Dienstag, 29. Juli 2014

Javier Marias

Wer erinnert sich nicht an Marias wunderbaren Roman Dein Herz so weiß !?
Die sterblich Verliebten nun ist 2011 erschienen, und endlich habe ich es gelesen....
Die Verlagsangestelle Maria beobachtet jeden Morgen in ihrem Madrider Lieblingscafe ein verheiratetes Pärchen, das dort ebenfalls tagtäglich frühstückt. Maria ist tief beeindruckt von der offensichtlichen Harmonie und zärtlichen Verbundenheit des Paares. Eines Tages jedoch wird der Mann auf offener Straße überfallen und getötet. Durch die darauffolgende Bekanntschaft mit der Witwe wird Maria in einen seltsamen Strudel von Liebesbeziehung, Verdächtigungen und aufkeimenden Ahnungen hineingezogen....
Wie schon in Dein Herz so weiß ist der Text angereichert mit wunderschönen philosophischen Betrachtungen über die Liebe, das Leben und den Tod. Die Geschichte ist so einfach und doch so mitreißend und auch spannend geschrieben, daß es einem nie langweilig wird beim Lesen. Oft will oder muß man die eine oder andere Textstelle nochmal lesen, zu interessant und tiefschürfend sind Marias Bemerkungen über uns und unser Dasein. Der Roman erreicht meiner Meinung nach nicht die so unfaßbare Tiefe und sprachliche Schönheit von Dein Herz so weiß, aber es bleibt dem Leser auch in diesem Buch nicht der geringste Zweifel, daß er sich wieder im Kosmos desselben Autors befindet..
Der Spanier Javier Marias ist mit Sicherheit einer der herausragendsten Autoren unserer Generation. Beim Lesen mußte ich unwillkürlich auch an seinen ebenso bekannten Landsmann Ruiz Zafon denken, auch wenn Javier für mich persönlich der weitaus interessantere Autor von beiden ist. Aber es ist schon sehr erfreulich, was da in den letzten Jahren in Spanien so an Literatur erscheint und weltweit gelesen wird...
Reich-Ranicki sagte einmal anläßlich von Dein Herz so weiß: "Begeistert bin ich von diesem Marias, ich glaube, das ist einer der größten im Augenblick lebenden Schriftsteller der Welt...Ich habe seit vielen Jahren kein Buch gelesen, das mich so tief getroffen hat."

Ja, ähnlich erging es mir damals auch....was mich darauf bringt, Dein Herz so weiß wieder mal zu lesen!

Sonntag, 27. Juli 2014

Gewürzliches....

Heute nur ein ganz kurzer Sonntagsgruß aus sonnigen Gefilden...
Da ich heute abend bei einer lieben Freundin eingeladen bin und ich weiß, daß sie kürzlich erst ihren riesigen Balkon bepflanzt bekommen hat (als Überraschung von ihrem lieben Mann), erschien mir ein "pflanzliches" Mitbringsel mehr als angebracht.
Und so kaufte ich ihr zwei Gewürztöpfchen, Orgegano und Minze...
Und weil ich weiß, daß in ihrer Küche vor allem die Farbe Pink vorherrscht, konnten auch die Übertöpfe nur in dieser Farbe sein...
Und weil ich nicht anders kann, verzierte ich die Töpfe noch mit zwei passenden "Gewürzzitaten"...


Und so entschwindet er.....

Wieder ein gebrauchtes Buch, das lange in meinem Regal stand...
Die letzten Tage (und Nächte) habe ich endlich den letzten Roman über den legendären Komissar Wallander gelesen. Und ich konnte das Buch kaum mehr aus den Händen legen.
Die meisten von euch werden es gelesen haben, ich hinke immer etwas hinter der Aktualität her, ich weiß. Trotzdem ist es ein Buch, das ich hier in meinem Blog kurz erwähnen will.
Kurt Wallander, inzwischen 60 Jahre alt, wird Großvater, hadert weiterhin mit dem Alleinsein und der Gewißheit, in wenigen Jahren "zum alten Eisen" zu gehören. Ein letztes Mal wird er involviert in einen Fall, der ihn auch aus persönlichen Gründen nicht mehr ruhen läßt: Die Schwiegereltern seiner Tochter verschwinden auf mysteriöse Weise....
Es beginnt für Wallander eine Reise in Schwedens jüngere Vergangenheit, in die Zeit des Kalten Krieges, in die Zeit der Spionage. Der Fall ist gut recherchiert, äußerst spannend und doch beschlich mich beim Lesen das Gefühl, daß Mankell hier vor allem selbst Abschied nimmt von einer seiner berühmtesten Romanfiguren....das ganze Buch ist eigentlich nur ein Epilog auf all die vorhergehenden Fälle des so menschlichen Wallander.
Und so entläßt er den Leser nach fast 600 Seiten mit einem wehmütigen Gefühl. Kurt Wallander ist - wie auch sein Erfinder - alt geworden, er entschwindet in die grausame Welt der Alzheimer Krankheit. Trotzdem wird er als fiktive Ermittlerfigur immer einen herausragenden Platz behalten innerhalb der - meist nicht so erinnerungswürdigen - Welt der europäischen Krimiliteratur.

Danach ist nichts mehr. Die Erzählung von Kurt Wallander geht unwiderruflich zu Ende. 
Die Jahre, die er noch zu leben hat, vielleicht zehn, vielleicht mehr, 
sind seine eigene Zeit...keines anderen Menschen Zeit.
(Henning Mankell, Der Feind im Schatten, Epilog)

Samstag, 26. Juli 2014

Wer bin ich schon....

Heute veröffentlichte der von mir sehr geschätzte Konstantin Wecker auf Facebook den folgenden Text:


Wer bin ich



Ich habe es sehr aufmerksam gelesen und wollte es hier auf meinem Blog mit euch teilen, weil es mir aus dem Herzen spricht. Tatsächlich frage ich mich oft, wo eigentlich die Wahrheit liegt. Wir werden überflutet mit Halbwahrheiten (siehe all die aktuellen Nachrichten über das Weltgeschehen), wir werden beeinflußt von Tatsachen, die in ihrer nachträglichen Interpretation mich dann jedoch hilflos zurücklassen; wir stellen so oft fest, daß das "Wahre" von heute morgen schon wieder schal erscheint....und inmitten dieser Welt versuchen wir, unseren Platz zu finden. 
Ich bin weit davon entfernt, der Perfektion nachzujagen, weiß ich doch, daß niemand und nichts auf der Welt perfekt ist. Auch ich habe schon lange allen Heilslehren abgeschworen, sind sie doch in sich selbst allzeit fraglich und allzu fragil. Und so gibt es nicht das "Richtige" und das "Falsche" in meinem Leben. Es gibt nicht den "Guten" und den "Bösen" unter meinen Mitmenschen. Und es ist auch ein Stück Ohnmacht, die ich täglich empfinde und die mich dann notgedrungenermaßen dazu auffordert, einen Menschen oder einen Sachverhalt von mehreren Seiten zu betrachten. Und so bewege ich mich in meinem Leben ständig in einer Art Grauzone, zwischen allen Stühlen, immer gewahr, daß es das absolut Richtige, Falsche, Wahre und Unwahre nicht geben kann, ja, nicht geben darf. 
Sollen wir denn Mensch bleiben wollen, müssen wir irren, suchen, hinterfragen, revidieren...und vor allem: uns selbst nicht zu ernst nehmen!
Und so interpretiere ich Weckers Text für mich: auf der Seite des Herzens gibt es keine Absolutheiten, nur gütiges Wohlwollen und vielseitiges Betrachten!

Donnerstag, 24. Juli 2014

Papier schlägt Bildschirm...

Und wieder die alte Leier, werdet ihr sagen: das gute altmodische Buch versus neumodischer E-reader!
Wenn ich bisher nur immer meine ganz persönliche, subjektive Abneigung gegen die E-readers hier verbreitet habe, kann ich nun meine Meinung ENDLICH auch wissenschaftlich unterstützen:
So steht es nun schwarz auf weiß im Wissenschaftsmagazin "Spektrum" zu lesen, daß das Gehirn das Lesen eines herkömmlichen Buches und das Lesen eines Buches auf einem Bildschirm, respektive E-reader, nicht gleichermaßen verarbeiten kann. Zusammengefaßt bedeutet das:
  1. Das Gehirn interpretiert Texte ähnlich wie Landschaften. Da ein aufgeschlagenes gedrucktes Buch eine klare Seitenaufteilung besitzt, können wir uns in ihm besser orientieren als in einem E-Book.
  2. Lesen wir Texte auf Papier, merken wir uns mehr Informationen als bei digitaler Lektüre.
  3. Zusätzlich strapazieren leuchtende Bildschirme und ständiges Scrollen unsere Aufmerksamkeit und unser Arbeitsgedächtnis.


     Den gesamten Artikel könnt ihr hier lesen. Sehr interessant....

     

Dienstag, 22. Juli 2014

Blind Date...

Wie schön, daß sich in Zeiten der e-books so manch Buchhändler noch etwas Originelles einfallen läßt, um seine Kunden "bei der Stange" zu halten. Ganz köstlich finde ich die folgenden Ideen aus Amerika:




Da werden Bücher ganz liebevoll verpackt, nur mit der allernotwendigsten Information zum Genre versehen und so zum Verkauf angeboten. Man läßt sich notgedrungenermaßen auf ein kleines Leseabenteuer ein - auf ein Blind Date with a Book!
Natürlich hat so eine Verkaufsaktion auch ihre Nachteile:
Ich kann mich weder vom Namen des Autors noch vom Klappentext inspirieren lassen, und im schlimmsten Fall muß ich zu Hause feststellen, daß ich das Buch schon habe....

Wie auch immer, eine nette Idee ist das allemal, und ich würde mich sicherlich - zumindest einmal - zu einem Kauf verführen lassen!

Sonntag, 20. Juli 2014

Einfach nur königlich...

Nicht mit der künstlerischen Verve und Inspiration der Photographen von vor 100 Jahren, sondern ganz profan mit meiner Digitalkamera bewaffnet, habe ich heute noch schnell meinen diesjährigen Basilikum auf dem Balkon abphotographiert, weil gerade so schön die Sonne draufschien....
Ist ein ganz schönes Photo geworden, nicht wahr!?


Und weil ich im letzten Post ja auch die heutigen Möglichkeiten der digitalen Bildbearbeitung angesprochen habe, konnte ich nicht umhin, das Photo einfach mal digital zu verfremden....


Nicht auszudenken, was Künstler wie Kertesz, Rodchenko, Cartier-Bresson o.a. mit ihren Photos angestellt hätten, wenn sie damals diese einfachen Möglichkeiten gehabt hätten!

Aber noch schnell ein paar Worte zum Motiv selbst:
Den ätherischen Ölen der Pflanze werden verdauungsfördernde, krampflösende und blähungsmindernde Wirkungen zugeschrieben, als Teeaufguß soll es nervenberuhigend wirken. Wie auch immer, ich bevorzuge mein jährliches Basilikum immer noch ganz klassisch als kräftiges Pesto mit Olivenöl, Parmesan und Pinienkernen oder pur in der Variante mit Tomaten und Mozzarella....einfach göttlich!
Wobei ich auch schon fast beim Namen wäre: der bedeutet einfach nur "königlich" nach dem griechischen Wort basileus - König. Und so heißt Basilikum auf deutsch auch Königskraut...

Seeing is not enough; you have to feel what you photograph. - Andre Kertesz

Mein sonntäglicher Gruß ins www kommt heute mal photographisch daher....
Auf FB wurde neulich ein Photo des ungarischen Künstlers Andre Kertesz gepostet, und das erinnerte mich an meine Abschlußarbeit meines Fernstudiums über Kunstgeschichte. Ich bin fasziniert von den Photographien vor allem der 20er und 30er Jahre. Es war die Zeit des Umbruchs in der Photographie, weg vom Piktorialismus des 19. Jahrhunderts hin zur künstlerischen Photographie, die in ihren umstürzenden Ideen der avantgardistischen bildenen Kunst in nichts nachstand: Rodchenko, Moholy-Nagy, Abbott, Cartier-Bresson, Kertesz und so viele mehr...
Da haben wir heute unsere Digitalkameras, die alles für uns von selbst erledigen. Mit einer einigermaßen guten Kamera kann fast jeder ein gutes Photo hinbekommen, nicht zu vergessen, die Möglichkeiten der Nachbearbeitung am Computer. Aber all dies hatten diese Leute Anfang des 20. Jahrhunderts nicht zur Verfügung. Sie standen in ihren Dunkelkammern, entwickelten, experimentierten mit Kameras, Bildträgern, Chemikalien und waren unermüdlich unterwegs auf der Suche nach dem ungewöhnlichen Blickwinkel, den interessantesten Lichtverhältnissen, dem "richtigen Moment"...eine der tollsten Epochen in der Geschichte der Photographie!



Freitag, 18. Juli 2014

Glaubst du wirklich, daß die Dinge, die geschehen sollen, im richtigen Moment von allein geschehen? - Michela Murgia

Und gleich schon wieder eine kurze Buchempfehlung....
jaja, ich bin die Tage mal wieder kräftig am Lesen, wie ihr seht! Ich brauche meine "kleinen Fluchten", um meine verqueren Gedanken aus dem Hamsterrad herauszubekommen, und was gibt es da Besseres als gute Lektüre!?
Die junge sardische Autorin Michela Murgia legt hier mit ihrem ersten Roman ein sehr schönes Buch vor. In einem kleinen Dorf im Sardinien der 50er Jahre wird die kleine Maria von der sogenannten Accabadora als "Tochter des Herzens" adoptiert und aufgezogen. Diese Art der inoffiziellen Adoption bot armen und kinderreichen Familien die Möglichkeit, das eine oder andere Kind in fremde Obhut zu geben, wobei das Kind aber nie den Kontakt zu seiner Familie verlor.
Maria wird also liebevoll von Tzia Bonaria großgezogen. Aber bald bemerkt sie, daß ein Geheimnis diese Frau umgibt. Erst nach Jahren wird Maria verstehen, was ihre Ziehmutter in so manchen Nächten aus dem Hause treibt, und diese Erkenntnis wird Maria für immer verändern...
Eine wunderschöne Geschichte über das Kindsein und das Aufwachsen in einem Italien zwischen archaischen Bräuchen und Moderne.

Donnerstag, 17. Juli 2014

Und dann kam Gillian, und wir waren zu dritt....Julian Barnes

Vor ein paar Tagen kam wieder meine lang ersehnte Lieferung gebrauchter Bücher....Obwohl ich mich unter den fünf Büchern kaum entscheiden konnte, las ich als erstes das Buch eines meiner sehr geschätzten Autoren, Julian Barnes.
Eine auf ersten Blick Dreiecksgeschichte nach dem Schema Jules et Jim, wenn Ihr Euch an Truffauts Film mit Oskar Werner und Jeanne Moreau noch erinnern könnt....
Auf den Film wird im Buch auch Bezug genommen. Aber Barnes erzählt natürlich seine so ganz eigene Version. Zuallererst nimmt einen die wirklich großartige Übersetzung gefangen. Wie wird da gespielt mit englisch-deutschen Idiomatismen! Wie wird da der englische Humor genial ins Deutsche übertragen!
Abgesehen davon aber, entwickelt der Autor eine originelle Geschichte zwischen dem etwas drögen Stuart, der kühlen Gilles und dem Schwerenöter Oliver, der seinem Jugendfreund Stuart dessen Frau Gilles ausspannt....Erzählt wird alternierend aus den Perspektiven der jeweiligen Protagonisten und so mancher "Nebendarsteller", die dem Ganzen etwas Objektivität hinzufügen.
Ich kann euch die Geschichte hier nicht "vorerzählen", aber gegen Ende wird es nochmal extrem spannend: Die sogenannte "Katharsis" ist eine andere als man sich vorstellen mag.
Barnes ist auch in diesem Buch wieder ein interessanter, überraschender, ungemein feinfühliger Erzähler, dem allzu Menschliches nie fremd ist. Zudem ist er ein gebildeter Autor, der seinem Leser auch in dieser Beziehung absolut nichts schenkt. Ich gebe zu, daß ich ein paar Mal das Lexikon "zücken" mußte, um einen fremdsprachlichen (oft auch altgriechischen) Ausdruck nachzulesen, um dem Ganzen folgen zu können - wobei es Barnes nicht darum geht, mit seinem Wissen zu kokettieren. Vielmehr geht es gerade um die ironische Aufbrechung dieser "abgehobenen" Sprache...ganz toll und witzig gemacht!
Am Ende bleibt eine absolute Bereicherung, in jeder Hinsicht.

Sonntag, 13. Juli 2014

Die Geschichte lehrt die Menschen, daß die Geschichte die Menschen nichts lehrt. - Mahatma Gandhi

Ein Sonntagsgruß mit etwas gemischten Gefühlen wird das diesmal...
Deutschland steht heute im Endspiel der Fußballweltmeisterschaft, und im Nahen Osten herrscht Chaos. So schön der sportliche Erfolg der deutschen Fußballer auch sein mag, all das verblaßt angesichts des Weltgeschehens. Da wurden vor einigen Spielen von den Mannschaften Aufrufe verlesen gegen Rassismus und Diskriminierung im Sport, zugegebenermaßen eine schöne Geste. Derweil aber dreht sich das politische Rad unbeirrt weiter, den Menschen im Gazastreifen fliegen die Raketen um die Ohren, es wird umsonst gehaßt, es wird umsonst gestorben....
Nun, Mancher wird sagen, was hat das Eine mit dem Anderen zu tun - für mich insofern, als wir wieder feststellen, daß die Menschheit nichts dazulernt. Geschichte wiederholt sich. Auch das eine traurige Tatsache.
Und weil meine kurzen sonntäglichen Ausflüge in die Kunst sich so langsam einbürgern, denke ich heute spontan nur an ein Bild, das zu meinen widersprüchlichen Gedanken paßt:

Pablo Picasso, Guernica
Ach ja, Picasso! Nicht all seine künstlerischen Phasen gefallen mir. Aber ich beneide ihn um seine lebenslange schöpferische Kraft. Ein langes Leben ward ihm beschert, und liest man das Buch seiner langjährigen Lebensgefährtin Francoise Gilot (Mein Leben mit Picasso), erscheint er menschlich nicht gerade sehr sympathisch. Aber er hat unermüdlich etwas Neues geschaffen, er ruhte sich nicht auf seinen Erfolgen aus, er war ein ewig Suchender bis ins hohe Alter. Wieviele künstlerischen Strömungen des 20. Jahrhunderts hat er mitgestaltet und primär beeinflußt- diese schöpferische Ruhelosigkeit eines Menschen bewundere ich unendlich!
Picasso malte das Riesengemälde (3.50 x 7,70m) im Jahre 1937 als Antwort auf die Bombardierung der baskischen Stadt Guernica durch deutsche Flieger während des spanischen Bürgerkriegs. Schaut man genauer hin, beeindruckt die Darstellung menschlichen (und tierischen) Leids. Das Bild zeigt 4 Frauen: eine fällt von einem brennenden Haus, zwei weitere fliehen in Panik, die vierte hält schreiend ihr totes Kind im Arm. Am Boden im Vordergrund liegt ein zerstückelter Soldat, während sein Pferd sich im Todeskampf windet...
Wieder muß man bedenken, daß die Größe des Gemäldes das Grauen noch intensiviert. Auch die wohl ganz bewußte Farblosigkeit intensiviert die Tristesse des Themas, wie mir scheint. Die kunsthistorischen Interpretationen von "Guernica" sind vielfältig und widersprüchlich, aber Kunst soll primär unsere Emotionen und erst sekundär den Intellekt ansprechen, deshalb mag jeder Betrachter seine eigenen Empfindungen haben. Unbestreitbar jedoch steht "Guernica" exemplarisch für die Greuel eines jeden Krieges.
Es ist überliefert, daß während des 2. Weltkriegs ein Nazi-Offizier in Picassos Pariser Atelier ein Photo des Gemäldes sah und Picasso fragte: "Haben Sie das gemacht?" - "Nein, Sie!" - war des Künstlers lakonische Antwort...




Montag, 7. Juli 2014

(Fast) sprachlos....

Noch ein kleiner Nachtrag heute, den ich mir zu später Stunde doch nicht verkneifen kann...
Gerade eben las ich in einem englischsprachigen Blog folgende weltbewegende Idee:
Unter dem Titel "Smart idea that will eliminate the colourful mish-mash on your bookshelf" empfiehlt dort die Verfasserin allen Ernstes die neueste Art, seine Bücher so aufzubewahren, daß sie auch "visuellen Typen" kein optischer Dorn mehr im Auge sind:




http://www.79ideas.org/2014/07/smart-idea-that-will-eliminate-colorful.html


Ja, ihr seht richtig: Man drehe einfach die Bücher so um, daß die so "unruhigen" und störenden Buchrücken an der Wand stehen.....Heureka!
Gefunden hat sie diese Idee in einem schwedischen Blog und fand das so toll, daß sie es gleich auf ihrem Blog weiterempfehlen mußte. Nachdem ausführlichst dargestellt wird, wie sehr diese Art der Bücheraufbewahrung doch das Auge beruhige, wie sehr so ein Bücherregal einen nicht mehr "ablenke", gesteht die Autorin immerhin in einem Nebensatz, daß das Ganze einen klitzekleinen Nachteil habe: Man sieht die Buchtitel nicht mehr!
Wehe dem, der in seinem Regal mal ein bestimmtes Buch finden will!

Also, das Ganze ist kein Gag, Mein erster Gedanke beim Lesen war, vielleicht sollte man der begeisterten Verfasserin noch die Variante vorschlagen, die Bücher gleich vollständig zu entsorgen. Mein zweiter Gedanke war, die Dummheit der Menschen ist manchmal grenzenlos!

P.S. Beruhigt haben mich dann wieder die Kommentare zu diesem Beitrag. .Ihr könnt Euch sicher vorstellen, was da geschrieben wurde...Gott sei Dank! Die Autorin ist übrigens  Historikerin, Photographin und Graphic Designer...autsch!

Sonntag, 6. Juli 2014

Sonntagsspaziergang gefällig?

Wie verbringen wir eigentlich unsere Sonntage?
 So Mancher schläft erstmal gemütlich aus oder macht sich auf in den sonntäglichen Gottesdienst. Andere wiederum gehen hinaus in die Natur, treiben Sport oder gehen vielleicht einfach nur spazieren. Und dann gibt es nicht Wenige, die, gutes Wetter hin oder her, einfach nur die Ruhe genießen wollen und es sich (vielleicht mit einer guten Lektüre) zu Hause gemütlich machen...
Irgendwie haben wir doch alle, je nach Interessen und Vorlieben, unsere Rituale entwickelt.  Beim Nachdenken über unsere sonntägliche Freizeitgestaltung fiel mir dann auch das wunderbare Bild des französischen Malers George Seurat ein, das ihr sicher alle schon mal gesehen habt:

George Seurat, Ein Sonntagnachmittag auf der Insel La Grand Jatte




Entstanden zwischen 1884 und 1886,  mißt das Bild immerhin ca. 2x3 m, ist also bestimmt sehr imposant, wenn man davorsteht. (Leider befindet sich das Bild in Chigaco, für mich also viel zu weit weg, um es je in natura betrachten zu können). Die Größe eines Bildes ist  immer eine erste wichtige Information, denn dadurch können wir eine Vorstellung vom Eindruck bekommen, den ein Bild auf den Betrachter hat. In den stilisierten, silhouettehaften, statisch wirkenden Figuren Seurats erkennt man schon die kühnen Überlegungen über den "angesagten" Impressionismus jener Jahre hinaus:
 Die ungemischten, reinen Farben sind in klitzekleinen Punkten aufgetragen (Pointillismus) und entfalten erst aus einer gewissen Distanz homogene Farbflächen in den Augen des Betrachters. Seurat war ein Vorreiter und Meister dieser rasterhaften Maltechnik. Es ging ihm nicht mehr um die realistische, impressionistische Momentdarstellung, sondern um eine streng durchkomponierte Darstellung, wie man bei dieser typischen Sonntags-Szenerie am Ufer der Seine beobachten kann.
1885 zeigte Seurat sein Bild auf der letzten Ausstellung der Impressionisten, und das Publikum war denn auch angesichts dieser neuen Maltechnik und Komposition ziemlich irritiert:
Beim ersten Anblick erschraken die Betrachter. Alles war neu an diesem riesigen Bild: 
die kühne Konzeption und die Technik, von der bisher niemand eine Vorstellung hatte. 
Das also war der berühmte Pointillismus.
( Pierre Courthion: Georges Seurat. DuMont. Köln 1991)

Mit diesem "Sonntagsbild" wünsche ich Euch einen schönen Sonntag- wie und wo immer Ihr diesen Tag auch verbringen möget!

Mittwoch, 2. Juli 2014

Die Nacht gebiert Fratzen, ihre Fragen sind von eisiger Logik - Michael Kleeberg

Heute möchte ich Euch mal wieder ein Buch vorstellen, das mich vom ersten Moment an gefesselt hat: Barfuß - Eine Novelle von Michael Kleeberg, erschienen 1995.
Arthur K. ist Mitinhaber einer Pariser Werbeagentur und dort tätig als Werbetexter, mit dem Traum, eines Tages doch noch Schriftsteller werden zu können. Er findet eines Morgens auf seinem Computer die Anzeige eines sadomasochistischen Erotik-Services. Nach anfänglichem Zögern loggt er sich dort ein, es kommt tatsächlich zu einer Verabredung mit einem geheimnisvollen Mann. Die erotische Erfahrung, die er bei diesem Treffen macht, wird sein Leben von Grund auf in Frage stellen...
Sehr viel mehr war auch dem Klappentext nicht zu entnehmen, und zuerst fand ich das gar nicht so spannend. Mehr interessierte mich die angekündigte literarische Gattung Novelle, die in der zeitgenössischen deutschen Literatur nicht mehr allzu häufig anzutreffen ist.
Als Prosagattung ist die Novelle (ital. novella - Neuigkeit) zunächst schwer von einer längeren Kurzgeschichte zu unterscheiden. Als gattungstypisches Vorbild wird natürlich Boccaccios Novellensammlung "Decamerone" angesehen. In der deutschen Literatur war die Novelle vor allem im 19. Jahrhundert sehr populär. Viele von uns werden dabei an die klassische Schullektüre denken: Ebner-Eschenbachs "Judenbuche", Kellers "Romeo und Julia auf dem Dorfe", Mörikes "Mozart auf der Reise nach Prag" u.a.. Theodor Storm schrieb, daß die Novelle zwei zentrale Eigenschaften habe: die Behandlung der tiefsten Probleme des Menschenlebens und ein im Mittelpunkt stehender Konflikt, von welchem aus das Ganze sich organisiert (Sämtliche Werke. Hrsg. A. Köster, Leipzig 1924, VIII, S. 122).
Wie es der mäßigen Länge eines solchen Textes entspricht, handelt es sich immer um verdichtete Erzählungen. Meist befindet man sich sofort mitten im Geschehen mit nur wenigen Protagonisten. 
Alles kreist um und geht aus von der "Neuigkeit" oder "unerhörten Begebenheit", wie Goethe es nannte. Der komprimierte Text verlangt vom Autor denn auch eine aufs Wesentliche reduzierte Erzählweise. Der Autor hat keinen Platz zur überschwenglichen Ausformulierung oder wortreichen Hintergrundschilderung. Vielmehr muß er Handlungen und Motivationen seiner Protagonisten sprachlich pointiert ausdrücken. So ist es auch diesem Text von Kleeberg anzumerken, wie sehr da an der Genauigkeit der Sprache gefeilt wurde, einfach ausgedrückt würde man sagen, da ist kein Wort zuviel oder zuwenig. Der Erzählrythmus steigert sich auf den letzten Seiten erheblich, und so fiebert man dem Ende bzw. der Auflösung entgegen...
Herausgekommen ist ein "Text voller Schönheit und Radikalität"(Klappentext). Für mich selbst lebt das Buch nicht zuletzt auch inhaltlich gerade von dieser Spannung zwischen seiner "modernen" Begebenheit und der heute fast "unmodern" anmutenden Erzählform.
Ein kleiner sprachlicher Genuß dieses Buch, das ich vorbehaltlos weiterempfehlen möchte.
Sein Leben lang, schien ihm nun, hatten ihm Worte für Dinge gestanden, 
eine Reihe abstrakter Zeichen über sein Verhalten geherrscht. 
Was immer er tat oder ihm zustieß, kam aus Worten und 
endete in Worten, Angst, Lust, Trauer, Leidenschaft.


Dienstag, 1. Juli 2014

Versonnen bei "Alles für die Katz...."

Ein kleiner poetischer Gruß an unsere geliebten Katzen, von niemand anderem als vom großen Charles Baudelaire....

Versonnen
 

Versonnen nehmen sie die
edlen Haltungen
der großen Sphinxe ein,
die ausgestreckt
in tiefen Einsamkeiten ruhen
und zu entschlummern
scheinen
in endlosem Traum


"Glückskätzchen" und Minnie: Nichts geht über Geschwisterliebe!

Unsere Minnie-Maus, die Hübscheste der kleinen Strolche....(aber sie weiß es auch!)
Und dieses kleine, allerliebste Wesen gehört natürlich auch noch dazu!