Donnerstag, 29. Mai 2014

Können Sie die Sprachkultur pflegen?

Neulich....schrieb ich nach langer Zeit mal wieder einen Brief per Hand an eine hochbetagte Freundin meiner verstorbenen Mutter. Irgendwie erschien es mir unpassend, dieser alten Dame auf dem Computer geschriebene Zeilen zu schicken. Also saß ich eine ganze Weile und mühte mich mit meiner Handschrift ab, damit das Ganze auch gut lesbar ist. Danach ging mir durch den Kopf, wie sehr ich eigentlich diese Kommunikationsart vermisse - und die damit verbundene geruhsame Beschäftigung mit unserer Sprache.
Da sind wir nun stundenlang im Internet, lesen, schreiben, kommentieren...und meist geben wir uns dabei keine besondere Mühe mehr mit unserer Sprache. Die neuen Kommunikationsmedien wie email, twitter oder facebook sind auf Schnelligkeit und Vergänglichkeit angelegt, also was soll da noch die Beschäftigung mit der Frage, ob ich richtig oder falsch schreibe?
Was lese ich nicht so an sprachlichen und orthographischen Fehlern in emails, Blogs oder Kommentaren/Texten auf facebook. Meist gehe ich wohlwollend davon aus, daß der Schreiber einfach nur so gehetzt ist, um den modernen Geboten der Zeitersparnis und Schnelligkeit im Gedanken- und Meinungsaustausch "gerecht" zu werden. Und ich nehme mich selbst davon nicht aus! Aber sollten wir nicht, bevor wir unsere Meinung kundtun, erstmal unserer Sprache gerecht werden? Wozu lesen wir denn all die Bücher - vor allem wir hier im Club der Bücherwürmer? Beurteilen wir denn nur noch den Inhalt und vergessen dabei die unermeßliche Kraft des inspirierenden Wortes? Wie oft streiche ich mir beim Lesen ein Wort oder einen Ausdruck an, nur, weil er mir gefällt! Literatur wäre undenkbar ohne den richtigen und kreativen Sprachgebrauch....
Ein paar literaturferne Textbeispiele in meinem privaten Umfeld haben mir in den letzten Wochen wieder beispielhaft gezeigt, wie sehr ein schlecht geschriebener und orthographisch fehlerbehafteter Text von einem interessanten Inhalt ablenken kann und natürlich auch vice versa: Wie schade dann, wenn ein guter Gedanke im schlecht geschriebenen Satz "auf der Strecke" bleibt, und wie interessant, wenn eine unter Umständen zweifelhafte Feststellung einfach nur kraft ihrer sprachlichen Korrektheit und guten Wortwahl den Leser beeindruckt. Ich möchte deshalb an uns alle appellieren, die wir bloggen, mailen, kommentieren und schreiben, uns nicht nur auf unsere Inhalte zu konzentrieren, sondern vorrangig unserer Sprache den angemessenen Raum zu geben. Schulden wir nicht zuletzt auch jedem unserer Leser den nötigen Respekt? Laßt uns nie davon ausgehen, der Leser erkenne unsere Fehler nicht! Wir sollten immer unser Bestes geben...
Und da man sprachlich niemals auslernt, freut mich  ein wöchentlicher Post auf facebook ganz besonders:
Unter dem Titel "Können Sie die Sprachkultur pflegen?" postet "Die Zeit" seit einigen Wochen Korrekturbeispiele aus ihrer Redaktion. Dabei werden dem Leser jede Woche Texte aus der "Zeit" präsentiert. Die Sprachliebhaber sind dann aufgerufen, den versteckten Fehler im besagten Text zu finden. Dabei kann es sich um Sinnfehler, orthographische oder Grammatikfehler handeln. Im Anhang gibt es die Auflösung und den Kommentar des hauseigenen "Sprachpapstes" Oliver Voß. Für mich ist das jedesmal ein höchst vergnüglicher Zeitvertreib.Von den vier bisher veröffentlichten "Sprachrätseln" habe ich immerhin drei richtig lösen können, beim letzten Beitrag mußte ich mir allerdings nachträglich an den Kopf fassen, hatte ich einen dicken Grammatikfehler partout nicht erkannt......Asche auf mein Haupt!

Wie ist jede - aber auch jede - Sprache schön, wenn in ihr nicht nur geschwätzt, sondern gesagt wird! - Christian Morgenstern
          In alten Zeiten gingen die Leute nicht so leichtfertig mit der Sprache um, 
         denn sie hatten Skrupel, daß sie hinter ihren eigenen Worten zurückbleiben könnten.
         Confuzius

          Man kann sagen: Ich richte hin, ich werde hingerichtet, aber nicht:
          ich bin hingerichtet worden. - Danton

         Die Sprache ist die Form, die Gestalt, das Gewand des Geistes. - Dostojewskij




Sonntag, 25. Mai 2014

Die Blumen können uns nicht ernähren, aber sie machen die Freude des Lebens aus. - Andre Gide

Heute mal wieder ein kleiner Sonntagsgruß an meine treue Mitbloggerin Papyrus von alles-nicht-so-wichtig.blogspot.com
Der Mai verabschiedet sich mit strahlendem Wetter, auch wenn es für die Jahreszeit ein wenig zu warm ist. Gestern war ich den ganzen Vormittag im Athener Zentrum unterwegs und habe mächtig geschwitzt....und ich mag die Hitze überhaupt nicht! Ihr werdet jetzt sagen, ich lebe im falschen Land - stimmt, was das Klima anbelangt. Eigentlich liebe ich hier nur Herbst und Frühling. Die Winter sind mir zu mild und auch zu feucht. Als "Alpenlieserl", wie mich eine Freundin hier nennt, vermisse ich doch ab und zu diese perfekten, sonnengefluteten Wintertage mit beißender Kälte und gleißendem Schnee...
Die griechischen Sommer wiederum sind mir viel zu heiß. Mein Mann erzählt immer, daß es in seiner Kindheit hier nie so extrem heiß war. Der Klimawandel ist also auch in Griechenland zu erfühlen, und das zunehmende Alter fördert zudem meine Hitzeempfindlichkeit!
Aber darüber wollte ich gar nicht schreiben heute. Vielmehr widme ich euch nochmal ein Sonntagsphoto aus meinem kleinen Vorgarten:


Okay, werdet ihr nun sagen....so what? Eine Bougainvillea mit ein paar vereinzelten Blüten....
Stimmt, aber diese Bougainvillea hat ihre eigene Geschichte:
Griechenland ist voll von diesen wunderschönen Kletterpflanzen, überall winden und ranken sie sich, mühen sich an Hauswänden empor und entfalten ihre farbintensive Blütenpracht und Magie - sogar in Athen. Als wir hier einzogen, standen wir vor einem ziemlich vernachlässigten Vorgarten und einer kahlen, weißen Mauer....Mein erster Gedanke war, hier werde ich eine Bougainvillea pflanzen!
Da meine allerliebste Freundin Paparunitsa von meiner Liebe zu diesem Gesträuch weiß, schenkte sie mir zur Einweihung denn auch eine Bougainvillea. Wir pflanzten den "Frischling" ein und freuten uns auf die kommende Blütenpracht...Nur, daß die letzten 3 Jahre fast keine einzige Blüte zu sehen war! Unsere Bougainvillea wuchs und wuchs, aber im besten Falle entdeckten wir im Spätherbst zwei oder drei traurige Blüten. Wir fragten Blumenhändler, Gärtner, lasen im Internet nach, aber es blieb ein Rätsel...!
Just gestern nachmittag, als ich meine Veranda putzte, sah ich auf einmal ein paar frische Blüten an meiner Bougainvillea, und das im Frühsommer! Soll dies etwa ein Zeichen sein, daß die Zeit der "floralen" Dürre endlich vorbei ist !?
Und weil ich manchmal ja gern etwas recherchiere, fragte ich mich gerade beim Schreiben, wie eigentlich die offizielle Schreibweise für diesen Strauch lautet:  
Bou|gain|vil|lea
[bugɛ̃vı̣lea] f.; , le|en; Bot.
als Topfpflanze kultivierter, in den Tropen u. im südl. Mittelmeergebiet
 heim. Kletterstrauch mit rosavioletten Blütenständen
[nach L. A. Bougainville, frz. Seefahrer, 17291811]

Nun, ich hab's zufällig richtig geschrieben, aber wer war nun eigentlich dieser Monsieur Bougainville? Also schnell weiterrecherchiert:
Louis Antoine Bougainville war ein Zeitgenosse von James Cook und unternahm vielfältige Expeditionen. Die Pflanze wurde auf einer seiner Reisen in Brasilien entdeckt - von wem?
Ihr werdet's jetzt nicht glauben: Vom uns schon bekannten Monsieur Commerson!  Erinnert Ihr Euch? Ja genau, der mit der schönen Hortense! Er hat die Pflanze nach Monsieur Bougainville benannt, da er offensichtlich auf dessen Schiff nach Brasilien gekommen war...
Und hiermit schließt sich für mich dieser "botanische" Kreis gänzlich überraschend:
Bougainvillea und Hortensie, meine Lieblingsblumen, entdeckt von ein und demselben Forscher!




Donnerstag, 22. Mai 2014

Work, work, work....

Mein letzter Post ist schon einige Tage her, und ich stelle fest, daß dies so gar nicht "meine Art" ist.
Aber irgendwie gingen die letzten Tage wie im Fluge vorbei. In der Werkstatt war - Gott oder wem auch immer sei's  gedankt - immer was los: einige Aufträge, Privatkunden, die auch noch spät abends vorbeikamen und geduldig-kompetent beraten sein wollten, meine beste Mitarbeiterin/Freundin, die sich einer ekligen Erkältung beugen mußte, meine allerliebsten Katzenbabies, die "bespielt"/bewundert werden mußten und und und....Deshalb war dann wirklich keine Zeit mehr zum Bloggen!
Zudem konnte ich mich die letzten Abende so gar nicht richtig aufs Lesen einstellen. Ich fing einige Bücher meines SUB zwar an, aber legte sie wieder zurück. Nicht, weil sie nicht gut waren, aber weil ich zu nervös/erschöpft war, um mich mit ganzem Herzen auf sie einzulassen - und ich gebe beschämt zu: Es waren zwei sehr verheißungsvolle Büchlein dabei! 
Jetzt habe ich mich seit gestern wieder auf meinen Feind/Freund Saul Bellow eingeschossen - mal sehen, was diesmal daraus wird....(Wie ihr seht, ich bin manchmal sehr stur, wenn ich weiß, es liegt nicht am Autor, sondern ausschließlich an mir)! Aber darüber ein anderes Mal, Ihr Lieben!
In diesem Sinne widme ich bis zu meinem nächsten Post den wahlverwandten Bücherwürmern dieses Bild:


Donnerstag, 15. Mai 2014

Vorurteile....

Am vergangenen Wochende fand ja wieder mal der - unsägliche - Grand Prix d'Eurovision statt.
Eigentlich habe ich das Ganze nur so nebenbei mitbekommen, aber interessant fand ich dann doch, als ich las, wer gewonnen hat....
Conchita Wurst - eine österreichische Dragqueen, die ihre Kunstfigur noch dadurch aufbricht, indem sie/er in Frauenkleidern, aber mit Vollbart auftritt....Das Erstaunlichste an diesem "Sieg" sind jedoch die Berichterstattung und Wertung durch die Medien, die ich daraufhin auf Facebook verfolgen konnte: Von einem ja soooo vorurteilsfreien Europa war dort auf einmal die Rede, und von einem ganz gegensätzlich konservativem Ostblock. Man konnte sich ob unserer anscheinend so fortschrittlichen Vorurteilslosigkeit endlich mal wieder selbst auf die Schulter klopfen...
Diverse Posts in Facebook haben mich dann doch ein wenig nachdenklicher gemacht.....
Wie sieht es denn eigentlich aus mit meinen eigenen Vorurteilen?
Ich glaube, daß ich im Wesentlichen ein sehr vorurteilsfreier Mensch bin, vielleicht auch, weil ich im Ausland lebe und jeden Tag mit einer anderen - dh. nicht-deutschen - Mentalität konfrontiert bin. Ein Lebensmotto hatte ich jedoch schon sehr früh: "Leben und leben lassen". Natürlich bin auch ich nicht 100%ig vorurteilsfrei, aber ich versuche zumindest, mir nicht anzumaßen, die Lebensweise oder persönlichen Präferenzen eines Anderen grundsätzlich in Frage zu stellen. Es mag mir nicht immer gelingen, so im alltäglichen Einerlei: Der eine oder andere bissig-bayerische Kommentar entfährt mir dann schon ab und an....Ich bin mir aber immer darüber im Klaren, daß wir uns niemals gänzlich in die Lage und kulturellen Hintergrund eines jeden Mitmenschen hineinversetzen können und deshalb auch keinerlei Recht haben, über eines Anderen Lebensauffassung und -weise zu richten....
In diesem Zusammenhang erinnerte ich mich an ein interessantes Buch, in dem ich in diesen Tagen dann wieder mal geblättert habe...
Ustinov führt seine eigene Vorurteilslosigkeit auf seine internationale Abstammung zurück, die er über mehrere Jahrhunderte zurückverfolgt hat und mit viel Humor in dem Buch "aufarbeitet". Aber er raisonniert auch über diverse historische und aktuelle Vorurteile, die sich hartnäckig halten, obwohl die Tatsachen das Gegenteil beweisen. Die Themenvielfalt ist bestechend. Da stehen dann so kluge Sätze wie:

 Vorurteile sind vernagelte Türen zu Zimmern, in die kein frisches Lüftchen dringt und in denen vermutlich alles mit Spinnweben überzogen ist.

Das Vorurteil ist ein Schurke, womöglich der größte Schurke in der Geschichte von uns Menschen.

Die Religionen sind Produzenten von Vorurteilen, weil sie auf Dogmen beruhen, weil sie geschlossenen Systeme sind.

Die Halbwahrheit, das ist der Tümpel, in dem das Vorurteil schwimmt.

Neugierig auf mehr? Besorgt euch dieses Büchlein, in dem man ganz entspannt mal hier und mal da aufschlagen kann. Egal, über welches Vorurteil er da schreibt, immer wird man überrascht von Ustinovs intelligenten, humorvollen und oft auch bissigen Kommentaren und Analysen.
In diesem Sinne: wir müssen uns selbst an die Nase fassen und jeden Tag versuchen, uns von den uns implantierten Vorurteilen zu befreien!



Sonntag, 11. Mai 2014

Ein Sonntagsgruß am Muttertag und der 200. Blogbeitrag....

Mein heutiger Sonntagsgruß fällt zusammen mit dem Muttertag. Da ich diesen "Feiertag" reichlich uninteressant finde (soll sich mein Kind nur an diesem Tag "besonders" an mich erinnern?), wollte ich mal genauer wissen, woher dieser inoffizielle "Feiertag" eigentlich kommt...
Und - surprise: Die Idee dazu hatte 1907 eine Amerikanerin namens Anna Jarvis. Nach jahrelangen Bemühungen ihrerseits erklärte der US-Kongress dann 1914 den zweiten Sonntag im Mai tatsächlich offiziell zum Mother's Day. Der Tag hat also nichts zu tun mit alten heidnisch/religiös begründeten Bräuchen zur Verherrlichung der Mutterschaft, wie ich eigentlich immer dachte.
In Deutschland wurde der Tag 1922 kurioserweise vom Verband deutscher Blumengeschäftsinhaber durch Schaufensterplakate mit dem Aufdruck "Ehret die Mutter" zum ersten Mal propagiert (Nachtigall, ich hör dir trapsen...). Während des Dritten Reiches wurde dieser Tag - wie nicht anders zu erwarten - zur Verherrlichung der "Deutschen Mutter" mißbraucht: besonders kinderreiche Mütter wurden gar zu Heldinnen der Erhaltung der arischen Rasse stilisiert (würg...).
Obwohl der Muttertag ein nicht gesetzlicher Feiertag ist, haben die Blumenhändler jedoch auch heute noch eine Sonderstellung: ihre Läden dürfen an diesem Sonntag durchgehend geöffnet bleiben.
Tja, und so bleibt bei mir weiterhin das Gefühl, daß es doch auch "ums Geschäft" geht bei dieser Geschichte....

Mein heutiger Sonntagsgruß fällt aber auch noch mit einem ganz persönlichen "Feiertag" zusammen: dies ist sage und schreibe mein
200. Blogbeitrag!
Zum ersten Mal Bilanz gezogen habe ich ja beim 100. Beitrag am 27. September letzten Jahres. Inzwischen sind es ein paar Mitleser mehr geworden, und auch die Klicks haben sich in den letzten Monaten ziemlich gesteigert. Auch habe ich den einen oder anderen lieben, neuen "Bloggerkollegen" gefunden, worüber ich mich am meisten freue!
Nach wie vor bin ich mir aber darüber im Klaren, daß ich hier einen "Nischenblog" betreibe, wie Bloggerkollegin Papyrus mir vor einiger Zeit so schön schrieb. Aber auch das ist ok, oder nicht!? Eigentlich paßt das auch viel besser zu mir als ein gängiger "Mainstream-Blog"....

Weil ich über all diesen Themen den Sonntagsgruß an Papyrus aber nicht vergessen darf: hier nicht etwa ein Bild von irgendwelchen "Muttertags-Blumen", sondern von meinen absoluten Lieblings-Balkon-Blumen:


In Kürze werden die leeren Blumentöpfe auf der Terrasse wieder neu damit befüllt!
Beim Suchen nach einem schönen Bild, kam mir dann noch folgende lustige Information unter:

Hor|tẹn|sie 〈 [-sjə] f.; Gen.: -, Pl.: -n; Bot.〉 einer Gattung der Steinbrechgewächse 
angehörender Strauch mit kugeligen Blütenständen in vielen Farben: 
Hortensie hortensia [Etym.: vom frz. Botaniker Ph. Commerson 
benannt nach Hortense, der Frau des Uhrmachers Le Paute 
(beide begleiteten Commerson, als er die Pflanze entdeckte)]

Nun, jetzt wissen wir, woher der Name der Blume kommt:  Die Frau des Uhrmachers war's also - die schöne Hortense muß den guten Monsieur Commerson ganz schön beeindruckt haben!




Samstag, 10. Mai 2014

Still growing....

No books today!
Just a short "update" what is going on here:

Our kitties are so adorable! And they begin to show their characters....


Donnerstag, 8. Mai 2014

Der Mensch ist das Maß der Geschichte, ihr einziges Maß. Mehr noch, ihr Existenzgrund. - Lucien Febvre

Vor einigen Wochen starb der herausragende Historiker und Mediävist Jacques LeGoff. Als ich die Meldung las, fiel mir wieder ein, daß seine Schriften während meines Studiums sehr populär und auch zwingend gewesen waren.
Also wühlte ich im Bücherregal und fand auch noch "Der Mensch des Mittelalters" aus dem Jahre 1987, eine Sammlung von 10 Aufsätzen führender Mediävisten mit einem langen Vorwort des Herausgebers LeGoff.
Das Buch liegt seitdem auf meinem Nachttischchen und wann immer ich Lust habe, lese ich darin z.B. über die Außenseiter der mittelalterlichen Gesellschaft, die Künstler und Intellektuellen oder die Frauen und die Familie....
Alles sehr interessante Aufsätze, man erfährt viel und revidiert so manche Vorstellung, die man fälschlicherweise vom "dunklen" Mittelalter hatte.


Dienstag, 6. Mai 2014

Um mich herum wurde von vielen geflüstert, gemurmelt und wiederholt: "Die Krematorien!"


Dieses Buch aus meinem "Stapel ungelesener Bücher" bekommt seinen verdienten Platz in meinen Bücherregalen....
Imre Kertesz, der ungarische Nobelpreisträger, legte hier im Jahre 1975 seinen Erstlingsroman vor, der mit den nachfolgenden Romanen Fiasko, Kaddisch für ein ungeborenes Kind und Liquidation die "Tetralogie der Schicksalslosigkeit" bildet.
Es beginnt damit, daß der Vater des jungen Budapester Juden Györgi "zum Arbeitsdienst" abgeholt wird. Der Abschied vom Vater fällt dem 15-jährigen zwar schwer, aber dennoch kann er noch nicht im geringsten abschätzen, was "Arbeitsdienst" in jenen Jahren für Juden bedeutete. Er wird selbst kurz darauf auf dem Weg zur Zwangsarbeit in einer Ziegelei verhaftet: und damit beginnt die eigentliche Geschichte, sein Weg nach Ausschwitz und Buchenau. Man muß darauf hinweisen, daß Kertesz selbst als Jugendlicher ein Jahr in Auschwitz und Buchenau verbracht hat, auch wenn er immer wieder betonte, sein Roman sei keine Autobiographie - zumindest wird dem Leser klar, daß dieser Mann weiß, worüber er schreibt!

Die durchgängige Beschreibung der Ereignisse durch die Augen des jungen Györgi, mit all ihrer Naivität, dem altersgerechten Urvertrauen in Ordnung und Menschlichkeit, dem nicht Wahrhabenkönnen und nicht Verstehenkönnen des unmenschlichen Chaos um ihn herum macht das Buch so interessant. Da berichtet ein lebenshungriger Jugendlicher, dem bisher in seinem Leben nur Gutes widerfahren war! So handelt die Geschichte eigentlich in ihrer minutiösen Beschreibung des Alltags im Lager von der schleichenden Bewußtwerdung des Grauens, dem Györgi plötzlich ausgesetzt ist... Nach seiner Rückkehr nach Budapest bleibt dem Überlebenden nur das Fazit:

..."es gibt keine Absurdität, die man nicht ganz natürlich leben würde,
 und auf meinem Weg, das weiß ich schon jetzt, lauert wie eine 
unvermeidliche Falle das Glück auf mich. Denn sogar dort, 
bei den Schornsteinen, gab es in der Pause zwischen den Qualen etwas,
das dem Glück ähnlich war".

Ein eindringliches und in seiner erstaunlich wertfreien Erzählweise total erschütterndes Buch!
Die Begründung für den Literaturnobelpreis 2002 für Kertesz lautete, daß er den Preis erhalte für ein Werk, "das die zerbrechliche Erfahrung des Einzelnen gegenüber der barbarischen Willkür der Geschichte behauptet". 



Montag, 5. Mai 2014

Where are my glasses ?

Are you reading in bed? Well, I am!
Do you know then the every evening search for your reading glasses? Well, I do!

I store my glasses in the drawer of my bedside table, but, honestly, there is a chaos inside...
Therefore I gave it some thoughts for quite a while now. I urgently needed a storage solution for my special "bed-reading" glasses!
Yesterday evening I thought about this small board made of thick cardboard, which will find its place beside my bed. Then, hopefully, the search for my glasses will have an end!
***


Seid Ihr Bettleser? Also, ich schon!
Kennt Ihr dann auch die allabendliche Wühlerei nach der Lesebrille? Also, ich schon!
Ich lege meine Lesebrillen bisher immer in meiner Nachtischschublade ab, aber, um ehrlich zu sein, dort herrscht das Chaos...
Ich habe schon länger darüber nachgedacht, wie ich schön und praktisch meine speziellen "Bettbrillen" neben dem Bett aufbewahren könnte. Gestern abend dachte ich mir das folgende kleine Brett aus dicker Pappe aus, das ich nun neben mein Bett hängen werde. Dann wird die Wühlerei hoffentlich ein Ende finden!

Tada...my "hanging glasses".....

And this one for my e-shop!





Sonntag, 4. Mai 2014

Ziegelrot....

Leicht befremdet standen wir vor einem ziegelrotfarbenen Haus....
Das war vor drei Jahren, als wir eine neue Bleibe suchen mußten und eine schnuckelige Maisonettewohnung fanden, die uns und unsere damals schon sehr kranke Oma aufnehmen konnte. Vor allem gefielen uns der kleine Garten und die schöne Terrasse mit Blick auf ein unbebautes Grundstück voller Olivenbäume - und das Ganze mitten in Athen, noch dazu in einer sehr ruhigen Straße....
Daß das ganze Haus in knalligem Ziegelrot gestrichen war, war schon gewöhnungsbedürftig. Immerhin hat es aber mittlerweile den Vorteil, daß neue Besucher auch ohne Hausnummer zu uns finden.....es ist das einzige rote Haus in der ganzen Straße!
Trotzdem bereitete mir die Farbe anfangs auch Schwierigkeiten, als es ans Gestalten der kleinen Terrasse ging. Und so stürzte ich mich irgendwann auf eine alte Sitzbank mit Tisch und Stühlen, die in unserer Werkstattküche ihr trauriges Dasein fristete. Die guten Stücke enstammen noch Münchner Zeiten, ich muß sie wohl so um 1985 herum gekauft haben....Vor allem die Polsterung der Sitzbank war ziemlich ruiniert, aber, da alles aus tollem massivem Holz war, immer viel zu schade zum Entsorgen gewesen!
Ich wählte einen schönen Karostoff in ecru und altrosa, bemalte Tisch, Stühle und Bank mit weißer Grundierung und dunklem Wachs und bezog die Sitzteile. Herauskam eine Sitzgruppe, über die wir uns jeden Tag freuen und die sich nun ganz gut in das so unendlich ziegelrote Ambiente unserer Veranda einfügt!

Eigentlich wollte ich aber nicht über Terrassen und Möbel schreiben, sondern wieder mal eine kleine Idee weitergeben, die ich vor langer Zeit mal gesehen hatte....
Wenn ihr das obige Photo genauer anseht, findet ihr links über der Sitzbank 3 Flaschen:
 Dies sind "gebunkerte" Weinflaschen, die schon seit Monaten ihrer Weiterverarbeitung harrten. Da die letzten Abende auch nicht gerade tolle Filme im Fernsehen liefen, sondern man eher nebenbei mitschauen konnte, bewaffnete ich mich Leinenschnur und Papierschnüren - was ich halt gerade so da hatte.

Ich beklebte die Flaschen in gleichmäßigen Abständen mit doppelseitigem Klebeband und
dann begann ich zu wickeln...und zu wickeln....und zu wickeln....naja, etwas Geduld und Stupidität ist schon gefragt (deshalb auch vor dem Fernseher gemacht!). Aber ich finde, dies ist ein schöner Recyclingtip.
Der Phantasie sind keine Grenzen gesetzt, es gibt wunderschöne farbige Leinen- und Papierschnüre - man kann also die Flaschen passend zur Einrichtung "einwickeln"....
Billig und nützlich sind die Flaschen allemal: wie oft suche ich eine Vase für nur ein oder zwei Blümchen!







Sonntagsgruß 2


Hallo, Ihr Lieben von der Blogrunde "Sonntagsgruß" von Papyrus. http://alles-nicht-so-wichtig.blogspot.gr/2014/05/sonntagsgru-2.html
Denkt man ethymologisch über das Wort Sonntag nach, so wird einem auch ohne weitere Suche klar, daß es der Tag der Sonne ist . Im Lateinischen hieß es deshalb dies solis, noch im Althochdeutschen sunnun tag. Auch die Engländer erfreuen sich am sunday der Sonne... sozusagen, aber bei denen regnet es ja meistens!
Religiös "angehaucht" hieß der Tag im Althochdeutschen auch fron tag, der Tag des Herrn, wie der Tag auch heute noch im Griechischen genannt wird, κυριακή. Auch die Italiener und Franzosen haben sich auf diese mehr religiöse Bezeichnung "geeinigt" - dimanche, domenica

Aber mir gefällt unser Sonnentag natürlich viel besser....

Deshalb ein kleines Naturphoto anbei von unserem wunderschönen, sonnigen Sonntagvormittag im Norden von Athen - mein Blick aus dem Küchenfenster!

Donnerstag, 1. Mai 2014

Verlosung....

Bei uns hier in Griechenland ist es nun kurz nach Mitternacht, und so hab ich nochmal nachgesehen, wieviele Blogger bei meiner Buchverlosung mitgemacht haben.....
Also, eine richtige Verlosung wird es leider nicht geben, denn es gab grad mal einen Kommentar, die Frage war zudem richtig beantwortet:
AND THE WINNER IS
 meine ganz liebe Mitbloggerin Papyrus vom schönen und immer sehr interessanten Blog
                        http://alles-nicht-so-wichtig.blogspot.com

Herzlichen Glückwunsch zu dem schönen Buch von Allende!
(Liebe Papyrus, schick mir Deine Adresse per email, damit das Buch bald auf die Reise gehen kann!)