Montag, 30. September 2013

Geschichte ist nicht die Summe der Lügen der Sieger...Sie ist eher die Summe der Erinnerungen derer, die viel erlebt und viel überstanden haben und meistens weder Sieger noch Besiegte sind. - Julian Barnes

Die letzten Wochen befinde ich mich mal wieder in einer Phase ausgiebigster Lektüre.
Wie immer, wenn in meinem Leben grauenhaft zuviel gleichzeitig auf mich einstürmt, was verarbeitet oder Angriff genommen werden muß, ist mein einziger Ausweg, um meinen schwarzen Gedanken zu entgehen, der Weg zum Regal, in dem meine Bücher stehen, die darauf warten gelesen zu werden. Da wird dann der eine oder andere Klappentext gelesen, die eine oder andere Seite "angelesen", ein Buch verworfen, vielleicht nochmals in die Hand genommen, in die engere Wahl genommen etc. Tja, so dauert es meistens seine Zeit, bis ich mich für meine nächste Lektüre entschieden habe. Insofern kann ich so ein Regal nur empfehlen, man hat fast das Gefühl, in einer Buchhandlung zu sein...in Mini-Miniaturausgabe zwar, aber immerhin!
Nach Rachel Joyces schönem Buch stand mir der Sinn nach etwas Vergleichbarem. Und so habe ich das ganze Wochenende in Gesellschaft von Julian Barnes Vom Ende einer Geschichte verbracht. Da ich letztes Jahr sein Büchlein Flauberts Papagei gelesen und ihn als einen äußerst lebensklugen, stilistisch höchst interessanten und humorvollen Schriftsteller kennengelernt hatte, stand ein weiteres seiner Bücher ganz oben auf meiner Wunschliste.

Vom Ende einer Geschichte erzählt eigentlich darüber, wie wir unsere Vergangenheit in unserer Erinnerung wahrnehmen, welchen Verzerrungen diese Erinnerungen unterworfen sind - bewußten und unbewußten. Dem Protagonisten Tony wird eines Tages das Tagebuch seines alten Schulfreundes Adrian vermacht, der sich vor vielen Jahren umgebracht hatte. Und so beginnt Tony, seine Vergangenheit zu überdenken und vor allem die Brüche wahrzunehmen, die letztendlich nur in der Spiegelung unseres Lebens durch unsere ehemaligen Weggefährten erkennbar sind...Ein meisterhafter kleiner Roman.

Sonntag, 29. September 2013

Harold konnte an keinem Fremden mehr vorbeigehen, ohne die Tatsache zu würdigen, daß alle Menschen gleich waren und doch einzigartig, und daß darin das Dilemma des Menschseins bestand. - Rachel Joyce

Rachel Joyce, Die unwahrscheinliche Pilgerreise des Harold Fry

Mal wieder ein wunderschönes Buch, das eine Freundin aus Deutschland mitgebracht hat und nun seine "Runde" dreht unter uns Leserinnen hier in Athen! Ich vermute, daß in Deutschland Viele dieses Buch bereits kennen, aber es sei uns verziehen, daß wir hier ab und zu "hinterherhinken".
Rentner Harold erhält eines Tages einen Brief von seiner ehemaligen Arbeitskollegin Queenie, die ihm kurze Abschiedsworte schreibt, da sie sterbenskrank ist. Harold ist tief berührt, beantwortet den Brief und macht sich auf zum Briefkasten...
Dies ist der Beginn einer wundersamen Reise quer durch England, da ihm bewußt wird, daß ein Brief nicht ausreicht. Er will zu Queenie, bevor es zu spät ist: zu Fuß in seinen alten Segelschuhen! Das ist die Ausgangshandlung. So wie ihn seine Füße langsam aber stetig seinem Ziel entgegenführen, so wirft ihn jeder gelaufene Kilometer zurück in seine eigene Vergangenheit und läßt den Leser teilhaben an der Aufarbeitung eines unspektakulären Lebens mit all den Dingen, die einen verletzt haben, die man vesäumt hat, die man bereut hat, die man sich selbst nicht verzeihen kann. Aber nicht zuletzt erzählt das Buch von der Liebe, die alles verzeihen kann, was wir uns gegenseitig irgendwann aus Gedankenlosigkeit oder unerträglichem Schmerz heraus zugefügt haben...

Dies ist ein sehr unaufgeregtes Buch, das den Leser aber gerade deshalb mitreißt. Die Handlung ist, wie man sieht, schnell umrissen, die wenigen Charaktere sind so einfühlsam geschildert, daß sie einem ans Herz wachsen, und man findet viele schöne, besinnliche Einsichten darin.
Ich habe Joyce bisher nicht gekannt, aber ihr Buch ist ein Beispiel dafür, wie gute Literatur auch aus wenig sehr viel machen kann. Eine ideale "Herbstlektüre"...

"Weiter, weiter, weiter. Andere Worte hatte er nicht mehr. Er wußte nicht, ob er selbst diese Worte ausgestoßen hatte, ob sie nur in seinem Kopf widerhallten oder ob ein anderer sie rief. Vielleicht war er der letzte Mensch auf Erden? Es existierte nichts weiter als ein Körper, der einen Weg in sich trug..."


Freitag, 27. September 2013

Da steh ich nun, ich armer Tor, und bin so klug als wie zuvor...


Dies ist heute mein 100. Beitrag auf meinem Blog!
Auf das obige Goethe-Zitat eingehend, sollte nun eine tiefschürfende Replik folgen, aber könnte ich dies, wäre ich Schriftsteller geworden und nicht eine unbedeutende "Kunsthandwerklerin"...
Aber dennoch sei mir heute ein kurzes Fazit erlaubt:
18 Blog-Monate, 100 Beiträge, 8780 Klicks und 4 Followers (ein paar mehr hätten's bittschön schon sein dürfen...schnief!!!)
Und so stelle ich mir natürlich die Frage, warum mache ich das eigentlich?
Wahr ist, daß das Internet überschäumt von Blogs über alles, was man sich vorstellen kann (oder auch nicht!). Jeder von uns Bloggern meint, er hätte der Menschheit etwas mitzuteilen!
Das ist die fragwürdige Seite dieses so populären Schreibens im anonymen Kosmos des Internets.
Und natürlich frage ich mich, wer liest das alles eigentlich? Wo sind all diese Gedanken denn abgeblieben, als es das Internet noch nicht gab? Was sollen die Menschen mit meinen "Geistesergüssen" anfangen? Wie persönlich darf und soll man auf seinem Blog werden? Inwieweit ersetzen diese Blogs nicht auch irgendwie unsere guten alten Tagebücher? Viele Fragen, die jeder Blogger nur für sich beantworten kann....
Für mich selbst kann ich allemal zwei Beweggründe anführen: Mein Blog ist zunächst ein Ersatz für mein Tagebuch, in dem ich meine Gedanken ab und zu auf die Reihe bringen kann. Insofern sind meine Beiträge für mich eher flüchtige Momentaufnahmen, die aber sehr wohl einer Art strenger, persönlicher "Zensur" unterworfen bleiben. Und in unserer so krankhaft arbeitswütig-erfolgstrunkenen Welt von Heute, die allzu wenig Zeit für regelmäßige mitmenschliche Kontakte läßt, ist ein Blog ein ganz bescheidener Weg zur Kommunikation mit Gleichgesinnten (die eine oder andere anregende virtuelle Bekanntschaft ist daraus schon entstanden...).

Nicht mehr und nicht weniger, soweit es mich betrifft. Und so werd' ich wohl einfach hier weiterschreiben, mich über jeden Besucher und Kommentar freuen, von Zeit zu Zeit meine Posts ausdrucken und mir eines Tages ganz profan aus all diesen Blättern ein nicht mehr nur virtuelles Tagebuch binden - was mich dann wieder zu Freund Goethe und seinem allzeit aktuellen Faust zurückführt:

Wie anders tragen uns die Geistesfreuden, 
Von Buch zu Buch, von Blatt zu Blatt! 
Da werden Winternächte hold und schön, 
Ein selig Leben wärmet alle Glieder, 
Und ach! entrollst du gar ein würdig Pergament, 
So steigt der ganze Himmel zu dir nieder.

 In diesem Sinne, liebe Blogger-Kollegen: Auf die nächsten 100!

Ich lese gerade das wunderbare Buch  Die unwahrscheinliche Pilgerreise des Harold Fry von Rachel Joyce (darüber mehr im nächsten Beitrag!). Euch allen ein schönes Wochenende!

Donnerstag, 26. September 2013

Es gibt eine Stille des Herbstes bis in die Farben hinein. - Hugo von Hofmannsthal

Nun hat auch hier in Griechenland der Herbst Einzug gehalten. Auch wenn an manchen Tagen die Temperaturen mittags noch nahezu 30 Grad erreichen, so spürt man doch nachts und am frühen Morgen unweigerlich den schönen Herbst!
In unserem Vorgarten steht seit vielen Jahren ein kleiner Granatapfelbaum, der sträfllich vernachlässigt war. Als wir vor über 2 Jahren hier einzogen, gab es gerade mal noch einen einzigen traurigen Granatapfel zum Ernten! Wir haben dieses Bäumchen seither gehegt und gepflegt, und mittlerweile reifen wieder mehr als 10 Granatäpfel heran! Ist das nicht schön, wenn die Natur sich wieder erholt und uns dann so reich beschenkt?!


Und wie jedes Jahr im Herbst habe ich begonnen, nach der Arbeit so Allerlei für den "upcoming" Deutschen Weihnachtsbasar in Athen herzustellen. Dieser Basar (www.weihnachtsbasar-athen.gr) mit seiner über 80jährigen Tradition wird von der Katholischen und Evangelischen Gemeinde in Athen veranstaltet, mithilfe der unermüdlichen und selbstlosen Mitarbeit so vieler deutscher Frauen, die hier leben. Ich bin dankbar, daß man mir schon seit einigen Jahren die Möglichkeit bietet, einige meiner Basteleien auf dem alljährlichen Basar anzubieten und somit auch meinen kleinen finanziellen Beitrag zur beeindruckenden Sozialarbeit dieser kirchlichen Gemeinden hier in Athen beizusteuern. Nicht zuletzt versorgen mich meine Freundin Paparunitsa und die unermüdlichen Damen vom Bücherstand des Basars ab und an mit so manch aussortiertem Buch für meine Kreationen! Ein ganz herzlicher Dank an sie alle!
Wie komme ich jetzt darauf? Ach ja, die letzten Nachmittage habe ich an ein paar Lichterketten rumgebastelt für diesen Weihnachtsbasar, eine davon hat es mir besonders angetan:

Ich habe sie aus einem alten, total zerfledderten deutschen Märchenbuch hergestellt, das aber wunderbare Illustrationen beinhaltete, die viel zu schade für den Recyclingcontainer gewesen wären !
Mal sehen, ob diese Lichtlein noch für ein paar Jahre ihren Platz in einem Kinderzimmer finden werden....



Mittwoch, 25. September 2013

Der neue Kluftinger....

Ich schreibe hier ja immer lieber über Bücher, die mir besonders gefallen haben. Hier nun dennoch mal wieder ein kleiner Wermutstropfen....
Lange hatte ich darauf gewartet, dann endlich bekam ich vor ein paar Tagen den neuen "Kluftinger", respektive das neue Buch des Allgäuer Autorenduos Klüpfel / Kobr. Es ist das nunmehr siebte Buch der Regionalkrimireihe um den tolpatschigen Komissar Kluftinger. Eine Freundin hat es mir aus Deutschland mitgebracht, und ich freute mich wie ein kleines Kind aufs Lesen, denn die ersten Bücher der Reihe fand ich sehr kurzweilig.

Tja, nun hab' ich's durchgelesen und bin sehr enttäuscht. Die eigentliche Krimihandlung ist sehr gut, aber es nerven die allzu unvermittelten Abschweifungen zum Thema "Tolpatschigkeit" des Hauptermittlers Kluftinger. Natürlich werden jetzt Manche sagen, davon lebten auch die vorherigen Bücher. Aber in "Herzblut" geht das auf Kosten der eigentlichen Krimihandlung. Das Buch umfasst immerhin 400 Seiten, und ich gebe zu, daß ich so manche Seite einfach "quergelesen" habe, wenn allzu ausschweifend und bemüht auf der Einfältigkeit und dem Hinterwäldlertum des Protagonisten herumgeritten wird. Schade. Ich verstehe sehr wohl, daß es schwierig sein muß, immer wieder neue Ideen zu einem vormals erfolgreichen Leitthema zu finden, und sicherlich ist auch der Druck durch die Verlage groß, denn man will ja verkaufen. In diesem Falle jedoch hätte sich das Autorenduo etwas zurücknehmen sollen, ein paar Seiten "Kluftinger-Sottisen" weniger hätten dem Buch nicht geschadet, ganz im Gegenteil.
Und so beschleicht mich der Gedanke, daß es zu Recht große Qualitätsunterschiede gibt, man denke an die langjährige sizilianische Reihe um Comissario Montalbano aus der Hand des unermüdlichen Meisters des Regionalkrimis: Andrea Camilleri !

Sonntag, 22. September 2013

Leben mit Büchern und Lichtgeschichten....


Und noch eine Idee, wie ihr Bücher weiterverwenden könnt: diese Buchlampe steht nun schon seit mehr als 2 Jahren in meinem Wohnzimmer und noch immer erfreue ich mich daran!

Sie ist ganz leicht nachzumachen: ein Lampenfuß, von dem man Kopf oder Basis abmontieren kann (gibt's bei Ikea), ein Lampenschirm, ein paar ausrangierte Bücher und - sofern vorhanden und willig - ein handwerklich bewanderter Ehemann, der die Bücher durchbohrt und sie auf den Lampenfuß montiert...
Et voilà, schon ist die Buchlampe fertig! (Diese Idee stammt natürlich nicht von mir, sondern aus dem Internet...).
Einige der Bücher stammen tatsächlich noch aus der umfangreichen Bibliothek meines Großvaters. Zuerst war ich natürlich etwas zögerlich, ob ich so alte Bücher einfach durchbohren soll, aber dann habe ich mir gedacht, daß ihr sentimentaler Wert auf diese Art und Weise wohl mehr Beachtung findet als ganz hinten in meinem Bücherregal....

Samstag, 21. September 2013

Ein Maulwurf war ich nicht. Was dann? Ein blindes Schaf? Ein blinder Hund? Ein blindes Huhn? Find ich ein Korn? (Mieses Karma)

Wie ich ja Ende August nach der aufreibenden Lektüre des "Ulysses" schon angekündigt hatte, bin ich nun aus dem literarischen Elfenbeinturm erstmal wieder in die "Niederungen" der leichteren Kost herabgestiegen....neben einigen Büchern, die nicht so erwähnenswert sind, bekam ich aber von einer Freundin vor ein paar Tagen ein Buch geliehen, das ich Euch doch schnell empfehlen will (sofern Ihr es nicht eh schon gelesen habt, war es doch vor wenigen Jahren ein Bestseller):

 Mieses Karma von David Safier, zum ersten Mal erschienen 2009.

Moderatorin Kim Lange hält triumphierend den lang ersehnten deutschen Fernsehpreis in den Händen. Pech nur, daß sie noch am selben Abend von den Trümmern einer russischen Raumstation (!) erschlagen wird. Im Jenseits erfährt Kim, daß sie in ihrem Leben zu viel mieses Karma gesammelt hat und deshalb nun als Ameise wiedergeboren wird. Aber Kim hat wenig Lust, fortan Kuchenkrümel durch die Gegend zu schleppen. Außerdem kann sie nicht zulassen, daß ihr Mann sich mit einer Neuen tröstet und ihre kleine Tochter eine doofe Stiefmutter bekommt. Was tun? Es gibt nur einen Ausweg: Gutes Karma muss her, damit es auf der Reinkarnationsleiter wieder aufwärts geht! Und so folgt eine Reihe von Daseinsformen: Ameise, Regenwurm, Meerschweinchen, Kuh, Beaglewelpe und......(wird hier nicht verraten!).
Drehbuchautor Safier hat da einen äußerst schrägen und originell-skurilen kleinen Roman vorgelegt, bei dem man sich wunderbar amüsiert. Die beste Lektüre also für alle von uns, die ein wenig Aufmunterung gebrauchen können und sich einige Stunden nette Unterhaltung gönnen möchten!



Sonntag, 15. September 2013

Das einzige, was ich in meinem Leben bedauere, ist, keine Comics gezeichnet zu haben. - Pablo Picasso

"Leben mit Büchern"....auf ein Neues! (Habe leider ein paar Termine versäumt und auch wenn ich gerade sehr viel Gravierenderes im Kopf habe, möchte ich trotzdem weiter mitmachen).
Deshalb ganz schnell mein heutiger Beitrag:
Was haben wir fast alle gelesen, bevor wir uns auf  "richtige" Bücher eingelassen haben?
Dreimal dürft Ihr raten.....jaaaaa, Comic-Hefte!
Ich zumindest erinnere mich mit Freuden an Berge von Donald Duck, Fix und Foxi oder Mikey Mouse. Etwas später kamen dann bis zum Umfallen Asterix und natürlich auch die wunderbaren Klassiker-Hefte, die ich im Zimmer meines ebenfalls lesenswütigen Bruderherzes fand : Oliver Twist, Romeo und Julia, Moby Dick, Huckleberry Finn, Robinson Crusoe, Onkel Toms Hütte, Homers Odyssee und soviele mehr. Könnt Ihr Euch daran noch erinnern? Habt Ihr sie auch gelesen, sofern Ihr meiner Generation angehört, so im lesefähigen Alter Ende der 60er Jahre ? (Äh, nun ist es raus: ich hab die 50 schon überschritten... iiiiiiiih!)
Nun, ich bin nicht sicher, ob dieser Beitrag jetzt hundertprozentig in die Reihe "Leben mit Büchern" paßt, aber, was auch immer wir als Kinder gelesen haben, hat es uns doch den Spaß am Lesen gelehrt und manchen von uns zur Leseratte gemacht!
In Anbetracht meiner "comic-geschwängerten" Vergangenheit kann ich natürlich nicht umhin, auch aus alten Comics so das Eine oder Andere zu basteln, und da entsteht dann mal ein Photoalbum, ein Notizbuch, eine Girlande, eine Buchmaus oder sogar ein Zeitungsständer....


P.S. Solltet Ihr noch irgendwo im Keller oder Speicher alte Comichefte haben und nicht wissen, wohin damit, ich bin ein begeisterter Abnehmer und übernehme gerne die Portokosten!!!!

Samstag, 14. September 2013

Es ist nicht zu wenig Zeit, die wir haben, sondern es ist zu viel Zeit, die wir nicht nutzen. - Seneca

Letzte Nacht ist leider ein Mensch von uns gegangen, zu dem ich seit nunmehr 30 Jahren ein sehr zwiespältiges Verhältnis hatte....meine Schwiegermutter. Auch wenn wir uns gegenseitig tröstend sagen, sie ist nun endlich dem furchtbaren mentalen Gefängnis der Alzheimer-Krankheit entkommen, so überwiegt natürlich die Trauer.
Ich denke nun viel darüber nach, was für ein Leben sie hatte, wie sie zu dem Mensch wurde, der es sich selbst und ihren Liebsten zumeist nicht einfach machte. Und wenn man dann tiefer gräbt, ergibt sich das Bild eines Menschen, der sein Leben lang zutiefst unglücklich war, der ein Leben lang einem unrealisierbaren Traum hinterher gelaufen ist und in Fesseln leben mußte, die ihre Erziehung und ihre Umwelt ihr auferlegt hatten. Das ist es, was mich so traurig stimmt. Es wäre verlogen zu sagen, ich hätte diesen Menschen innig geliebt. Aber da war sehr wohl Zuneigung und vor allem die Achtung davor, wie sie den Widrigkeiten ihres Daseins dann doch einige wenige Glücksmomente abgetrotzt hat. Aber reichte das für ein ganzes Leben? Wohl eher nicht. Und so bleibt am Ende eines so langen Lebens diese Bitterkeit in mir....

Sonntag, 8. September 2013

Leben mit Büchern 2

Leben mit Büchern....ja, das tun wir wohl alle hier, die wir in den entsprechenden Blogs "unterwegs" sind! Als ich vor vielen Monaten und inzwischen mehr als 90 Posts mein eigenes Blog startete, war mein Ausgangspunkt das wunderschöne Zitat "Kein Buch ist so schlecht, daß es nicht für irgendetwas nützlich sein könnte."
Dies bezog sich nicht nur auf mein privates Dasein als unverbesserliche Leseratte, sondern auch auf meine Arbeit, die mich immer mit Papier und eben auch gebrauchten Büchern in Kontakt bringt. Verwendung wollte ich gerade für diese ausrangierten, gebrauchten Bücher finden. Bücher sind für mich immer etwas Lebendiges, weil jedes Buch sein eigenes Leben hatte, weil jedes Buch - gut oder schlecht geschrieben - doch die Gedanken eines Menschen ausdrückt, von Menschen in der Hand gehalten wurde und dem Einen oder Anderen einige Stunden der Muße oder Anregung geschenkt hat. Mit der Zeit fand ich so manche Idee, diesen Büchern doch noch eine Daseinsberechtigung jenseits der Recyclingcontainer zu geben. Eine davon sind meine gefalteten Buchskulpturen, die zum Beispiel zu praktischen und nicht ganz alltäglichen Buchstützen umgewandelt werden: