben, auf solche grauen Tage reagieren. Da ist dann ein Gejammer zu hören oder auf FB zu lesen, und ich frage mich insgeheim immer, ob sie etwa alle vergesssen haben, wie oft es in Deutschland so ein Wetter gibt...
Der Blick aus meinem Wohnzimmerfenster heute Mittag...
Nachdem ich den ganzen Vormittag erstmal mit diversen Bestellungen noch voll ausgelastet war, die morgen ausgeliefert werden müssen, fand ich am Nachmittag dann doch etwas Zeit, mich weiter mit meinen Weihnachtskreationen zu beschäftigen. Der hiesige deutsche Weihnachtsbazar ist nicht mehr fern, und so muß ich mich langsam ranhalten. Gerade mal vier Wochen Zeit habe ich noch...
Durch die beiden Verkaufswochenenden bin ich dieses Jahr mit der Weihnachtsvorbereitung und noch so manch anderen Dingen in der Werkstatt sehr sehr ins Hintertreffen geraten.
Heute habe ich zumindest zwei kleine Bäumchen aus Buchseiten, Filz und Stoff geschafft und dann noch ein paar sogenannte Γούρια, Glücksbringer, aus Notenblättern gebastelt. Die werden hier zum Neuen Jahr verschenkt und sollen Haus und Bewohner beschützen...


So, und jetzt ist endlich ein geruhsamer Freitagabend angesagt, obwohl... beim Fernsehen wird wohl der eine oder andere Buchengel gefaltet werden !

Sonntag, 19. Oktober 2014

Und der Seewirt begriff, daß Kunst Leben ist. Und Leben Geschichte. Und Geschichte Menschheitsgeschichte.- Josef Bierbichler, Mittelreich

Trotz meiner zeitraubend diversen beruflichen Projekte versank ich die letzten Tage geradezu in einem Buch, das ich euch deshalb unbedingt vorstellen muß:

Die süddeutschen Leser werden den Autor kennen, handelt es sich doch um den Schauspieler Josef Bierbichler. Trotz seiner vordergründig "bayerischen Urkraft" in Aussehen und Sprachklang glänzt Bierbichler für mich immer vor allem in seinen leisen Tönen (die SZ bezeichnete ihn mal so schön als "zärtlichen Schauspiel-Berserker").
Ich räume ein, daß ich in diesem Fall vielleicht kein allzu objektiver Kritiker sein kann, ist mir doch die Welt der bayerischen Provinz nur allzu vertraut, erliege ich genüßlich Bierbichlers ausdrucksstarkem, süddeutsch geprägtem Sprachduktus, diesem wunderbar "verschwurbelten Starkdeutsch", wie die FAZ es passend beschrieb. Etwas Heimweh kommt da beim Lesen schon auf...

Bierbichler erzählt im Roman die Chronik einer Familie, deren Lebensmittelpunkt das Gasthaus "Zum Fischmeister" an den malerischen Ufern des Starnberger Sees bildet. Die Geschicke der Besitzer des Gasthauses über zwei Weltkriege hinweg hinein bis in die 70er Jahre des vergangenen Jahrhunderts werden erzählt. Vor allem die politische Stimmung der frühen Nachkriegsjahre wird genauestens beobachtet, wenn Kriegsheimkehrer und Vertriebene auf die Daheimgebliebenen treffen und man sich in dieser neuen "Zusammensetzung" das Leben neu gestalten muß; wenn dann aber auch am Wirtshaustisch sich die anonyme "Volksseele" Luft macht und man mit Unbehagen feststellt, daß "der Teppich, der das unter ihn Gekehrte bisher deckte, noch immer tadellos den Heimatboden ziert"; wenn mit den Jahren die "Moderne" Einzug hält in die abgeschlossene Welt dieser Landbevölkerung und der Seewirt Pankratz in seinem Sohn Semi die Verflüchtigung und bewußte Aufkündigung der jahrhundertelangen bäuerlichen "Werte" erkennen muß; wenn das gelebte Leben an Religion und Glauben verzweifeln läßt und dem Seewirt kurz vor dem Tod nur die Erkenntnis bleibt, daß beides nur "Verdrängung und Feigheit" bedeutet...

Sprachlich bemerkt man durchgehend den in langen Theaterjahren geschulten Freund des präzisen Wortes. Unzählige Textstellen sind da schon beeindruckend in ihrer kraftvollen Metaphorik. Inhaltlich wird dem Leser so manch bittere und unbequeme Wahrheit über unser Land zugemutet. So geizt Bierbichler nicht mit politisch überaus korrekten Be- und Verurteilungen, persönlichen Einschätzungen und Ausblicken.  So wie Bierbichler von den Bewohnern des Wirtshauses berichtet, wird man sich bewußt: so oder ähnlich mögen sich unzählige Familiengeschichten in jenen Jahren wohl in der deutschen, nicht nur bayerischen Provinz zugetragen haben; insofern steht das Buch für mich trotz aller subjektiven "Menschelei" exemplarisch für viele Erfahrungen und Lebensläufe des vergangenen Jahrhunderts. Vielleicht hat gerade dies auch seinen Erfolg ausgemacht. Die FAZ schrieb 2011:
"Sanfter ist er nicht geworden, aber doch reif für Suhrkamp: 
Josef Bierbichler wütet in seinem ersten Roman wie die Axt im Walde 
gegen Gschaftlhuberei und Nationalsozialismus". 

Ich muß dieses Buch einfach empfehlen, eine manchmal unbequeme, aber genau deshalb uneingeschränkte Lesefreude - übrigens auch für "Nicht-Bayern"!


Sonntag, 12. Oktober 2014

Ich war dann kurz mal weg....

Ich bin mir gar nicht sicher, ob man über dieses Buch noch was schreiben sollte, aber es ist mir eben erst jetzt billigst in die Hände gefallen:
Als es vor einigen Jahren erschien, stand es monatelang auf Platz 1 der Spiegel-Bestsellerliste in der Sparte "Sachbuch".
Erstmal muß ich zugeben, daß das Buch nicht effekthascherisch geschrieben ist, man nimmt dem Autor diese "leisen" Eindrücke und Erlebnisse seiner Pilgerreise durchaus ab. Oft schmunzelt man beim Lesen, Kerkelings Humor kommt auf jeder Seite durch. Er berichtet detailliert von den physischen und psychischen Anstrengungen dieser Wanderungen, von den zeitweiligen Zweifeln, der eigenen Wehleidigkeit und der Zermürbtheit. Man begleitet ihn und seine diversen Pilger-Bekanntschaften durch die Höhen und Tiefen eines solchen "Unternehmens". Erwartet man nun tiefgründiges Gedankengut über die Suche nach Gott, wird man etwas enttäuscht. Eher Allgemeingültiges und viel Menschliches kommen zur Sprache, was das Buch und den Autor sympathisch machen. Und als praktischer Reiseberater taugt das Buch wohl auch, sollte man den Jakobsweg selbst mal gehen wollen (der potentielle Pilger weiß dann wenigstens, wo er auf keinen Fall übernachten sollte!). Insgesamt waren die über 300 Seiten schnell durchgelesen. Das Buch gehört definitiv in meine Kategorie der sogenannten "Schnell-mal-nebenbei-Lektüre"...
Und so bleibt ein zwiespältiges Gefühl: Einerseits wieder mal die Erkenntnis, daß man den Bestsellerlisten nicht unbedingt trauen sollte (aber das wissen wir hier ja alle), andererseits aber auch das Eingeständnis, daß das Buch aufgrund seines Themas und seiner ehrlichen Unaufgeregtheit sicher interessanter sein mag als so manches Werk von unzähligen Prominenten, die sich gerade wieder mal auf der Frankfurter Buchmesse tummeln und glauben, sie müßten unbedingt auch mal ein Buch über dies und das geschrieben haben....
P.S. Gerade habe ich gehört, daß Kerkeling vor kurzem sein zweites Buch vorgelegt hat. Kaufen werde ich es mir nicht, aber vielleicht kommt es mir ja in ein paar Jahren per Zufall unter die Finger...:)

Gemüse, Umkehrbilder und andere Geschichten...

Ein herbstliche Sonntagsgruß wird es diesmal, denn der Herbst ist nun auch in Griechenland angekommen, und ich liebe diese Jahreszeit ähnlich wie den Frühling...
Als ich mir überlegte, welches Bild ich der Initiatorin des Sonntagsgrußes bei  alles-nicht-so-wichtig  widmen könnte, kamen mir die so seltsamen Jahreszeitenbilder des Giuseppe Arcimboldo in den Sinn, die ihr natürlich alle kennt....

G. Arcimboldo, Der Herbst (1572), 90x70 cm

Arcimboldo war ein Maler der italienischen Spätrenaissance im Übergang zum Manierismus. Das obige Bild gehört zu seiner berühmten Serie der Vier Jahreszeiten. Arcimboldo stellt sie als Porträts dar, durchaus noch in der für die Renaissance üblichen Profilansicht. Aber er setzt die Gesichter zusammen aus für die jeweiligen Jahreszeiten typischen Pflanzen, Früchten und Gemüse. Ganz herrlich finde ich, wie der Kopf hier aus einem zerborstenen Weinfaß ragt und mit seiner Traubenhaarpracht an die Weinlese erinnert; das Apfel-und Birnengesicht, der Kastanienmund, das Kürbishütlein und das Fliegenpilzohr - all das läßt den Betrachter sofort an den Herbst denken. Und wie immer beachte man die Größe des Bildes, denn mit ungefähr 90x70 cm muß das Bild in natura noch um Einiges skurriler wirken...

Einige Jahre später geht Arcimboldo sogar noch einen Schritt weiter und schafft seine witzigen Umkehrbilder, bei denen ein Stillleben, wenn man es auf den Kopf stellt, ein menschliches Porträt ergibt, wie z.B. hier beim "Gemüsegärtner".
Tja, da muß man erstmal darauf kommen!


Und weil wir uns hier ja auch so oft über Bücher austauschen, darf ich euch natürlich nicht seinen berühmten "Bibliothekar" vorenthalten, bei dem er ein menschliches Porträt aus Büchern geschaffen hat:

Ist das nicht wunderbar!?  Dieses Bild ist mir schon öfter begegnet, sogar mal als Buchstütze und auf einem Kaffeebecher in einer Frankfurter Buchhandlung. Angesichts seiner Originalität mag es nicht verwundern, daß Arcimboldo im 20. Jahrhundert natürlich von den Surrealisten und Dadaisten wiederentdeckt und viele Jahre später dann auch in der Werbung reichlich "ausgeschlachtet" wurde...
So, das war mal wieder mein kleiner Sonntagsausflug in die Kunst. Genießt diesen schönen Oktobertag!



Donnerstag, 9. Oktober 2014

Nobelpreis

Nun ist er für dieses Jahr wieder vergeben, der Literatur-Nobelpreis.
An wen? An den Franzosen Patrick Modiano....
Tja, muß ich mich nun - als Romanistin auch noch - schämen, daß ich diesen Schriftsteller nicht kenne, nie etwas von ihm gelesen habe?

Gut, ich bin in den letzten Jahren nicht sehr viel "unterwegs" gewesen in der französischen Literatur; Izzo, Houellebecq, Celine waren da, und natürlich immer mal wieder meine geliebten "Alten" wie Hugo, Zola, Flaubert, Camus, Sartre, aber sonst....
Ich kann also zu diesem Modiano, diesem "Artist der Sprache", wie ich las,  mir nichts denken, mir nichts unter seiner Literatur vorstellen.

Da las ich noch gestern u.a. einen kritischen Artikel über die Vergabe dieses Preises und die Unwägbarkeiten der schwedischen Jury. Der Autor (habe leider die Zeitung und den Namen des Autors vergessen) fragte sich aber u.a. auch, was eigentlich z.B. mit Siegfried Lenz sei, der gerade erst vor wenigen Tagen verstarb. Und auf Facebook fragte ein Leser, was denn in Gottes Namen mit Autoren wäre wie Paul Auster oder Philip Roth (der schon so lange auf diesen Preis wartet, daß schon Witze darüber kursieren)? Und natürlich füge ich persönlich auch den Sprachgiganten Peter Handke hinzu (der allerdings von der schwedischen Jury wohl nie den Nobelpreis bekommen wird aufgrund seiner Haltung zu Serbien)...
Und so muß einem dieser ganze Literatur-Nobelpreis-Hype auch etwas fragwürdig erscheinen. Die Auswahl an herausragenden Autoren weltweit ist in der Tat so unendlich, daß eine Entscheidung mir fast unmöglich erscheint. Was ist dann aber in Wahrheit das Zünglein an der Waage? Welche Argumente sind ausschlaggebend? Welche Interessen müssen beachtet werden? Welchem Druck ist so eine Jury ausgesetzt? Oder wird gar der Reigen der großen Autoren einfach einmal gut durchgeschüttelt und dann einfach ein Namenskärtchen gezogen? Who knows....

Wie auch immer, ich würde mich freuen, wenn ihr mir die eine oder andere Leseempfehlung zu Modiano geben könntet, denn lesen möchte ich schon mal ein Buch von ihm.....wenn schon, denn schon!
 

Mittwoch, 8. Oktober 2014

Das ewige Leben...

Heute wird's mal wieder literarisch. Ein paar Wochen schon lag das Buch neben meinem Bett und wartete darauf, endlich fertiggelesen zu werden. Nun ist die Tatsache, daß es so lange dort lag, ein erster Hinweis darauf, daß es mich nicht unbedingt so gefesselt hat, daß ich es in einem Zug ausgelesen habe. Aber es bedeutet auch nicht, daß das Buch  nicht lesenswert war - ansonsten wäre es gleich in die Kiste der Bücherspenden gewandert...
Aber jetzt zum Buch selbst: Stellt euch vor, in einem unbenannten Land hören die Menschen auf einmal auf zu sterben. So beginnt das Buch mit einem Paukenschlag, und der portugiesische Nobelpreisträger Saramago beschreibt nun minutiös die politischen, sozialen und psychischen Auswirkungen dieses "schlimmsten Albtraums, den ein menschliches Wesen je zu träumen vermochte". Das so heiß ersehnte ewige Leben erweist sich bei ganz profaner und auch philosophischer Betrachtung schlichtweg als Katastrophe. Plötzlich leben die Menschen in einer Gesellschaft "zwischen der Hoffnung, ewig zu leben, und dem Horror, niemals zu sterben". Bis eines Tages der Leiter der nationalen Fernsehanstalten einen mysteriösen Brief erhält.....
Mehr will ich euch nicht verraten.
Das Ganze hört sich nun sehr ernst und schwer an, ist aber mit viel Augenzwinkern in einer wunderbar leichtfüßigen Sprache geschrieben, und nicht selten muß man schmunzeln ob der realen Schwierigkeiten, die durch so eine Zeit ohne Tod entstehen und an die man so nie gedacht hätte. Am Ende habe ich mich trotzdem schwer getan, wie ich das Buch einordnen soll. Ist es ein Märchen, ist es eine Parabel, ist es eine Vision, ist es einfach eine schön fabulierte Geschichte? Keine Ahnung. Ist Saramagos Kosmos gar "das Terrain der großen Geheimnisse, der wahren Mirakel, die resistent sind gegen Deutung, Aufschluß, Klärung", wie ein Kritiker in der Frankfurter Rundschau schrieb?
Auf jeden Fall schlägt man dieses etwas skurrile Buch am Ende mit einem versöhnlichen Gefühl zu. Und empfehlen kann ich es allemal!

Sonntag, 5. Oktober 2014

Verquerer Sonntagsgruß...

Beim sonntäglichen Morgenkaffee mal wieder ein Sonntagsgruß ins unendliche und unergründliche www....


"Es ist nicht verboten, mal aus dem Rahmen zu fallen."

Dieses Photo mit Zitat fand ich gerade auf Facebook und dachte mir, daß es ein Lebensmotto ist, das ich euch an diesem Sonntag mit auf den Weg geben will. (Oh je, das hört sich jetzt gerade an wie der Auftakt zum "Das Wort zum Sonntag", nicht wahr? Aber keine Angst, ich bin ja kein Prediger, nur ab und zu ein "Gedankenreisender"...)
"Aus dem Rahmen fallen", ja, diesen Luxus sollten wir uns alle von Zeit zu Zeit gönnen dürfen. Zu geregelt ist unser aller Leben, zu geradlinig, zu vorbestimmt. Und ich meine damit nicht, daß wir den äußeren Zwängen unterworfen sind, im uns vorgegebenen Rahmen leben müssen, da kommen wir ja alle mehr oder weniger nicht drumherum. Ich beziehe das obige Zitat vor allem auf unsere Gedanken, darauf, daß wir uns in unseren Köpfen meist unsere eigenen Käfige bauen und das "Querdenken" sträflich vernachlässigen...Dabei tut es so gut, wenn wir mal aus den eingeübten Gedankenmustern ausbrechen und dann unter Umständen dem allgemeinen Konsens den Rücken zuwenden.
Jede Medaille hat zwei Seiten, den Spruch kennen wir. Aber, auch diese zwei Seiten sind oft nicht der Weisheit letzter Schluß. Ist nicht jede Medaille dreidimensional, um beim Bild zu bleiben? Ist da nicht ein schmaler Rand? Ja, und auf diesem Rand läßt es sich oft gut tummeln; ein schmaler Grat zwar, aber oft ein viel interessanterer und gedanklich fruchtbarerer als die vorrangig bemühte und uns vorgeschriebene Ober- und Unterseite.
Mein guter Freund und Querdenker Oscar Wilde prägte dazu den schönen Satz:

Auf seine eigene Art zu denken, ist nicht selbstsüchtig. 
Wer nicht auf seine Art denkt, denkt überhaupt nicht.

Mit diesen "verqueren" Gedanken wünsche ich euch einen schönen, geruhsamen Sonntag! Und damit es wieder etwas profaner wird hier: Ich muß jetzt kochen, denn liebe Freunde haben sich zum Sonntagsschmaus angesagt....









Samstag, 4. Oktober 2014

Soll das ein Witz sein?

Samstagmorgen. Großputzzeit....uaaaaaaaaah!
Da ich gerade warten muß, bis mein Boden hier aufgetrocknet ist, hier noch schnell eine Lektüreempfehlung:
Das Buch hat mir meine Freundin zum Geburtstag geschenkt, und sie war, wie sie zugab, ziemlich gestresst, welches Buch sie mir kaufen sollte...angeblich hätte ich ja schon so viele, haha....
Aber sie weiß natürlich auch, mit einem Buch kann man bei mir nie falsch liegen als Geschenk!

Nun, das Buch liegt seitdem auf meinem Nachtkästchen und immer wieder lese ich rein. Karasek geht dem Witz und dem Humor auf die Spur, kulturhistorisch vor allem. Durchaus Interessantes entdeckt man und natürlich viele viele Witze. Nicht Alles fand ich zum Ablachen, aber Vieles zum Schmunzeln. Das Problem an Witzen ist ja, daß es immer auf den Erzähler ankommt: so Mancher kann das perfekt und man lacht Tränen, so Mancher kann es gar nicht und "tötet" jede Pointe. Der gelesene Witz ist deshalb per se schon eine trockene Angelegenheit. Aber, nichtsdestotrotz, das Büchlein ist zu empfehlen, wenn man sich für die Geschichte des Witzes interessiert. Wunderbar das Kapitel über den jüdischen Witz!
Eine Einschränkung habe ich persönlich allerdings: Das seitenlange Vorwort des unsäglichen Dr. von und zu Hirschhausen hätte man sich sparen können. Es ist so langweilig und dröge wie der ganze Mann selbst. Der hätte mal lieber Arzt bleiben sollen....(aber sein Gelaber mußte wohl mit rein, weil Karasek und Hirschhausen irgendwann ja auch eine gemeinsame Sendung zum Thema Witz im TV hatten, die ich allerdings nur einmal gesehen habe, denn, wie gesagt, ich kann diesen guten Herrn "Hirsch...." nicht ausstehen!).
So, mein Boden ist trocken, ich muß weiterwirbeln....Jetzt ist Bügeln angesagt....Noch ein schönes Wochenende!


Freitag, 3. Oktober 2014

Die letzte Welt....

Vielleicht fragt sich so mancher Leser hier, was eigentlich aus der Buchbesprechung von Ransmayrs Die letzte Welt geworden ist....
Also, irgendwie klappt das momentan mit dem Lesen nicht. Erst war Töchterlein da und wollte volle Aufmerksamkeit , dann kam der Verkaufsmarkt und jetzt bin ich schon wieder am Werkeln für den nächsten Markt, der in 3 Wochen stattfindet. Zudem stehen im Dezember zwei Weihnachtsmärkte an, die auch mit Ware "versorgt" sein wollen...(äh, ich versuche gerade, die nötige Weihnachtsstimmung aufzubringen!).
Wie ihr seht, volles Programm. Eine für mich persönlich immer ganz schreckliche Folge von all diesen Aktivitäten:  Ich habe kaum mehr Zeit und Muße zum Lesen!!!!
Dies gilt insbesondere für das oben genannte Buch, das - zumindest auf den ersten 50 Seiten - einfach zu gut und außergewöhnlich ist, als daß ich es nun so nebenbei "weglesen" möchte. Auch Ransmayrs Sprache ist eine Kategorie für sich....einfach zu schön!
Dieses Buch also braucht seine Zeit und einen hochaufmerksamen, nicht so sehr mit anderen Sachen beschäftigten Leser. Deshalb werde ich es erstmal wieder auf einen späteren Zeitpunkt verschieben.
Nun erwarte ich ungeduldigst eine sogenannte "Gebrauchtwarenlieferung" aus Deutschland, und da wird wohl das eine oder andere Büchlein dabei sein, das meiner momentanen geistigen Verfassung eher entgegenkommt...
In diesem Sinne: Die letzte Welt wird später aufgesucht werden...

Mittwoch, 1. Oktober 2014

The Meet Market Athens

Das Markt-Wochenende ist vorbei, wir sind tooooootal erschöpft, aber schön und interessant war's (trotz des anfänglichen Regens, aber wir waren Gott sei Dank in der Loggia untergebracht)...
Und so sah unser Stand auf dem Meet Market im wunderschön verwunschenen Garten des griechischen Archäologenverbandes aus:


Ziemlich "verwuschelt" sah der Stand am Ende aus, und beim Aufbauen rauften wir uns verzweifelt die Haare, wie all die Sachen auf den mickrigen 3 Quadratmetern, die uns zugeteilt waren, ihren Platz finden sollten... Irgendwie haben wir es dann noch geschafft, auch wenn wir leicht die doppelte Fläche hätten ausfüllen können. Aber sei's drum, das nächste Mal machen wir's besser, frau lernt ja nie aus!

Auf jeden Fall war es toll, daß viele Freunde kamen und wir viele neue Kunden gefunden haben....