Dienstag, 31. Dezember 2013

Auf ein Neues.....Καλή Χρονιά....Happy New Year

Natürlich kann ich nicht umhin, dieses Jahr mit einem literarischen Zitat abzuschließen, diesmal in Gedichtform:

Daß bald das neue Jahr beginnt, 
spür ich nicht im geringsten.
Ich merke nur: die Zeit verrinnt
genauso wie zu Pfingsten.

Die Zeit verrinnt. Die Spinne spinnt
in heimlichen Geweben.
Wenn heute nacht ein Jahr beginnt,
beginnt ein neues Leben.

Joachim Ringelnatz



Ich danke Euch allen für Eure Begleitung durch den Dschungel meines kleinen Daseins. Μöge uns allen ein gesundes und zufriedenes Neues Jahr beschert sein....und wie es einer meiner Kunden auf seinen diesjährigen Neujahrskarten so schön ausgedrückt hat:

Live, love and create!
Dem bleibt nur noch hinzuzufügen:                       
 READ!

In diesem Sinne widme ich Euch eines meines Lieblingsbilder aus den Florentiner Uffizien, ein so unendlich vielschichtiges Gemälde, das für mich persönlich schon seit vielen Jahren der perfekte Ausdruck von Neubeginn und Hoffnung ist:

Sandro Botticelli, Primavera
ΚΑΛΗ ΧΡΟΝΙΑ!
HAPPY NEW YEAR!

Donnerstag, 26. Dezember 2013

Im Zurückzucken vom Leben, als er nackt war, fühlte er sich schon tot.... - Saul Bellow

....aber irgendwie war es ihm nicht gelungen, wie den anderen, Anschluß zu bekommen. Wenn er das Ereignis, wie er es manchmal tat, mit einem Telefonnetz verglich: der Tod hatte den Hörer nicht abgenommen, um seinen Anruf entgegenzunehmen...

Hier nun also mein "Lesebericht" über ein Buch aus dem Fundus meiner letztens auf dem Basar erstandenen Bücher: Saul Bellows Mr. Sammlers Planet , erschienen 1969.

Wie soll ich dieses Buch beschreiben? Ehrlich gesagt, keine Ahnung!
"Ein 70-jähriger jüdischer Einwanderer, einstmals auf unerträglichste Weise dem Holocaust entronnen, beschreibt sein Dasein im Moloch New York der 60er Jahre, hält Rückschau auf sein Leben und streift dabei die großen existenziellen Fragen unseres Lebens.." Ja, so würde ich das ganze Buch wohl ungenügend in einem Satz zusammenfassen, wäre es nicht gerade von Saul Bellow: Pointierte und lakonische Sprache (auch dank einer tollen Übersetzung), unkonventionelles Gedankengut, auch hintergründiger Humor und vieles mehr... Die Frankfurter Allgemeine schrieb anno 1971: "Saul Bellow ist der geistreiche Romancier schlechthin, ein Erzähler, der seine Bilder von der tragikomischen Selbstbehauptung des zivilisierten Menschen auf überaus attraktive Weise zur Schau stellt." Dem ist nichts hinzuzufügen.

Ich schätze ja meine amerikanisch-jüdischen Erzähler des 20. Jahrhunderts ungemein, allen voran Roth, Begley oder Singer. Nach so vielen Jahren lese ich noch die atem-raubenden Geschichten über diese Lebensläufe. Sie alle sind behaftet mit dieser in Worten im Grunde "unbeschreiblichen" Vergangenheit. Und dennoch stellt sich jeder dieser wunderbaren Autoren auf seine eigene Weise dieser immensen Aufgabe; ich vermute, es war dies auch eine "Überlebens-Notwendigkeit" für all jene, die die seltene Gabe hatten, das Unaussprechliche in ihren Schriften aufzuarbeiten. Eine Stelle bei Bellow fiel mir besonders auf, eine der intelligentesten Essenzen der existenziellen Tragik dieser jüdischen Holocaust-Überlebenden:

"Mr. Sammler hatte einen symbolischen Charakter. Seine Freunde und die Familie hatten ihn zum Richter und Priester gemacht. Und wovon war er ein Symbol? Er wußte es nicht einmal. War es, weil er überlebt hatte? Er hatte nicht einmal das getan, denn von der früheren Person war so viel verschwunden. Das war kein Überleben, sondern ein Überdauern. Er hatte überdauert."

Manchmal beschleicht mich der Gedanke, daß ich noch gerade eben zu der Generation gehöre, die sich aufgrund der Geschichte der Großeltern und Eltern für solche Erzählungen interessiert. So wie die Generation der "Holocaust-Überdauerer" inzwischen fast gänzlich weggestorben ist, so hat die heutige Generation unserer Kinder fast gar keinen Zugang mehr zu dieser, für sie so fernen Vergangenheit. Und sicherlich hatte Bellows Buch im Erscheinungsjahr 1969, als eine zaghafte "Aufarbeitung" der unrühmlichen Vergangenheit Deutschlands ihren Anfang nahm, eine tiefgreifendere Wirkung als beim heutigen Leser....
All dies eben Geschichten, die im frühen 21. Jahrhundert schon Historie sind, aber unbedingt weiterhin gelesen werden und nicht dem heutzutage so angesagten schnellen Vergessen anheim fallen sollten:
"Ich sah, daß Gott vom Tod nicht beeindruckt ist. Die Hölle war seine Gleichgültikeit....Die Widersprüche sind so schmerzhaft. Kein Interesse an Gerechtigkeit? Nichts von Barmherzigkeit? Ist Gott nur der Tratsch der Lebenden?... Es gibt kein Wissen. Es gibt Sehnen, Leiden, Trauern. Diese entstehen aus Bedürfnis, Neigung und Liebe - den Bedürfnissen der lebenden Kreatur, weil sie eine lebende Kreatur  i s t ."


Mittwoch, 25. Dezember 2013

Es gibt tatsächlich Leute, die Weihnachtsfeste veranstalten. Ist das komisch! - Gustave Flaubert


Noch einmal ein Weihnachtsfest,
Immer kleiner wird der Rest,
Aber nehm ich so die Summe,
Alles Grade, alles Krumme,
Alles Falsche, alles Rechte,
Alles Gute, alles Schlechte -
Rechnet sich aus all dem Braus
Doch ein richtig Leben heraus.
Und dies können ist das Beste
Wohl bei diesem Weihnachtsfeste.
Theodor Fontane


Ein schöner Heiligabend mit ganz lieben Bekannten ist vorbei....der beste aller Ehemänner hat sich in der Küche mal wieder selbst übertroffen (ich durfte nur Hilfsdienste leisten)! Und so wurde erstmal gebührend auf die "neue" Werkstatt und den neuen Anfang angestoßen, (zu) viel gegessen, viel geredet und gelacht, aber auch an unsere gemeinsamen Töchter gedacht, die zum ersten Mal nicht bei uns waren an Weihnachten, sondern in Deutschland geblieben sind...zwei in Hamburg und eine in München...schnief......

Und nein, trotz wiederholter diverser Anfragen: ich vermiete meinen kochenden Mann definitiv nicht!!!!

Heute nun wurde erstmal richtig ausgeschlafen, ein schöner Spaziergang bei fast frühlingshaften Temperaturen gemacht, die Reste vom Vorabend verputzt.....und ansonsten..........Lesen und Dolce Far Niente, genau so, wie ich es mir vorgenommen hatte.
Nur noch wenige Seiten bleiben von einem Buch, das ich meinem Fundus der ungelesenen Bücher entnommen habe, aber davon ausführlicher morgen! Habt weiterhin schöne Feiertage - jetzt wird weitergelesen!

Montag, 23. Dezember 2013

Yesterday is but today's memory, and tomorrow is today's dream. - Kahlil Gibran

Heute exakt vor einem Jahr saß ich am Sterbebett meiner Mutter.....wie schnell so ein Jahr vergeht ....sie fehlt.
Ein Jahr - Zeit ist eben doch relativ und vor allem subjektiv, Zeit, die größte aller Illusionen!

Auch Zeit zum Bloggen war nicht da, zuviel war noch los nach dem Umzug. Es dauert bis man sich so einfindet an einem neuen Arbeitsplatz. Hinzu kamen diverse unangenehme Überraschungen wie die Stanzpresse, die beim Umzug "gelitten" hat und nun aufwendig repariert werden muß nach den Feiertagen. Zudem fiel es einigen Kunden im allerallerletzten Moment ein, daß sie noch was brauchen....und so war ich selbst am Wochenende von Morgens bis Abends am Werkeln. Ich hoffe, daß wir dann wenigstens morgen etwas früher fertig werden, denn liebe Bekannte haben sich angesagt für einen gemütlichen Heiligen Abend....
Natürlich will ich nicht jammern über die vielen kleinen Aufträge, denn wir brauchen das Geld ja dringend, aber die Anstrengungen der letzten Wochen haben mich physisch und psychisch an meine Grenzen gebracht - und die Jüngste ist man ja schließlich auch nicht mehr!!!!
Wie auch immer, es kommen erstmal 2 freie Weihnachtstage, und wir haben uns ganz bewußt den "Luxus" gegönnt, an diesen Tagen keine weitere Einladung bei Freunden oder Verwandten anzunehmen. Selbst dafür sind wir dieses Jahr zu erschöpft...also werden wir wohl zwischen Couch und Bett pendeln, und ich werde mich mit ein paar Büchern vorübergehend von der Welt und dem Weihnachtstreiben um mich herum "verabschieden".
In diesem Sinne:



Samstag, 14. Dezember 2013

Impressionen eines Umzugs....


Unsere uralte Schneidemaschine....fertig zum endgültigen Abschied!
Und schon hängt sie am Haken....


Buchbinderleinen und andere Materialien....
Unsere Guillotine "geht in die Luft"....
Auch die hydraulische Stanzpresse will mit!
 "Leerstellen"......
Jeder "verfügbare" Mann ist hier gefragt.....

Die Buchpresse muß durchs Nadelöhr
Heute war es endlich soweit: UMZUGSTAG! 
So ein Werkstattumzug ist schon recht aufregend, vor allem wenn große Maschinen ein-und ausgeladen werden müssen....bis zum Schluß ist man am Zittern, ob auch alles so klappen wird, wie man es geplant hatte!  Die obigen Photos lassen vielleicht erahnen, was heute hier so los war...
Aber nun ist es spät am Abend, mir tut alles weh, ich sitze erschöpft vor dem Kamin, gönne mir aber noch ein schönes Gläschen Wein und lasse diesen verrückten Tag für mich und Euch Revue passieren....Nach vielen Tagen des Ausräumens und Packens stehen jetzt natürlich noch einige Tage des Einräumens und Auspackens an....noch steht uns also so Einiges bevor!
Auf der Suche nach einem passenden Spruch für meine letzten Erlebnisse stieß ich auf das kleine Gedicht von André Gide und fand, daß es genau ausdrückt, was gerade so in mir vorgeht:

So ist das im Leben:
Wenn sich eine Tür schließt,
öffnet sich eine andere.

Die Tragik liegt darin,
daß wir nach der geschlossenen Tür blicken,
nicht nach der offenen.
André Gide

Vorherrschend ist dieses Gefühl der Wehmut, daß die ehemals "geschäftigen" Jahre nun auch ganz offensichtlich der Vergangenheit angehören. Man erinnert sich unweigerlich an die Anfänge hier in Griechenland vor fast genau 19 Jahren, von der klitzekleinen ersten Werkstatt mit gerade mal 30 qm bis hin zu der letzten mit 200 qm. Jetzt haben wir uns irgendwo im unteren Drittel "eingependelt", im Rückwärtsgang sozusagen. Wie meine Freundin und Mitarbeiterin beim Einräumen fröhlich anmerkte, erscheint ihr die neue Werkstatt richtig "kuschelig"....ja, so sieht es der erfrischend unverbesserliche Optimist! 
Wahrscheinlich ist es normal, daß man in den ersten Tagen so einer Veränderung noch dem Verlorenen nachhängt und seinen Blick noch nicht vollständig auf die "offene Tür" richten kann, zu unwägbar ist ja auch die wirtschaftiche Lage, als daß man sagen könnte, dieser Schritt sei ein Schritt in eine bessere Zukunft....
Trotzdem sind wir natürlich unendlich dankbar und erleichtert, daß der Umzug nach all den bürokratischen Schwierigkeiten doch noch in diesem Jahr geklappt hat, und vielleicht helfen uns auch die besinnlichen Feiertage, um in die nötige "Aufbruchstimmung" zu kommen, gerade rechtzeitig zum Beginn des neuen Jahres!
 

Sonntag, 8. Dezember 2013

Ein schönes Buch ist wie ein Schmetterling. Leicht liegt es in der Hand, entführt uns von einer Blüte zur nächsten und läßt den Himmel ahnen. - Lao-Tse

Leben mit Büchern.....hallo, Ihr Lieben!
Also, letztes Wochenende auf dem deutschen Weihnachtsbasar konnte ich natürlich nicht an mich halten: einer der meistbesuchten Stände ist jedes Jahr der Bücherbasar....Verständlich allemal, da wir Deutschen hier ja schlecht an gebrauchte Bücher rankommen, und so ist der Bücherstand jedes Jahr auch ein beliebter Treffpunkt der deutschen Bibliophilen im Athener "Exil"..... Da ich als Mitarbeiterin das Privileg habe, schon eine Stunde vor der offiziellen Eröffnung alle Stände durchschnüffeln zu dürfen, könnt Ihr Euch vorstellen, daß ich mit tödlicher Sicherheit immer erst den Bücherstand ansteuere und mich dort dann meistens "verliere"....! Mein heutiges Photo zeigt euch nur einen Teil meiner diesjährigen "Ausbeute", darunter so wunderbare Autoren wie Skarmeta, Kertesz, Levi, Highsmith, Bourdouxhe, Heinichen, Saramago, Heidenreich, Updike, Marquez, Irving, Rendell, Steinbeck, Bellow, Handke, Mankell u.a.

Mein RUB (Regal ungelesener Bücher) ist also mit sehr wenig Geld gefährlich aufgefüllt worden, und nun wird sich wieder die quälende Frage stellen, WAS LESE ICH ALS NÄCHSTES?!
Aber immerhin ist erstmal für den kommenden Lesestoff gesorgt. Den nächsten Bücherbasar in Athen gibt es dann erst wieder an Ostern....bis dahin muß diese Ausbeute reichen!

P.S. Nächsten Sonntag muß ich allerdings pausieren: Unser Werkstatt-Umzug steht am kommenden Wochenende an! ENDLICH ist es soweit, nachdem wir während der vergangenen Wochen von 13 (!) verschiedenen Schreibtischtätern die notwendigen Genehmigungen eingeholt haben!!!! Griechenland - die Wiege der Bürokratie....

Freitag, 6. Dezember 2013

Der griechische "Faust"....

Dem griechischen Autor und Übersetzer Petros Markaris wurde die diesjährige Goethe-Medaille verliehen. Aus diesem Anlaß gab es einen Abend zu Ehren von Markaris im Athener Goethe-Institut.
Ich habe Euch ja schon mal auf diesen Autor aufmerksam gemacht, wenn auch weitgehend auf seine guten Krimis, für die er auch in Deutschland bekannt ist. Weitaus nachhaltiger in Griechenland ist seine Tätigkeit als Übersetzer von z.B. Brecht, Bernhard, Schnitzler und...Goethe: Markaris hat sich damit auf ein wirkliches Lebenswerk eingelassen, die Neuübertragung des "Faust" ins Griechische! Als er schon einen Großteil des Werkes übersetzt hatte, sprang plötzlich der auftraggebende Verlag ab, und Markaris stand da -  mit einer Arbeit von Jahren in den Händen....was nun? Da sprang ohne Zögern der (so sympathisch bescheidene) Verleger seiner Kriminalgeschichten ein und erklärte sich sofort bereit, die zweisprachige Faust-Ausgabe (Faust I und II!) auf den Weg zu bringen. Als Markaris ihn darauf hinwies, daß sich sicher nicht viele Bücher davon verkaufen würden, antwortete der Verleger: "Ach, laß mal gut sein, ich verkaufe so viele von Deinen Krimis, da kann ich mir auch mal den verlegerischen Luxus gönnen, den "Faust" herauszubringen!" Ja, auch solche Geschichten gibt es im Verlagsgeschäft noch!
Es wurden natürlich viele launige Reden geschwungen an diesem Abend zu Ehren des Preisträgers, aber am eindrucksvollsten war eine Lesung aus der besagten Faust-Übertragung: einmal von Markaris selbst, aber dann auch von dem griechischen Theaterregiseur, der den "Faust" in der Neuübertragung im Januar hier auf die Bühne bringen wird. Es war absolut faszinierend zu hören, wie ein Theatermann den Text sofort anders intoniert und allein schon beim Rezitieren inszeniert! Versteht sich von selbst, daß ich versuchen werde, Karten zu ergattern für diese Aufführung....immerhin habe ich den "Faust" schon in 2 unvergessenen Inszenierungen in München erlebt, aber noch nie auf griechisch! Bin schon so gespannt, ob man diesem Text auch in einer fremdsprachigen Inszenierung über einige Stunden hinweg folgen kann, da ist schon sehr viel Konzentration angesagt....auf jeden Fall wäre es ein interessantes Experiment!

Mittwoch, 4. Dezember 2013

Aber in der Welt, wie Garp sie sah, sind wir alle unheilbare Fälle.... John Irving

Mit diesem lapidaren Satz endet Irvings Roman "Garp und wie er die Welt sah".
"Stilistische Virtuosität, groteske Eskapaden und die für Irving typische Mischung aus Realismus und Absurdität machen den einzigartigen Charakter dieses Buches aus....Auf einer Reise macht Garp die Erfahrung, dass Leiden, Schmerz und Vergänglichkeit Grundtatsachen des Lebens sind – und dass der Glaube an einen festgelegten Sinn oder daran, das Leben lenken zu können, nichts als pure Illusion ist..."
Soweit der Klappentext.
Jetzt habe ich "Garp" zu Ende gelesen und empfinde dieses Buch - auch nach dem zweiten Lesen nach immerhin ca. 30 Jahren - als eine außergewöhnliche Geschichte über uns, die wir das Recht auf ein unvorhersehbares, selbstbestimmtes, ja auch unangepaßtes Leben haben - frei in Gedanken, Taten und Lebensformen. Nur in diesem Sinne sind wir wohl "unheilbare" Fälle, ja sollten es geradezu sein, wie Irvings Schlußsatz suggeriert!
So mancher Leser mag sich fragen, welch skuriles Panoptikum an Geschichten der Autor uns da beschert, aber für mich sind es gerade diese Absurditäten, die unser Dasein ausmachen, nein, ausmachen sollten. Nur so kann ich vielleicht die Gewißheit haben, daß mein eigenes, kleines, undenkwürdiges Leben am Ende doch einen - hoffentlich genug absurden - Sinn hatte....jedenfalls würde mich das freuen!
"Literatur muß besser gemacht sein als das Leben", wird Garp im Buch zitiert, und Irving zelebriert mit seinen ungewöhnlichen Geschichten immer wieder dieses Motto...also, einfach mal reinlesen, so Manchen wird das Buch nicht mehr loslassen!
Und wer es nicht lesen will, dem sei die gute alte Verfilmung mit Glenn Close und Robin Williams empfohlen....

Montag, 2. Dezember 2013

Sonntag, 1. Dezember 2013

Advent, Advent, ein Lichtlein brennt.....

Einer der ersten Verkäufe!
Leben mit Büchern...Diesmal keine Buchgeschichte "per se", aber doch auch ein Nachtrag, der irgendwie mit Büchern zu tun hat:
Heute mittag ist unser Weihnachtsbasar hier in Athen zu Ende gegangen. Das waren nun eineinhalb Tage (und einige Stunden mehr für den Auf- und Abbau) voller Arbeit, guter Laune und unzähligen Begegnungen mit alten Bekannten, Freunden, alten und neuen Kunden und langjährigen "Basarkollegen"....

Momentan überwiegt bei uns allen natürlich die Erschöpfung, aber auch die Freude bei all denen, wo die Verkäufe gut geklappt haben. Ziemlich skeptisch waren wir ja alle im Angesicht der herrschenden Krise hier in Griechenland, und nicht alle waren am Ende mit dem "Ergebnis" vollauf zufrieden. Allzusehr war es spürbar, daß die Menschen hier nicht mehr soviel Geld zur Verfügung haben, und dementsprechend wählerischer mußten sie sein: dem Einen ging es dann mehr um das leibliche Wohl, der Andere ging lieber auf die Suche nach kleinen Geschenken für seine Lieben....Alles in allem aber konnten die meisten Stände zufrieden sein, die Erlöse werden wieder kräftig die Sozialarbeit des Basarkomittees unterstützen, und das ist ja die Hauptsache im Angesicht der herrschenden Krise!
Wie versprochen, stelle ich hier ein paar Photos von meinem Stand ein (von mir gibt's auch ein Photo, aber das wurde von einem professionellen Photographen gemacht, ich werd's mal bei Gelegenheit "nachliefern"):

Kurz nach dem Aufbau am späten Abend....endlich geschafft!



Miniengel und Minibäume  - alle verkauft!
Vasen, Kalender, Engel, Bäume....



Rezeptbücher


Meine Äpfel  - einer der Verkaufsschlager...
Uhren und anderer Wandschmuck


So, und der "klägliche" Rest wird bald mal in meinem e-shop auftauchen.....!
Ich wünsche Euch allen einen schönen ersten Advent!!!!

Dienstag, 26. November 2013

Er wurde geboren mit einem sonnigem Gemüt und der Gewißheit, daß die Welt verrückt ist. - Garp

Nach der außergewöhnlichen Madame Bovary griff ich mal wieder in mein Regal ungelesener Bücher und las Felicitas Mayalls Nachtgefieder und Andrea Camilleris Die Spur des Fuchses, beides Kriminalgeschichten einer längeren Reihe, die ich vielleicht einfach nur der "Vollständigkeit halber" weiter verfolge.
Mayalls Krimis spielen sich immer zwischen München und Siena ab, beides Orte, die für mich einfach viele persönliche Reminiszenzen beherbergen. Außerdem sind ihre Geschichten um die deutsch-italienische Komissarin Laura Gottberg immer recht unterhaltsam geschrieben - nichts wirklich Neues an der Krimifront, aber es kursiert definitiv ungleich Schlechteres in diesem Genre!
Den von mir schon öfter erwähnten Andrea Camilleri brauche ich nicht mehr vorzustellen, er ist wohl der Meister des "Regionalkrimis"...Die Spur des Fuchses ist das mittlerweile 12. Buch der Reihe um Comissario Montalbano aus Sizilien. Auch dieser Krimi birgt nichts Neues, ist aber dennoch exzellentes und verläßliches schriftstellerisches Handwerk; man merkt halt einfach, daß da ein Könner am Werk ist. Wenn man Camilleri liest, erkennt man auch, wie viele Krimiautoren von ihm beeinflußt wurden. Und erstaunlich ist allemal, wie viele unterhaltsame Geschichten noch immer in diesem mittlerweile hochbetagten Autor schlummern. Ein neuer "Camilleri" ist bereits erschienen, aber ich warte notgedrungenermaßen noch auf die billigere Taschenbuchausgabe.....

Danach war es aber erstmal wieder genug von Mord und Totschlag. Da neulich im Fernsehen eine gut gemachte Literaturverfilmung lief, bekam ich Lust auf ein Buch, das viele meiner Generation in den 80ern verschlungen haben: Garp und wie er die Welt sah von John Irving.
Irving reiht sich ein in die Riege typisch amerikanischer Erzähler wie Updike, Bellow, Roth oder Franzen, wobei es in Irvings Geschichten immer etwas skuriler "zugeht", man denke nur an sein erzählerisches Feuerwerk Das Hotel New Hampshire. Nun lese ich zum zweiten Mal Garp und erfreue mich - wie schon vor 30 Jahren - an Irvings Phantasie und Fabulierlust. Wer nicht aus meiner Generation stammt und dieses Buch noch nicht gelesen hat, sollte sich unbedingt darauf einlassen...einfach eine wundervolle Geschichte über das erfrischende Unangepaßtsein und das Leben, das so viele Überraschungen birgt!

P.S. Und wenn Ihr Euch jetzt fragt, wann ich das alles eigentlich lese - wie mich meine beste Freundin immer fragt - so muß ich gestehen, daß es seit vielen Monaten aufgrund der vielfältigen Probleme allzu viele "schlafgestörte" Nächte bei mir gibt, die nur mit ausgiebigster Lektüre zu ertragen sind.....Basteln kann ich ja des Nächtens nicht, auch wenn dies eine gleichsam gute Chaostherapie wäre...:)

Sonntag, 24. November 2013

Entdeckungen.....


Einen schönen Sonntag wünsche ich Euch allen mal wieder.....

Mein heutiges Photo zeigt ein Buch, das ich vor einigen Monaten für 5 Euro in einem Antiquariat zu Füßen der Akropolis entdeckt habe. Zuerst habe ich gar nicht so genau auf den Buchdeckel geschaut, ich fand einfach nur die Abbildungen interessant und überlegte, ob ich das eine oder andere Bild vielleicht mal für meine Arbeit gebrauchen könnte.

Zuhause habe ich dann festgestellt, daß es sich um einen Auktionskatalog von Sotheby's aus dem Jahre 1971 handelt, sogar der genaue Termin der Auktion ist auf dem Buchdeckel angegeben: "TUESDAY 9 NOVEMBER 1971 AT ELEVEN O CLOCK PRECISELY" (auf absolute Pünktlichkeit wurde Wert gelegt, wie man sieht!).

Es handelt sich um den 2. Teil einer Privatsammlung, die aus geographischen Manuskripten aus dem 15., 16. und 17. Jahrhundert besteht. Es finden sich tolle Karten, Exlibris und Illustrationen in diesem Katalog. Das Buch sieht viel älter aus als es eigentlich ist, und es beeindruckt mich, daß im Jahre 1971 noch ein richtiges schönes kleines Buch mit Hardcover als Auktionskatalog gedruckt wurde....

Beim Betrachten so alter Karten muss ich immer an die tollen Geschichten um die Entdecker wie Marco Polo, Vasco da Gama, Vespucci, Columbus etc. denken. Wie viele von uns hatte auch ich eine Phase in meiner Kindheit, wo mich all diese Lebensläufe faszinierten und ich alles darüber las, was ich finden konnte....und heute denke ich manchmal, waren das nicht ungleich faszinierendere  Entdeckungen als z.B. der iPod (sorry, der Vergleich hinkt, aber Ihr wißt schon, was ich meine..).

Versteht sich von selbst, daß das Buch unversehrt in meinem Regal steht und nicht dem kreativen Wahnsinn geopfert wurde!








Samstag, 23. November 2013

Calendars....Ημερολόγια....Kalender 2014....


Today I spent my whole day in my workshop to create some calendars for the new year. This made me thinking about time passing by without fail...only some days remain and we definitely enter the last month of this year!

So many authors have written inspiring stuff about time, but I always remember Virginia Woolf’s lines:


But Time, unfortunately, though it makes animals and vegetables bloom and fade with amazing punctuality, has no such simple effect upon the mind of man. The mind of man, moreover, works with equal strangeness upon the body of time. An hour, once it lodges in the queer element of the human spirit, may be stretched to fifty or a hundred times its clock length; on the other hand, an hour may be accurately represented on the timepiece of the mind by one second.”(V. Woolf, Orlando)



Isn't she right about how everyone of us feels about time?






Sonntag, 17. November 2013

Wer für sich selbst schreibt, schreibt für ein ewiges Publikum. - Ralph Waldo Emerson

Heute nur ein kurzer Beitrag auf die Schnelle....
Wer von Euch schreibt eigentlich noch ganz altmodisch Tagebuch?
Ich habe seit meiner Jugendzeit ausgiebigst Tagebücher geführt, später dann nur periodisch. Heute leider.... Trotzdem liegt nach wie vor ein schön in rotes Leder gebundenes Buch in meinem Nachtkästchen und wartet auf Einträge...

Vorstellen möchte ich euch eines der wunderschön geschriebenen und illustrierten Reisetagebücher meines Vaters. Auf all seinen Reisen hat er unermüdlich skizziert und notiert, um  dann zu Hause mit unglaublicher Akribie diese Texte ins Reine zu schreiben und als talentierter Hobbymaler das eine oder andere Aquarell hinzuzufügen. Er hat uns mehrere dieser Tagebücher hinterlassen, und manchmal blättere ich darin, freue mich über die schönen Bilder, die ausgezeichneten Texte....und vermisse ihn!





Samstag, 16. November 2013

Do give books for Christmas. They're never fattening, seldom sinful and permanently personal. - L. Hershey

There are only two weekends remaining until I will present my crafts at the annual German Christmas Bazaar in Athens. During the last two months nearly every evening was filled with folding, gluing, covering, painting and so on. Now I am sort of exhausted...All together with my daily work at our studio and the preparing the ground for our move to a new working space, the last weeks were quite heavy.
I think I will finish my crafts now, because my product range seems quite broad and I believe that my booth will be very nice this year. In any case I will post some photos after the event, something I totally forgot last year!
So, here is just a tiny foretaste of my "Book- Christmas":


Nur noch zwei Wochendenden bis zum jährlichen deutschen Weihnachtsbasar in Athen, wo ich meine Kreationen zeigen werde. Während der letzten 2 Monate war fast jeder Abend angefüllt mit Falten, Kleben, Beziehen, Bemalen etc. Jetzt bin ich ziemlich erschöpft....Zusammen mit meiner täglichen Arbeit in der Werkstatt und der nötigen Vorbereitung für den baldigen Umzug in die neuen Räume waren die letzten Wochen mehr als ausgefüllt.
Aber jetzt mache ich auch langsam Schluß mit dem abendlichen Basteln, ich glaube, daß ich genug Ware habe und daß mein Basarstand dieses Jahr ganz besonders schön werden wird. Auf jeden Fall werde ich danach mal ein paar Photos einstellen, was ich letztes Jahr total verschwitzt habe!
Dies hier nur ein winzig kleiner Vorgeschmack auf mein "Buch-Weihnachten....

Freitag, 15. November 2013

Die Menschheit ist ein Buch, das immer wieder von neuem aufgelegt wird, ohne die Aussicht, jemals ein Bestseller zu werden. - William Faulkner

So, Madame Bovary hat mich die ganze Woche über begleitet, meine Eindrücke von diesem Buch werde ich aber hier jetzt nicht aufschreiben, erscheint mir überflüssig, da ist wohl alles schon lange gesagt!
Mein zufällger Rückgriff auf dieses Buch hat mich aber auch zum Nachdenken gebracht, vor allem in Zusammenhang mit der Vorlesung von Rainer Schmitz in München. Meine Tochter berichtet mir immer so einiges davon....
Was er da so erzählt über die fragwürdigen Verkaufspraktiken und Werbestrategien durch die Verlage, stimmt einen schon nachdenklich. In einer der letzten Vorlesungen gab er den Studenten zum Beispiel folgende Listen:

Bestseller des Jahrzehnts
Die Spiegel-Liste berücksichtigt die Jahre 2002 bis 2009 und ist hier ergänzt um das Erscheinungsjahr und um die deutsche Gesamtauflage in Millionen (Stand März 2012)

Literatur Jahr Auflage

1 Joanne K. Rowling: Harry Potter und der Halbblutprinz (Carlsen) 2005 3,8

2 Joanne K. Rowling: Harry Potter und der Orden des Phönix (Carlsen) 2003 4,6

3 Joanne K. Rowling: Harry Potter und die Heiligtümer des Todes (Carlsen) 2007 3,9

4 Charlotte Roche: Feuchtgebiete (DuMont) 2008 <1,5

5 Dan Brown: Sakrileg (Lübbe) 2006 <80*

6 Cornelia Funke: Tintenherz (C. Dressler) 2003 <1,7

7 Daniel Kehlmann: Die Vermessung der Welt (Rowohlt) 2005 2,3 2,7*

8 Stephenie Meyer: Bis(s) zum Abendrot (Carlsen) 2008 2,5

9 Stephenie Meyer: Bis(s) zum Ende der Nacht (Carlsen) 2009 2,5

10 Ken Follett: Die Tore der Welt (Lübbe) 2008

11 Cornelia Funke: Tintenblut (C. Dressler) 2005 <1

12 Paulo Coelho: Der Alchimist (Diogenes) 1988 <22*

13 Francois Lelord: Hectors Reise (Piper) 2004

14 Joanne K. Rowling: Harry Potter und der Feuerkelch (Carlsen) 2000 4,5

15 Dan Brown: Diabolus (Lübbe) 2006

16 Joanne K. Rowling: Harry Potter und der Gefangene von Askaban (Carlsen) 1999 4,1

17 Frank Schätzing: Der Schwarm (Kiepenheuer & Witsch) 2004 <4

18 Joanne K. Rowling: Harry Potter and the Deathly Hallows (Bloomsbury)** 2007

19 Cornelia Funke: Tintentod (C. Dressler) 2007 <0,8

20 Stephenie Meyer: Bis(s) zur Mittagsstunde (Carlsen) 2007 2,5

* weltweit seit Erscheinen

** hier tauchte zum ersten Mal ein englischsprachiger Titel auf einer deutschen Bestsellerliste auf!

Man mag zu all diesen Autoren stehen wie man will, jeder soll ja auch lesen, was ihm Spaß macht, aber interessant ist sein Fazit für die Rubrik Literatur allemal:

Die 20 literarischen Spiegel-Bestseller des ersten Jahrzehnts dieses Jahrtausends verteilen sich auf nur 9 Verlage und 10 Autoren.
6 x Rowling (Carlsen, Bloomsbury)

3 x Meyer (Carlsen)

3 x Funke (C. Dressler)

2 x Brown (Lübbe)

1 x Roche (DuMont)

1 x Kehlmann (Rowohlt)

1 x Follet (Lübbe)

1 x Coelho (Diogenes)

1 x Lelord (Piper)

1 x Schätzing (Kiepenheuer & Witsch)
(Rainer Schmitz: Literaturbetrieb in den Medien, LMU München, WiSe 2013)


Und was sagt uns das nun? Zuerst war ich ensetzt, hoffe aber mittlerweile, daß uns diese Bestsellerlisten nicht sehr viel über das tatsächliche Leseverhalten der Deutschen sagen. 
Schmitz' Fazit sagt uns aber sehr viel über die Verlage, die sich teure Werbestrategien leisten können und somit gewisse Bücher auch dementsprechend "pushen" können. Auch ich habe mich schon öfter vom Attribut  "Bestseller" verleiten lassen und so ein Buch gekauft, nur um mich dann beim Lesen zu fragen, warum in aller Welt dieses Buch ein Bestseller sein soll....Es wurde auch die Frage aufgeworfen, ob man sogenannten Leserrezensionen wie z.B. bei Amazon glauben kann. Wer sagt uns denn, daß nicht Verlage selbst dort als camouflierte Leser eine gute Rezension reinstellen?

Und was lehrt uns all das? Wir sollten uns endgültig von den sogenannten Bestsellerlisten verabschieden und uns lieber selbst informieren, welche neu erschienenen Bücher unserer eigenen Meinung nach wert sind, gekauft und gelesen zu werden. Wenn ein Buch an zigster Stelle auf einer Bestsellerliste steht, bedeutet das noch lange nicht, daß es kein gutes Buch sein kann (und vice versa!).Vielleicht ist es ja auch nur in einem kleineren Verlag erschienen, der nicht soviel Geld für die Vermarktung ausgeben kann....
Und oft liegt das Gute auch so nah: in unseren vollen Bücherregalen findet sich sicher der eine oder andere Schatz, den man schon längst vergessen hat...(und höchstens mal beim Abstauben wiederfindet!).

Montag, 11. November 2013

In einem Buch müssen sich Sätze wie die Blätter im Wald bewegen, alle in ihrer Ähnlichkeit unähnlich. - Gustave Flaubert


Wie neulich schon kurz angesprochen, habe ich den Roman "Middlesex" endlich gelesen....seine Zeit mußte kommen, und es war gut so, daß ich gewartet hatte.
Ein wunderschönes Buch, diese Geschichte um den griechisch-stämmigen Cal, der uns seine Familiengeschichte mit einer ungeheuren Fabulierlust erzählt: von seinen Großeltern, die einem kleinen Dorf in der Nähe von Smyrna entstammen, Geschwister sind, trotzdem heiraten und sich 1922 aufgrund der kleinasiatischen Katastrophe nach Amerika aufmachen; von seinen Eltern, die sich in Amerika fest etablieren und assimilieren; und er erzählt von sich selbst, dem die durch Inzucht degenerierten Gene seiner Großeltern eine Besonderheit "eingebracht" haben: er wird als Hermaphrodit geboren, und wir begleiten ihn die ersten Jahrzehnte seines Lebens auf der Suche nach seiner eigenen Identität. Es ist wunderbar, wie Eugenides all diese Handlungsstränge miteinander verwebt. Trotzdem muß ich zugeben, daß ich gegen Ende so manches "schnellgelesen" habe, hatte ich leider den Eindruck, daß das Buch vor allem auf den letzten 100 Seiten dem furiosen Beginn nicht mehr so ganz standhalten kann....aber sei's drum: ein uneingeschränkt empfehlenswertes Buch!!!
 
Mein nächstes Buch sollte eigentlich von Saramago sein, lag es doch schon "lesebereit" auf meinem Nachtkästchen. Als ich am Wochenende - endlich mal wieder - in meinen Bücherregalen staubwischte, fiel mir jedoch Flauberts Madame Bovary nach vielen Jahren wieder in die Hände und ich fing an zu blättern. Ich hatte das Buch an der Uni gelesen, als es eine tolle Vorlesung dazu gab - also vor gefühlten 100 Jahren!

Wie auch immer, Saramago muß jetzt nochmal warten, habe ich mich doch von der ersten Seite an wieder bei Flaubert festgelesen (mit dem Staubwischen war es dann natürlich vorbei...). Und mir kam lächelnd der bereits erwähnte Rainer Schmitz in den Sinn, der seinen Münchner Studenten neulich nahelegte, sich ruhig mal wieder auf die guten alten Klassiker einzulassen!!!
Wie wahr, wie wahr....genauso mache ich das jetzt und wünsche Euch eine schöne Woche!

Sonntag, 10. November 2013

Die meisten verstehen nur die Frakturschrift im Buche der Schöpfung und übersehen die kleine Perlschrift auf Wiesenblumen und Schmetterlingsflügeln. - Adalbert Stifter

Kalles Beitrag von letzter Woche auf Kerkis Designblog erinnerte mich daran, daß sich unter den mir "überlassenen" Büchern ab und an noch ein altes Buch in Frakturschrift findet.



Beinahe unabhängig vom Inhalt, hebe ich diese Bücher fast alle auf, werden sie im Laufe der Jahre ja immer seltener in unseren Bücherregalen werden. Ich finde diese Schrift so schön und aus mancher "Fraktur-Buchseite" habe ich schon etwas gebastelt, wenn auch immer sehr sparsam! Vor vielen vielen Jahren hatte ich mal irgendwo gelesen, wie die Frakturschrift entstanden ist, aber so genau wußte ich es jetzt auch nicht mehr (mein Hirn gleicht immer mehr einem Sieb!). Deshalb habe ich kurz bei Wikipedia nachgeforscht und folgende interessante Antworten gefunden - in aller Kürze:

Gebrochene Schrift ist eine Sammelbezeichnung für eine Reihe lateinischer Schriftarten, bei denen die Bögen eines Buchstabens ganz oder teilweise gebrochen sind, d. h. aus einer Schreibbewegung entstehen, in der ein oder mehrere erkennbare abrupte Richtungswechsel in der Strichführung einen sichtbaren Knick im Bogen hinterlassen.

Enstanden sind diese Schriften in der Mitte des 12. Jahrhunderts, als sich in Europa der Kunststil der Gotik ausbreitete. Eine der auffälligsten Änderungen in der Architektur war der Übergang vom romanischen Rundbogen zum gebrochenen gotischen Spitzbogen. Dieses Stilelement der Bogenbrechung wurde dann auch auf die Bögen der Buchstaben angewendet.

Die erste Frakturschrift für den Buchdruck wurde 1513 in Augsburg entworfen und z.B. in einem von Albrecht Dürer illustrierten Gebetbuch verwendet.

Vor allem zur Zeit des Nationalsozialismus erlebte die Fraktur insbesondere als Auszeichnungs-, aber auch als Textschrift zunächst eine Renaissance, da sie als deutsche Schrift betrachtet wurde, wurde dann aber Gegenstand einer längeren Auseinandersetzung. Man einigte sich schließlich darauf, ab 1940 alle für das Ausland bestimmten Texte in der "Normalschrift" Antiqua zu setzen, was sich dann allgemein durchsetzte und so erschien 1941 dann auch der Duden letztmals in Fraktur....

Welch interessante Geschichten doch hinter so einer Schrift stecken...werde mich bei Gelegenheit mal genauer damit beschäftigen!

Donnerstag, 7. November 2013

Die Farbe hat mich. Ich brauche nicht nach ihr zu haschen. Sie hat mich für immer. Das ist der glücklichen Stunde Sinn: ich und die Farbe sind eins. Ich bin Maler. -- Paul Klee

Wie Euch allen sicher nicht entgangen sein wird, hat diese Woche eine Meldung weltweit Schlagzeilen gemacht: die Auffindung von 1500 verschollen geglaubten Kunstwerken, darunter viele von Künstlern, deren Werke in der berühmt-berüchtigten Auststellung im Jahre 1937 als "entartete Kunst" gebrandmarkt worden waren. Darunter Werke von Liebermann, Beckmann, Dix, Kokoschka, Toulouse-Lautrec, Macke, Marc, Nolde, Kirchner, Picasso, Spitzweg, Chagall, Renoir, Courbet, Matisse und Dürer.

http://www.zeit.de/kultur/kunst/2013-11/kunstfund-staatsanwaltschaft-hoffmann-erben

Im Wust der oft so unbedeutenden, schnell vergänglichen Informationen und News, die wir täglich über uns ergehen lassen müssen (und die ich mit zunehmendem Alter immer seltener "abspeichere"), empfand ich allerdings diese Nachricht als eine wirklich nachhaltige Neuigkeit, wird sie doch für Jahrhunderte neue Einsichten in die Kunstgeschichte geben.
Aber vor allem erschütterte mich der Gedanke, wie vielen Kunstsammlern und Familien damals Unrecht zugefügt wurde, mußten sie ihre Kunstschätze doch aus der Not heraus verkaufen. Ich hoffe von ganzem Herzen, daß alle überlebenden (oftmals jüdische) Familien die ihnen zustehenden Gemälde auch wiederbekommen....(auch wenn das natürlich mitnichten eine späte Entschädigung für die Greuel der Nazis sein kann und juristisch erstmal unzählige Verfahren nachziehen wird, reden wir doch über einen Wert von mehr als einer Milliarde von Euro!).
Ein Nachtrag dazu: http://www.dradio.de/dkultur/sendungen/kommentar/2314642/

Aus der Sicht des "spät berufenenen" Kunstgeschichtlers wage ich mir gar nicht vorzustellen, was da nun alles zu begutachten und zu prüfen sein wird! Mein Gott, ein wahres El Dorado für Kunstgeschichtler, und ich beneide all diejenigen Koryphäen, die die Ehre haben, sich mit diesem Schatz zu befassen! Ich hoffe, daß all diese Kunstschätze irgendwann mal in einer Ausstellung oder zumindest in Photographien zu sehen sein werden.....!

Samstag, 2. November 2013

If you have an apple and I have an apple and we exchange these apples then you and I will still each have one apple. But if you have an idea and I have an idea and we exchange these ideas, then each of us will have two ideas. - George Bernard Shaw

Eine anstrengende Woche mit diversen Bestellungen, die leider wie so oft in letzter Zeit unverhältnismäßig zeitaufwendig waren, ist Gott sei Dank vorbei! Ein hoffentlich ruhiger Sonntag steht jetzt erstmal an...
Ich fand die letzten Tage kaum die Kraft, mich nach der Arbeit auch noch mit den Basteleien für den baldigen Weihnachtsbasar hier in Athen zu beschäftigen.  Das Einzige, was mir in vielen kleinen abendlichen Etappen von der Hand ging, waren meine "Buchäpfel", gedacht als Schmuck für den Weihnachtsbaum.... (diverse Brandblasen an meinen Händen von der Heißklebepistole zeugen allerdings von meiner Müdigkeit und der dadurch bedingten Unachtsamkeit!)...

Der Herbst ist Erntezeit :-)

P.S. Und noch ein "Buchnachtrag": vorgestern abend habe ich endlich den so euphorisch besprochenen Roman "Middlesex" von Jeffrey Eugenides angefangen...die ersten der über 700 (!) Seiten sind definitiv vielversprechend! Ich werde Euch nach meiner "Lesereise" davon berichten...

Dienstag, 29. Oktober 2013

Ohne eigene Bücher zu sein, ist der Abgrund der Armut, verweile nicht darin. - John Ruskin

Etwas "computermüde" bin ich diese Woche...
Gerade jedoch sah ich im TV mal wieder eine Werbung, die seit der Frankfurter Buchmesse anscheinend ständig geschaltet wird: bei Amazon gibt es einen neuen Kindle, den "Paperwhite"! Und schon kribbelt es mich wieder in meinen Fingern....
Ich gebe zu, daß ich vor einigen Monaten durchaus mal mit dem Gedanken gespielt habe, mir so ein Ding zuzulegen. Das war aber nur eine kurze Phase, als mir meine Bücher mal wieder etwas zuviel wurden. Dann habe ich erstmal aufgeräumt, aussortiert und neu eingeräumt. Und damit war wieder Platz geschafft und das Thema Kindle erledigt.
Heute dachte ich wieder daran, als ich die Werbung sah.
Sicherlich, es ist ein Vorteil, wenn man sich jedes Buch schnell mal raufladen kann und nicht erst bestellen und - wie wir hier in Athen - lange darauf warten muß. Es mag ebenfalls ein Vorteil sein, daß man nicht mehr soviel Platz für Bücherregale braucht. Und man kann eine ganze Latte von Büchern mit auf Reisen nehmen. Und man kann wohl auch bei schlechter Beleuchtung und bei starkem Sonnenschein lesen. Und der Akku "reicht wochenlang" - ätsch, meine Bücher "reichen" aber ein Leben lang! Und der TV-Werbeslogan lautet:"Der neue Kindle-Paperwhite...Lesen Sie selbst!" Wow, wußte noch gar nicht, daß ich das althergebrachte Buch nicht selbst lesen kann!
Und, ach ja, wie schreibt die Amazon-Werbung noch: man kann sogar "EINHÄNDIG" lesen. Welch eine Errungenschaft! Ist mir noch gar nicht aufgefallen, daß ich Bücher eigentlich schon immer einhändig lese (um z.B. mit der anderen Hand ein Gläschen köstlichen Rotweines zu halten)! Aber wahrscheinlich haben die Werbefritzen bei Amazon selbst noch kein Buch in ihren Händen gehalten.  Oder mußte man vielleicht den alten Kindle immer mit beiden Händen halten, war er doch mit ganzen 170 Gramm "leichter als ein Taschenbuch"! Mußte der arme altmodische Leser demnach erst ein straffes Trainingsprogramm absolvieren zur Stärkung der Finger- und Handgelenke, damit er sein Taschenbuch "einhändig" lesen kann? Weltbewegende Fragen, die so eine Werbeaussage aufwirft...

Aber Spaß beiseite: Ich kann mir einfach nicht vorstellen, ein Buch an einem Bildschirm zu lesen, auch Zeitungen halte ich nach wie vor lieber in der Hand, als z.B. den "Spiegel" online zu lesen. Vielleicht bin ich auch "verseucht" von meinem Umgang mit alten Handschriften. Vielleicht war ich zu viele Jahre in Bibliotheken "unterwegs", vielleicht ist Lesen für mich nicht nur ein visuelles und intellektuelles, sondern eben auch ein haptisches und olfaktorisches Vergnügen. Jedes Buch hat sein eigenes Gewicht, seinen eigenen Umfang, seinen eigenen Umschlag aus unzählig verschiedenen Materialien etc.. Ein Buch ist eben nicht nur eine Ansammlung von Wörtern, es ist ein dreidimensionales Gesamtkunstwerk und ein Gesamterlebnis. Für mich, wie gesagt....
Und wie geht es Euch?



Sonntag, 27. Oktober 2013

Leben mit Büchern: wie könnte es auch anders sein!

Hallo, Ihr lieben Bücherfreunde, schon wieder ist eine Woche rum....es geht alles so schnell....
Heute nur eine wunderbare Textstelle aus einem meiner Lieblingsbücher und ein Bildchen meiner jüngsten "Schandtat" dazu. Und so schenke ich Euch von ganzem Herzen zwar keinen echten Blumenstrauß, aber dennoch ein virtuelles Blümchen an diesem letzten Sonntag im wunderschönen Oktober!



"Und dann, als sie ihre Augen öffnete, wie frisch, gleich gerüschtem Stoff, sauber aus der Wäscherei, auf Weidentabletts ausgebreitet, die Rosen aussahen; und dunkel und steif die roten Nelken, erhobenen Hauptes; und all die spanischen Wicken, weit gestreut in ihren Schalen, violett, schneeweiß, bleich getönt - als wäre es Abend und Mädchen in Musselinkleidern kämen heraus, um spanische Wicken und Rosen zu pflücken, nachdem der wunderbare Sommertag mit seinem nahezu blauschwarzen Himmel, seinem Rittersporn, seinen Nelken, seinen Callas zu Ende war; und es wäre der Augenblick zwischen sechs und sieben, wenn jede Blume - Rosen, Nelken, Schwertlilien, Flieder - aufglüht; weiß, violett, rot, tieforange; jede Blume scheint von allein zu brennen, sacht, rein, in den dunstigen Beeten...."

 ( aus  Mrs. Dalloway von der großen Virginia Woolf)

Dienstag, 22. Oktober 2013

A good book is an event in my life. ― Stendhal

Literature was once my hobby, then my profession, now it is my inspiration, my comfort.....
I cannot live without it and I definitely prefer the company of a good book to the waste of time doing things/meeting people I am not really interested in!
Some years ago I was forced to realize that our time on earth is very restricted and that we have therefore always the right to say: NO!
A basic revelation....

Literatur war einst mein Hobby, dann mein Beruf und nun ist es meine Quelle der Inspiration, mein Trost.... Ich kann ohne Literatur nicht leben und ich ziehe allemal ein gutes Buch der vergeudeten Zeit mit Dingen/Menschen vor, die mich nicht wirklich interessieren!
Vor wenigen Jahren habe ich am eigenen Leib erfahren müssen, daß unsere Zeit begrenzt ist, und daß wir deshalb jedes Recht haben, auch einfach mal NEIN zu sagen!
Eine grundlegende Entdeckung....

 
And this is my quote of the day:

That is part of the beauty of all literature:
You discover that your longings are universal longings, 
that you're not lonely and isolated from anyone. 
You belong.

F. Scott Fitzgerald


Sonntag, 20. Oktober 2013

Leben mit Büchern...auf ein Neues....

Heute nur ganz kurz, meine Zeit ist knapp an diesem Wochenende....
Ich erinnerte mich heute daran, daß ich ja vor einigen Jahren eine kleine Schachtel gebastelt habe, die meine eigene kleine Zitatensammlung aus Büchern darstellt. Ihr kennt das ja:  man liest eine Textstelle, streicht sie sich vielleicht auch noch an, aber das ist es auch schon. Wenn man nach längerer Zeit diese Textstelle wieder sucht, ist das oft entweder sehr zeitaufwendig oder frustrierend, weil man die Stelle - oder gar das Buch - nicht mehr findet....
Deshalb schreibe ich mir besonders schöne oder interessante Textstellen manchmal einfach auf, drucke sie aus und dann "ab in die Kiste" damit. So hat sich schon Einiges angesammelt, aber ich muß gestehen, daß ich die letzte Zeit diese Praxis sträflich vernachlässigt habe, vor allem, seit soviele andere Dinge zu bewältigen sind...und ich auch noch meinen kleinen Blog hege und pflege!!!!
Um das Photo zu machen (leider schlecht, es war schon spät am Abend), habe ich mich dann gleich mal wieder an manchen Textstellen "festgelesen" und mir fest vorgenommen, diese Sammlung bald wieder auf den neuesten Stand für mich zu bringen !



Freitag, 18. Oktober 2013

Vielleicht ist Liebe wesentlich, weil sie unnötig ist. - Julian Barnes

Kurz ein Hinweis auf ein Buch, das seit August in meinem SUB auf mich gewartet hatte: Julian Barnes, "Eine Geschichte der Welt in 10 1/2 Kapiteln".
Ich habe ja schon neulich auf diesen interessanten englischen Autor aufmerksam gemacht.. Dies ist nun mittlerweile das vierte Buch, das ich von ihm lese.
"In seiner Geschichte der Welt in 10 1/2 Kapiteln jongliert Julian Barnes auf höchst gekonnte Weise mit dem Arche-Noah-Myhtos. In zehn Kapiteln schreibt Barnes über Gott und die Welt, kühn kalkuliert und sprachlich brilliant. Das schönste Kapitel ist jedoch jenes halbe über die Liebe."
Soweit der Klappentext.
Und weil ich meine Neugier nicht bändigen konnte und weil die in sich inhaltlich abgeschlossenen Kapitel des Buches diesen "Leseverstoß" durchaus zulassen, las ich als erstes dieses tatsächlich wunderbare "halbe" Kapitel über die Liebe. Ich müßte eigentlich die gesamten 20 Seiten hier abschreiben, kaum etwas erscheint mir überflüssig an dieser Liebeserklärung an die Liebe, aber lest es selbst nach!
Inzwischen habe ich ganz brav von vorne begonnen, habe mich beim ersten Kapitel köstlichst amüsiert über die humorvolle Entmythifizierung der Arche-Noah-Geschichte. Auch wenn ich nicht alle der folgenden Kapitel so gut fand, bedeutet dies nicht, daß das Buch nicht lesenswert ist. Absolut erstaunlich ist immer wieder der Ideenreichtum dieses Autors, meisterhaft variiert er in den einzelnen Geschichten den Arche-Noah-Mythos! Und so habe ich es dann doch ganz gelesen und mir auf den Seiten 299-329  Barnes Ansichten über die Liebe nochmals auf der Zunge zergehen lassen:

Die Liebe....sie ist unsere einzige Hoffnung, 
auch wenn sie uns enttäuscht,
 obwohl sie uns enttäuscht, 
weil sie uns enttäuscht.
Habt ein schönes Wochenende!

Mittwoch, 16. Oktober 2013

Wie lautet der kürzeste Anfangssatz in einem deutschen Roman und wer hat ihn geschrieben?

Meine Tochter erzählte mir gestern von einer Vorlesung, die sie dieses Semester in Germanistik besucht: "Literaturbetrieb in den Medien".
Die Einführungsvorlesung war ihrer Meinung nach sehr interessant, geht es doch um das Lesen an und für sich, um die Verlagspraktiken, um die "Buchindustrie" allgemein... Und sie hatte sich einige Ansichten des Dozenten gemerkt, z. B.:

- Ein Mensch kann in seinem Leben im Schnitt 5000 Bücher lesen, sofern er ein eifriger Leser ist. Dies bedeutet, daß man sich seine Lektüre sehr genau aussuchen sollte, denn die Zeit ist knapp....
- Der erst kürzlich leider verstorbene Reich-Ranicki behauptete einmal, daß 87% aller Neuerscheinungen überflüssig wären, der Dozent meinte aber, das sei noch viel zu niedrig angesetzt!

Irgendwann erwähnte meine Tochter auch, daß dieser Mann ein Buch veröffentlicht hat. Ich erinnerte mich dann gleich, daß dieses Buch in meinen Regalen steht! Ein Buch, das ich mal gekauft hatte und darin ab und zu rumschmökere....Welch ein witziger Zufall!
Das Buch ist angefüllt mit skurilen, zum Teil aberwitzigen, aber immer interessanten Tatsachen aus der Literaturwelt in enzyklopädischer Form, die wir echt nicht gewußt haben:
"Affären und Prozesse, Mystifikationen und Fälschungen, Legenden und Spekulationen, Schmäh- und Nachreden, Plagiate und Pseudonymen, Poesie und Polizei, Genie und Wahnsinn....eine unerschöpfliche Fundgrube von Homer bis zum Dan-Brown-Plagiatsprozess" (Klappentext).
Wirklich lesenwert, allein schon wegen der absolut beeindruckenden 25-jährigen Forschungsarbeit, die dahintersteckt. Es ist ein echter "Schmöker", über 1800 Seiten "schwer"...die ideale Lektüre für Leseratten, wenn man ab und an mal kurzzeitig "abhängen" will und sich für alles interessiert, was im weitesten Sinne mit Literatur zu tun hat!
Würde ich noch in München leben, würde ich diese Vorlesung - als "betagter" Gasthörer - sicherlich besuchen! Zumindest aber wird das in den kommenden Monaten viel Gesprächsstoff geben für mich und meine Tochter. Diese Vorlesung ist sicher ein Highlight, ich bin schon gespannt auf die Berichte und werde Euch ab und zu mitnehmen auf diese kurzweilige Reise in die Welt der Germanisten! Und wer darüberhinaus interessiert ist, sollte sich das Buch kaufen....

Montag, 14. Oktober 2013

Das Leben gehört dem Lebendigen an, und wer lebt, muß auf Wechsel gefaßt sein. - Goethe

Veränderungen und Abschiede....

Meine liebe Blogger-Kollegin "Frau Sonnenhut" hat mir als Kommentar auf meinen letzten Beitrag ein wunderbares Gedicht von Hermann Hesse geschickt...die wichtigsten Gedanken darin für mich sind momentan die Zeilen:
 "Nur wer bereit zu Aufbruch ist und Reise,
Mag lähmender Gewöhnung sich entraffen.
....
Wohlan denn, Herz, nimm Abschied und gesunde!"

So viele Veränderungen und Abschiede haben mein bisheriges Leben begleitet. Oft willentliche, öfter jedoch notwendige Veränderungen. Abschiede waren fast immer nur erzwungene, nie ersehnte. Und das geht wohl den meisten von uns so.
Man kann sich immer wieder auf die Schulter klopfen und sich sagen, man "entraffe sich lähmender Gewöhnung". Tatsache ist aber, daß zuviele Veränderungen einen auch mürbe machen können. Vor allem die letzten Jahre der Wirtschaftskrise verlangen von so vielen von uns ein ständiges Umdenken, ein ständiges in Bewegung bleiben und ein sich neu Erfindenmüssen, was unendlich viel Kraft und oft auch eine dumpf-gedankenlose Ausdauer erfordert.
Dies sind Momente, in denen ich dann doch so manche unserer Freunde beneide, die ihr Leben trotz der allgemeinen Probleme mehr oder weniger weiter wie bisher leben können. Und dann sehne ich mich nach dieser "lähmenden Gewöhnung", erscheint sie mir in solchen Momenten sogar wünschenswert, obwohl dies so gar nicht meinem unruhigen Naturell entspricht. Aber es bleibt eben ein himmelweiter Unterschied zwischen gewollter und erzwungener Veränderung!

Tröstend am Ende ist nur die letzte Zeile von Hesses Gedicht, und weil ich Lyrik sehr liebe, werde ich ab und an mir diese Worte ins Gedächtnis rufen...
Noch bleibt natürlich dahingestellt, ob es am Ende ein Gesunden geben wird, ob die kommende Veränderung einfach ein weiterer "Next Exit" oder die "Final Destination" sein wird....

Ich schreibe dies heute nur ganz kurz, um Euch allen für Eure lieben Gedanken und aufmunternden Worte zu danken! Habt eine schöne Woche!




Sonntag, 13. Oktober 2013

Ich kann freilich nicht sagen, ob es besser werden wird.... G.Ch.Lichtenberg

Da ja letzte Woche auf Kerki's Blog so ein schönes Photo einer alten Druckmaschine eingestellt war, will ich "maschinenmäßig" kurz nachlegen - aus für mich aktuellem Anlaß:

Wenn Buchseiten erstmal gedruckt sind, müssen sie unweigerlich zum Buchbinder. Inzwischen funktionieren richtig große Buchbindereien nur noch maschinell. Vor einigen Jahren durfte ich in Dubai eine riesige Buchbinderei besuchen, in der hauptsächlich Koran-Ausgaben hergestellt wurden. Es war eine faszinierende, aber auch ernüchternde Erfahrung: noch nie hatte ich all die hochmodernen Maschinen gesehen, die heute in einer Großbuchbinderei eingesetzt werden! Unfaßbar, daß es auch für die klitzekleinsten Arbeitsschritte noch eine entsprechende Maschine gibt! Da kam dann auch die ernüchternde Frage: was treibe ich da eigentlich in meiner kleinen Werkstatt mit meinen zwei Händen und einigen wenigen Maschinen!?
Naja, man kann die maschinelle Buchherstellung natürlich nicht mit dem Handwerk vergleichen...

Der aktuelle Anlaß, von dem ich oben sprach, ist die Tatsache, daß wir bis spätestens Weihnachten  unsere bisherige Werkstatt aufgeben und uns empfindlich verkleinern werden. Wir müssen uns der bitteren Realität anpassen und die vergangenen Jahre ad acta legen: Wachstum oder zufriedene Stagnation waren einmal, jetzt ist Rezession (ad infinitum?) angesagt. Die ersten Weichen sind bereits gestellt, viel Bürokratie ist zu bewältigen, Genehmigungen sind einzuholen - ja, selbst hier im chaotischen Griechenland muß das sein!.
Neben so manchen Träumen und Hoffnungen werden diesem Umzug auch einige Maschinen zum Opfer fallen, für die einfach kein Platz mehr sein wird. Eine davon ist unsere große, uralte Schneidemaschine (Baujahr anno dunnemals...). Wir benutzen sie sowieso nur noch sehr selten, schneidet sie schon länger nicht mehr millimetergenau. Trotzdem tut es mir in der Seele weh, sie hat uns immerhin 16 lange Jahre gute Dienste erwiesen und ist jetzt nur mehr das Symbol für die anstehenden Veränderungen:  So geht für sie - und unweigerlich auch für uns - eine kleine Ära zu Ende! Irgendwie schade.
Mein Zitat aus aktuellem Anlaß:
Ich kann freilich nicht sagen, ob es besser werden wird, 
wenn es anders wird; aber soviel kann ich sagen: 
es muß anders werden, wenn es gut werden soll.
Georg Ch. Lichtenberg



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