Mittwoch, 30. Januar 2013

Es geht uns mit Büchern wie mit den Menschen. Wir machen zwar viele Bekanntschaften, aber nur wenige erwählen wir zu unseren Freunden. - Ludwig Feuerbach

Das obige Zitat läßt vermuten, daß ich mal wieder über Bücher schreibe. Aber dem ist nicht so. Wohl habe ich so Einiges gelesen in den letzten Wochen, aber nichts Nennenswertes war darunter, nur "einfache" Literatur, für Anspruchsvolleres war mein Kopf noch nicht frei genug. Das kommt hoffentlich wieder, wenn ich zurück in Griechenland sein werde und notgedrungenermaßen den nötigen Abstand gefunden habe....
Picasso 1908, "Friendship"
Heute nur ein kleiner Nachtrag zum unerschöpflichen Thema Freundschaft.
Hatte gerade einen wunderbaren Nachmittag mit zwei alten Schulfreundinnen. Wir haben in "alten Zeiten" geschwelgt, alte Photoalben angesehen und uns an so manche Erlebnisse erinnert...es waren lustige und zugleich sentimentale Stunden.
Ich muß mich an meine eigene Nase fassen, denn zu oft war ich in Deutschland und habe mich nicht bei ihnen gemeldet. Es war meistens aus dem Gefühl heraus, daß sie vielleicht gar nicht daran interessiert waren, mich zu sehen. Wie falsch das war, habe ich jetzt verstanden, wo ich doch einige alte Freunde wiedergesehen habe, und immer war es sehr sehr nett, immer haben sie sich gefreut, mich zu sehen, und ich, sie zu sehen. Ein alter Schulfreund kam sogar extra aus München, um mich zu treffen! Auf jeden Fall werden diese Stunden mir unvergesslich bleiben. Ich werde lange davon zehren in der "Fremde"... Jeder von ihnen hat mir auf die eine oder andere Weise geholfen, diese schwere Zeit hier zu überstehen, und dafür danke ich ihnen allen sehr.
Jetzt planen wir, uns das nächste Mal in Athen wiederzusehen. Ich hoffe so sehr, daß es irgendwann klappen wird. Ich werde auf sie warten!

Donnerstag, 24. Januar 2013

Animals are such agreeable friends - they ask no questions, they pass no criticisms. -- George Eliot

I am still in Germany to settle the affairs of my late mother....Days are going by, sometimes I am very busy, sometimes I am very lonely. I begin to understand the loneliness of old people...just like my mother living in this big house, being alone for endless hours when my brother and his wife were at work. And I cannot blame her for her wish to pass away. In the end, what did she have to wait for?

In these lonely hours I am mostly reading. Then, a couple of days ago I started again to think about my workshop...It is the first time since weeks that I spend some thoughts about my work. This is a progress, I guess. And this is a first step to accept the ultimate change which determines my life from now on. I know I have to return to my own life, it's time (although the latest news from Greece are not very positive: bombs, strikes etc)...

But I am not only reading, I watch a lot of movies and I am also surfing in the internet. A friend of mine is a real animal lover, and sometimes she posts cute animal pictures in Facebook. Today she posted this one:

This reminded me of my old appartment in Athens, where we lived for over ten years. There we always had some cats which roamed in our big garden and "adopted" us sometimes. One of these kittens had the strange habit to sleep in my bookshelves - just like this one .....it was my very own beloved "book-kitten"!
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Noch immer bin ich in Deutschland, um den Nachlass meiner Mutter zu regeln. Die Tage ziehen an mir vorüber, manchmal bin ich total im Stress, manchmal aber auch sehr einsam. Ich beginne, die Einsamkeit alter Menschen zu verstehen...wie meine alte Mutter, die in diesem großen Haus lebte und unendlich viele Stunden allein zubrachte, wenn mein Bruder und seine Frau ihrer Arbeit nachgehen mußten. Und nun, mit dem Abstand von ein paar Wochen, kann ich es ihr nicht verdenken, daß sie einfach gehen wollte. Was hatte sie denn noch zu erhoffen vom Leben?

In diesen einsamen Stunden lese ich meistens. Vor ein paar Tagen begann ich wieder, über meine Arbeit nachzudenken, denn bald geht es ab nach Griechenland. Und es ist das erste Mal seit einigen Wochen, daß ich mir Gedanken über meine Werkstatt mache...ich denke, das ist ein kleiner Fortschritt! Und es ist definitiv auch ein erster Schritt auf dem Wege zur Akzeptanz meiner veränderten Lebenssituation. Ich muss mich wieder auf mein "altes" Leben einlassen, auch wenn die letzten Nachrichten aus Griechenland nicht gerade erheiternd sind (Bombenanschläge, Streiks, Demonstrationen etc.).

Aber ich lese natürlich nicht nur, ich sehe viele Filme und surfe auch ausgiebigst im Internet. Eine Freundin postete vor ein paar Tagen das obige Photo auf Facebook. Das erinnerte mich an unser altes Haus in Athen, wo wir mehr als 10 Jahre lebten. Dort hatten wir immer eine Menge Katzen, die durch unseren Garten streunten und uns manchmal auch "adoptierten". Eine von ihnen hatte die lustige Angewohnheit, zwischen meinen Büchern zu schlafen, genauso wie die Katze auf dem Photo....diese Katze war mein geliebtes "Buch-Kätzchen"!
    



Donnerstag, 17. Januar 2013

Nothing makes the earth seem so spacious as to have friends at a distance; they make the latitudes and longitudes. - Henry David Thoreau

Noch immer bin ich im kalten und verschneiten Bayern. Noch immer ist viel zu tun, um den Nachlass meiner Mutter zu regeln....
Der Blick von unserem Haus auf die Berge....
 Heute besuchte ich eine alte Schulfreundin und ihre Mutter. Wir haben uns seit so vielen Jahren nicht mehr gesehen! Schon unsere Eltern waren befreundet, und wir beide waren all die Jahre im Gymnasium in derselben Klasse. Eine lange Zeit! Während unseres Studiums haben wir uns irgendwie aus den Augen verloren, dann kamen die Kinder und unser tägliches Leben. Später ließ die große Entfernung die Kontakte noch spärlicher werden. Aber so ganz haben wir einander doch nie vergessen.
Ich habe noch heute ein für mich wirklich kostbares Buch von ihr in meinem Regal stehen: Gedichte von Emily Dickinson. Mit der Widmung:"Nun hast Du endlich Deine eigene Emily Dickinson!"...Wie oft nehme ich immer noch dieses Buch in die Hand (eines jener Bücher, die ich niemals weggeben könnte)  und muß dann natürlich sie denken! Umso mehr hat es mich heute  gefreut, sie und ihre liebe Mutter wiederzusehen....
Diese Begegnung bringt mich wieder auf das Thema Freundschaft und Vergangenheit....wie interessant ist es doch zu sehen, daß alte Vetrautheit sich oftmals nahtlos wieder einstellt, auch wenn viele viele Jahre dazwischen liegen.
Eine Freundin in Athen postete vor einigen Wochen auf Facebook das folgende Zitat:  "Wenn echte Freunde lange nichts voneinander hören, so zweifeln sie trotzdem nicht an ihrer Freundschaft. Diese Freunde gehen einfach miteinander um, als ob sie sich gestern erst gesehen hätten, egal wie lange es schon her ist."
Ein schöner Gedanke, der vor allem uns, die wir im Ausland leben, trösten kann. Gerade für uns ist es wichtig, wenn wir wieder mal in unserem Heimatland sind, solche alten Freunde zu treffen. Im besten Fall spüren wir wieder die oben beschriebene Vertrautheit. Es spielt sicher eine Rolle, daß wir auf eine gemeinsame Vergangenheit zurückblicken können. Die Gespräche drehen sich dann ja auch erstmal um Vergangenes, gemeinsam Erlebtes. Aber natürlich sind wir auch neugierig auf die Neuigkeiten aus dem jetzigen Leben des Anderen.
Interessant an diesen Begegnungen ist auch, daß eine so lange gemeinsame Vergangenheit die unterschiedlichsten Lebensläufe und gegenwärtigen Lebensweisen überlagern kann. Es spielt im Grunde dann auch keine Rolle, daß sich unsere Leben in so unterschiedliche Richtungen entwickelt haben. Man stellt zwar fest, wie unterschiedlich das jetzige Leben und die Lebensentwürfe eines jeden sein mögen, aber die gemeinsam erlebte Vergangenheit ist doch stärker und bildet die Basis für die alte Vertrautheit.
Ich werde all diese Begegnungen, die ich in den letzten Wochen hier hatte und noch haben werde, mit mir nach Athen nehmen. Sie sind wichtig für mich, wichtiger als all diese Freunde und Bekannten sich vielleicht vorstellen können. So ein Besuch in der "Heimat" ist immer eine Gratwanderung zwischen Freude und Ablehnung, so seltsam das auch klingen mag. Man taucht ein in die eigene Vergangenheit, vergißt aber gleichzeitig nie, daß und warum man sich vor vielen Jahren willentlich von diesem Leben und seiner Umgebung distanziert hat. Ich sehe auch heute noch ganz bewußt all das, wovon ich mich distanzieren wollte - spüre gleichzeitig aber auch ein klein wenig Wehmut, daß ich es vor vielen Jahren hinter mir gelassen habe. Nicht zuletzt denkt man darüber nach, wie das eigene Leben verlaufen wäre, wenn man nicht gegangen wäre, die altbekannte Hypothese der Hypothese der Hypothese....
Aber das ist wohl die Zwiespältigkeit, mit der wir alle leben müssen, die wir seit so vielen Jahren im Ausland sind und soviel (oder so wenig?) hinter uns gelassen haben....

Montag, 7. Januar 2013

What it's like to be a parent: It's one of the hardest things you'll ever do but in exchange it teaches you the meaning of unconditional love ― Nicholas Sparks

In my last post I wrote about my mother's death - in German, of course. The funeral took place, and now, being alone in her house, I try to get things straight. A lot of calls and paperwork has to be done....days are passing by and I still cannot realize that she is gone...
Of course, I try to comfort myself. A long, fullfilled life has come to an end. She was 84 years old.
Nevertheless, I miss her so much. We talked nearly every day on the phone, I will miss these calls....
It is weard to realize that both my parents have passed away now, that definitely a new chapter in my life begins. The generation of our parents fades away, and we are the next generation about to die....a very strange feeling.
I know I will remember my parents forever, I will miss them forever....but, that's life. I am so grateful that I got the chance to have my parents for so many many years! And I thank them for their unconditional love!


In meinem letzten Post habe ich über den Tod meiner Mutter geschrieben, ich mußte es einfach loswerden. Die Beerdigung ist vorbei, und nun, so allein in ihrem Haus, versuche ich, die Dinge auf die Reihe zu bekommen. Eine Menge von Telefonaten und Schreibarbeiten ist zu erledigen....die Tage gehen vorbei und ich kann es immer noch nicht fassen, daß sie nicht mehr da ist...
Natürlich versuche ich mich auch zu trösten. Ein langes, erfülltes Leben ist zu Ende gegangen. Sie war immerhin 84 Jahre alt. Aber ich versmisse sie trotzdem so sehr. Wir haben fast jeden Tag am Telefon miteinander gesprochen, wie werde ich diese Gespräche vermissen...
Es ist schon seltsam, sich klarzumachen, daß meine beiden Eltern nun nicht mehr sind und daß nun ein neues Kapitel beginnt. Die Generation unserer Eltern stirbt aus, und wir sind nun die nächste Generation auf der Zielgerade....ein sehr seltsames Gefühl!
Ich werde meine Eltern immer vermissen, aber so ist das Leben! Ich bin dankbar, daß ich das Glück hatte, sie so lange zu haben. Und ich danke ihnen für ihre bedingungslose Liebe!